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Der Prüfungsmarathon geht weiter

Corona hat den Alltag in den Schulen grundlegend verändert. Doch wie läuft der Unterricht unter Pandemiebedingungen? In unserer Serie „Schule in Corona-Zeiten“ berichten wir in regelmäßigen Abständen, wie die Oscar-Paret-Schule (OPS) in Freiberg mit der „neuen Normalität“ umgeht. Nach den Pfingstferien stehen in den Abteilungen Realschule und Gemeinschaftsschule die schriftlichen Prüfungen an.

Freiberg. Während viele Schüler derzeit die Ferien genießen und einige von ihnen sogar mit ihren Eltern verreisen durften, sind die Jugendlichen der Abschlussklassen von Realschule und Gemeinschaftsschule voll im Einsatz: Sie lernen für die Abschlussprüfungen, die am Dienstag, 8. Juni, mit dem Fach Deutsch beginnen. Zwei Tage später ist Mathematik dran, am 15. Juni wird das Fach Englisch geprüft. An allen Terminen finden sowohl Haupt- als auch Realschulprüfungen statt. Die mündlichen Prüfungen erfolgen vom 12. bis 16. Juli.

Der Aufwand dafür ist enorm. Schließlich sind es knapp 150 Schüler, die ihre Prüfungen unter Corona-Hygienebedingungen schreiben müssen. In der Gemeinschaftsschule der OPS sind 31 Hauptschul- und 39 Realschulprüflinge am Start. Geschrieben wird in der Stadthalle (Realschulprüfung) und im Schulgebäude (Hauptschulprüfung). In der Realschule finden die Prüfungen im Prisma statt. Hier streben 68 Schüler einen Realschul- und neun Schüler einen Hauptschulabschluss an. Am Tag vor jeder Prüfung haben die Schüler die Möglichkeit, sich auf das Coronavirus zu testen. Das Problem: Weil für die Prüflinge keine Testpflicht besteht, müssen getestete und nicht getestete Schüler wie beim Abitur in verschiedene Räume aufgeteilt werden. Das ist sehr personalintensiv, da laut Timo Kuschnier, Leiter der Abteilung Realschule, pro Raum zwei Aufsichtspersonen benötigt werden. Hinzu kommen die Pausen- sowie die Toilettenaufsichten. „Etwa ein Drittel des Kollegiums benötigen wir für die Aufsicht“, macht Kuschnier deutlich und ist froh, Unterstützung von Praktikanten und der Schulsozialarbeit zu erhalten.

Die Prüfungen beginnen jeweils um 8 Uhr. Damit sich die Absolventen wegen des Infektionsrisikos möglichst nicht begegnen, stehen den Gemeinschaftsschülern mehrere Eingänge zur Verfügung. Um 7.45 Uhr müssen sie in einer ihnen zugeteilten Zone stehen und werden dann abgeholt. Die Realschule hat eine andere Vorgehensweise gewählt. Beginnend um 7.20 Uhr kommen die Schüler bis 7.50 Uhr im Fünf-Minuten-Takt. „Wir bitten die Schüler, dass sie möglichst zeitnah ins Prisma kommen, damit keine Grüppchenbildung stattfindet“, so Kuschnier.

Wie bereits die Abiturienten sollen auch die Hauptschul- und Realschulprüflinge im Coronajahr ein paar Erleichterungen erhalten. So wird die dreistündige Prüfungszeit um 30 Minuten verlängert. Außerdem soll es eine erhöhte Aufgabenauswahl für die Lehrer geben. „Ich denke, dass dies der Situation angemessen ist“, lautet die Bewertung von Kuschnier.

Sowohl Petra Schwinghammer, Leiterin der Gemeinschaftsschule, als auch Timo Kuschnier (Realschule) sehen ihre Abschlussklassen gut für die anstehenden Prüfungen präpariert. Die Gemeinschaftsschüler erhalten vor jedem Prüfungstag noch eine zweistündige fachspezifische Vorbereitung. „Ich denke, dass wir sie mit einem engagierten Kollegium insgesamt optimal vorbereitet haben“, sagt Petra Schwinghammer. Seit Februar seien die Abschlussklassen insbesondere in den Prüfungsfächern und den fachpraktischen Fächern in Präsenz gewesen. In den anderen Fächern habe Wechselunterricht stattgefunden.

Auch die Realschule nutzt die Coronatests einen Tag vor den jeweiligen Prüfungen für eine gezielte Vorbereitung. So werden die Schüler an diesen Tagen nochmals drei Stunden lang im jeweiligen Hauptfach unterrichtet. „Wir wollen den Kindern das Gefühl vermitteln, dass sie gut vorbereitet in die Prüfungen gehen können“, sagt Timo Kuschnier. Allerdings finde der Unterricht zwischen den Prüfungstagen ausschließlich online statt, um das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.

In der Präsenzzeit habe das Lehrerkollegium versucht, den Unterricht an das Prüfungsgeschehen anzupassen. In Intensivwochen mit vier Stunden Hauptfach-Unterricht pro Tag sei zuletzt nochmals der komplette Stoff durchgenommen worden. Selbst am Freitag vor den Pfingstferien seien manche Schülergruppen noch bis 16 Uhr in der Schule gewesen. Laut Timo Kuschnier haben sich die Lehrer und Schüler früh auf die Coronasituation eingestellt und somit den Wechsel aus Fernlern- und Präsenzunterricht gut gemeistert. Er sehe die Schüler aufgrund der Rahmenbedingungen bestmöglich vorbereitet. Dennoch bleibt laut dem Abteilungsleiter Realschule ein Aber stehen: „Es ist nicht vergleichbar mit den Vorjahren, weil reiner Präsenzunterricht viel mehr Möglichkeiten bietet.“

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