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Der Lehrermangel macht flexibel

Die Schulen sind belastet, vor allem wegen Corona. Und ein weiteres Problem macht das Leben schwer – der Lehrermangel. Auch in diesem Jahr konnten für den Pflichtbereich nicht alle Stellen besetzt werden. So quälen sich die Schulen durch den Stoff und müssen sich als extrem flexibel erweisen. Doch es gibt auch Hoffnung.

Die Lehrersituation hat auch unter Corona zu leiden.Archivfoto: dpa
Die Lehrersituation hat auch unter Corona zu leiden.Archivfoto: dpa

Kreis Ludwigsburg. Der Lehrermangel treibt die Kultuspolitik nicht nur in Baden-Württemberg schon lange vor sich her. Über neue Stellen entscheidet der Landtag, und der zeigt sich in dieser Hinsicht nicht besonders spendabel. Lediglich 164 neue Lehrer wurden für das laufende Schuljahr im Landkreis Ludwigsburg eingestellt. Und das bei einer ansteigenden Anzahl von Pädagogen, die sich in den Ruhestand verabschieden. Insgesamt muss das Staatliche Schulamt im Landkreis 37500 Schüler mit Lehrern versorgen. Doch das gelingt nicht.

„Die Schulen sind im Pflichtbereich nicht zu 100 Prozent versorgt. Wir mussten schon zu Beginn des Schuljahres improvisieren“, sagt Sabine Conrad, Leiterin des Staatlichen Schulamtes in Ludwigsburg. Dies bedeutet, dass Lehrer, die für die Krankheitsversorgung vorgesehen waren, jetzt schon für den Pflichtunterricht abgestellt sind, dass Deputate aufgestockt werden, dass Lehrer freiwillig zusätzliche Stunden übernehmen.

Nur so lasse sich sicherstellen, dass jedes Kind seinen Unterricht bekomme. Zu mehr als 97 Prozent des Pflichtunterrichts reiche es aber nicht.

Wenn schon das Staatliche Schulamt nicht zufrieden ist, wie sieht es dann an den Schulen aus. An der Hanfbachschule in Möglingen hat man sich mit der Situation schon weitgehend abgefunden. „Die Versorgung war genau am Strich. Das heißt, wir konnten den Pflichtbereich abdecken“, sagt Eberhard Schober, Rektor der Gemeinschaftsschule. Das bedeutet aber, dass bei krankheitsbedingten Ausfällen sofort der Unterricht zusammengestrichen werden muss. Allein am vergangenen Montag habe man sechs Krankmeldungen gehabt. Zum Glück gebe es eine hohe Impfquote unter den Lehrern und man habe noch keine Schwangerschaft gehabt. Doch das könne sich schon morgen ändern. „Eigentlich brauchen wir fünf Prozent an Lehrerversorgung über dem Pflichtbereich. Doch wir können uns die Lehrer nicht backen“, so Schober.

An der Schule im Sand in Bietigheim-Bissingen sieht es nicht viel besser aus. „Die Versorgung mit Lehrern ist miserabel. Hinzu kommt noch die enorme Belastung mit Corona. Die Lehrer müssten ihren normalen Unterricht und Fernunterricht machen. Und dann noch für Kollegen einspringen. Es geht einfach nicht mehr“, sagt Iso Steigelmann, Leiterin der Gemeinschaftsschule.

Dabei habe man in diesem Jahr noch Glück, die Stellen konnten alle besetzt werden, Corona sorgt noch für keinen Unterrichtsausfall und es gab ebenfalls noch keine Schwangerschaftsausfälle. Früher habe man 115 Prozent der zu besetzenden Stelle benötigt, heute schaffe man es nicht einmal mehr auf 100 Prozent. „Doch das geht allen Schulen so. Wir kämpfen jeden Tag, um über die Runden zu kommen“, so Steigelmann.

Doch es gebe auch positive Seiten. Viele Eltern würden mitarbeiten und Vorschläge machen. Das würde den Lehrern Kraft geben und eine besondere Gemeinschaft hervorbringen. Dafür sei sie sehr dankbar, da würden die negativen Reaktionen der Eltern kaum ins Gewicht fallen.

Auch in Marbach hat man gelernt, mit der Situation zu leben. „Wir sehen die Bemühungen des Schulamtes, doch was soll man dort machen, wenn es keine Lehrer gibt. Wir hatten einen Ausfall in einem Wahlfach, hierfür wurde schnell Ersatz gefunden“, so Dr. Sabrina Hubbach, Leiterin der Anne-Frank-Realschule. Das sei ein großes Glück gewesen. In der Zwischenzeit habe man eben Unterrichtsstunden streichen müssen.

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