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Der Viererbund steht vor dem Aus

Schwieberdingen darf das regionale Gewerbegebiet bei Bosch nur interkommunal umsetzen. Zu einem Viererbund mit Markgröningen, Möglingen und Hemmingen wird es aber nicht mehr kommen.

Die Ackerflächen zwischen Bosch und der Schnellbahntrasse sollen mit weiteren Unternehmen besiedelt werden. Archivfoto: Werner Kuhnle
Die Ackerflächen zwischen Bosch und der Schnellbahntrasse sollen mit weiteren Unternehmen besiedelt werden. Archivfoto: Werner Kuhnle

Strohgäu. Die Verhandlungen, so ist zu hören, haben Monate gedauert. Der Inhalt: Wie könnte ein interkommunaler Verbund zwischen Schwieberdingen, Markgröningen, Möglingen und Hemmingen aussehen, der den rund 25 Hektar großen regionalen Gewerbeschwerpunkt auf Schwieberdinger Gemarkung im Schatten des Autozulieferers Bosch umsetzt. Daran, dass sich zumindest zwei Partner finden, führt kein Weg vorbei, so schreibt es der Stuttgarter Regionalverband vor. Ein Rahmenvertrag liegt mittlerweile auf dem Tisch – und es wird deutlicher, wer ihn unterschreiben will und wer nicht.

Den ersten Schritt hat am Dienstagabend die Stadt Markgröningen gemacht – und ihren Bürgermeister Rudolf Kürner im Gemeinderat einstimmig zur Unterschrift ermächtigt. „Für uns ist es zwingend, dass wir mit am Tisch sitzen, wenn es zu einer Umsetzung kommt“, sagte der Freie Wähler Matthias Reutter. Denn Gewerbeflächen sind in Markgröningen rar. Das ins Visier genommene Areal, an dem der Sportwagenbauer Porsche nach wie vor Interesse zeigt, rückt zudem eng an die Markgröninger Stadtgrenze heran. „Da müssen wir einfach dabei sein“, sagte auch der CDU-Fraktionschef Erich Hutflus. Als mögliche Ausgleichsflächen für die Versiegelung der dortigen Ackerböden schlagen sie alte Weinberge vor, die nicht mehr genutzt werden oder Flusstäler.

Verwunderung über Möglinger Schritt

Allerdings schwingt auch ein Hauch Unsicherheit mit – ausgelöst durch ein Interview der Möglinger Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer mit unserer Zeitung am vergangenen Samstag. Darin brachte sie zum Ausdruck, dass sich ihre Kommune an diesem Donnerstagabend mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gegen einen Beitritt entscheiden werde. Bekräftigt haben das auch die Chefs der vier Gemeinderatsfraktionen zu Wochenbeginn. Möglingen stört, dass die Gemeinde Schwieberdingen in den Verhandlungen nicht von ihrem Standpunkt abgerückt sei, 51 Prozent an dem zu gründenden kommunalen Verbund zu halten. Außerdem will Schwaderer nicht noch einmal wertvolle Ackerböden für Ausgleichsflächen hergeben. Bekanntlich plant sie ja, das Möglinger Feuerwehrhaus im Außenbereich neu bauen zu lassen, wenn sie einen Bürgerentscheid dazu am kommenden Sonntag übersteht.

Für den Markgröninger Rathauschef Kürner ist es „in Ordnung“, dass Schwieberdingen beim Gewerbegebiet auf dem Fahrersitz Platz nimmt, weil die Kommune ihre eigenen Flächen in das Projekt einbringt. Das sehen nicht alle so. Der Markgröninger Freie Wähler Armin Gröner verweist darauf, dass im Gewerbepark Eichwald niemand der Partner Sachsenheim, Bietigheim-Bissingen, Oberriexingen und Sersheim mehr als 50 Prozent halte.

In Schwieberdingen würde es der Bürgermeister Nico Lauxmann unterdessen bedauern, wenn Möglingen nicht Teil des kommunalen Verbundes werden würde. „Ich könnte mir einen Viererbund sehr gut vorstellen. Ebenso freue ich mich dann aber auf eine andere interkommunale Zusammensetzung, um diesen Gewerbeschwerpunkt zu realisieren.“ Lauxmann glaubt nicht daran, dass die 51-Prozent-Regelung „einzig und allein“ den Ausschlag in Möglingen gegeben habe. „Hier spielen sicherlich andere kommunalpolitische Gründe eine Rolle, die aber in Möglingen diskutiert und entschieden werden müssen“, so der Schwieberdinger.

Am Ziel ist der Schultes bei seinem regionalen Gewerbeschwerpunkt noch längst nicht. Nach wie vor laufen Eigentumsverhandlungen mit rund 100 Parteien, die ihre Flächen veräußern müssten. „Im ersten Halbjahr 2022 wird entschieden, ob auch faktisch durch Eigentumserwerb eine Realisation des Gewerbeschwerpunktes möglich ist“, sagt er.

In der kommenden Woche wird nun erwartet, dass sich die Gemeinde Hemmingen zum vorliegenden Rahmenvertrag positioniert. In Markgröningen hat Bürgermeister Kürner angekündigt, dass er zusätzlich Gewerbeflächen auch auf eigener Gemarkung anstrebt.

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