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Der Spätsommer lässt einen guten Weinjahrgang erwarten

Weinbauverband zieht vorläufige Bilanz über die Ernte 2021 – Hohl: Hauptlese wird deutlich später starten – Kosten steigen für die Wengerter

Die Weinernte in den Steillagen ist beschwerlich. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Weinernte in den Steillagen ist beschwerlich. Foto: Holm Wolschendorf

Kreis Ludwigsburg. Der Weinbauverband Württemberg informiert in seiner Herbstpressekonferenz über ein intensives Weinbaujahr. Der Spätsommer bildet die Grundlage für einen qualitativ guten Jahrgang. Eine positive Weinpreisentwicklung sei aber notwendig, um die Wirtschaftlichkeit der Weinbaubetriebe dauerhaft zu sichern.

Das Jahr 2021 wird Württembergs Weingärtner in Erinnerung bleiben. „Spätfröste, Hagel, eine extrem feuchte Witterung in den Sommermonaten und ein dadurch hoher Infektionsdruck mit Pilzkrankheiten: Der Weinbau erlebte eine volle Breitseite des Klimawandels“, fasst Weinbaupräsident Hermann Hohl das Jahr zusammen und prognostiziert einen mengenmäßig leicht unterdurchschnittlichen Jahrgang. Bedingt durch einen kalten April und einen kühlen Mai und damit verbunden wenig Wachstum in den Weinbergen, rechnet der Weinbauverband mit einem späteren Erntebeginn als üblich.

Die Hauptlese wird auf den meisten Betrieben am 20. September oder später starten. „Wir brauchen nun kalte Nächte und warme Tage. Der Spätsommer ist die Grundlage eines qualitativ guten Jahrgangs“, sieht Hohl in dem späten Lesetermin durchaus eine große Chance für den Jahrgang.

In Erwartung eines guten Jahrgangs geht Hohl rückblickend auf die Weinmarktsituation in 2021 ein. Die Coronapandemie hatte durchaus einen Einfluss auf den Weinabsatz. Vor allem die Absage fast aller Weindörfer, Feste und Vereinsaktivitäten führten zu einem Einbruch des Weinabsatzes in diesem Segment, welches nur bedingt durch andere Absatzkanäle kompensiert werden konnte. Der Trend zum verstärkten Kauf beim Lebensmitteleinzelhandel und im Discounter sei in den vergangenen Monaten wieder leicht rückläufig gewesen und bewege sich auf dem Vor-Corona-Niveau.

Der Absatz im Fachhandel und in der Gastronomie entwickele sich derzeit positiv, sei aber noch weit entfernt von vergangenen Jahren. „Bisher sind wir mit einem blauen Auge durch die Pandemie gekommen“, fasst Hohl die Situation der Weinerzeuger Württembergs zusammen.

„Während die Inflation, der Verbraucherpreisindex und der Index für Nahrungsmittel kontinuierlich positive Veränderungsraten aufweisen, stagniert der Preis für regionale Weine hingegen seit Jahren“, adressiert Hohl ein Umdenken beim Handel und den Verbrauchern.

Zahlreiche Betriebe hätten bereits Preiserhöhungen angekündigt. Eine Anhebung des Flaschenpreises um nur 30 Cent diene lediglich dem Inflationsausgleich: Vor allem die Preise für Glas, Kartonage und Energie steigen stetig.

Zudem werde die Traubenerzeugung und Weinbereitung aufgrund der gesellschaftlichen Ansprüche an die Produktionsbedingungen wesentlich arbeitsintensiver und teurer. Gleichzeitig greife der Verbraucher zu Produkten aus dem Ausland, deren Herstellung bei der Kaufentscheidung in der Regel nicht berücksichtigt werde. Bereits heute würden sich viele Nebenerwerbsbetriebe aufgrund der Auflagen zu einer Aufgabe gezwungen sehen. Wiederholt appelliert Weinbaupräsident Hohl an Handel und Verbraucher, Regionalität und Herkunft nicht nur einzufordern, sondern auch entsprechend wertzuschätzen. (red)