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Dichter wohnen in der Region

Der Stuttgarter Regionalverband kann zwar nicht selbst Wohnungen bauen, doch mit seinem Regionalplan gibt er Kommunen die Regeln vor – etwa wie viele Einwohner in einem künftigen Baugebiet auf den Hektar kommen sollen. Die Idee: Wachstum mit vergleichsweise geringem Flächenverbrauch zu ermöglichen. Das scheint zu wirken.

Bauland ist knapp: Der regionale Planungsdirektor Thomas Kiwitt geht davon aus, dass bis 2035 zusätzlicher Wohnraum für 200 000 Menschen geschaffen werden muss. Foto: Florian Schuh/dpa
Bauland ist knapp: Der regionale Planungsdirektor Thomas Kiwitt geht davon aus, dass bis 2035 zusätzlicher Wohnraum für 200 000 Menschen geschaffen werden muss. Foto: Florian Schuh/dpa

Kreis Ludwigsburg. Die Einwohnerzahlen im weiter prosperierenden Ballungsraum rund um Stuttgart kennen nach wie vor nur eine Richtung: nach oben. Das führt zu Wachstumsschmerzen, wie der Regionalpräsident Thomas Bopp (CDU) einmal diagnostiziert hat. Die Begleiterscheinungen sind volle Straßen und immer noch steigende Immobilienpreise. „Im Moment ist auch überhaupt nicht absehbar, dass sich auf dem Wohnungsmarkt etwas ändern wird“, sagte der Freie Wähler Wilfried Walbrecht am Mittwochnachmittag im regionalen Planungsausschuss.

Der Regionalverband versucht sich seit Jahren an einem Spagat – Wachstum in den 179 Kommunen zu gewährleisten und möglichst wenig Flächen in Anspruch zu nehmen. Planungsdirektor Thomas Kiwitt: „Freiraumschutz, gute Böden und hochwertige landwirtschaftliche Flächen sind ein Charakteristikum der Region Stuttgart.“

Also gibt der Verband der Landeshauptstadt und den umliegenden Kreisen wie Ludwigsburg, Böblingen, Esslingen, Rems-Murr und Göppingen vor, wie dicht sie in künftigen Baugebieten aufeinanderleben sollen. Die Vorgaben schwanken von 90 Einwohnern pro Hektar in Stuttgart bis 50 Einwohner für Kommunen, die abseits der S-Bahn und Regionalzugverbindungen liegen und auf die Eigenentwicklung beschränkt sind.

Am Mittwoch verkündete der Planungsdirektor Kiwitt nun in der Carl-Benz-Arena im Neckarpark: „Das System funktioniert.“ Mehr als 200 Bebauungspläne habe seine Geschäftsstelle zwischen 2018 und 2020 analysiert. Das Ergebnis: Im Durchschnitt wohnen in der kompletten Region 91 Einwohner auf den Hektar – 82 Prozent der Kommunen würden sich an die Vorgaben halten, 78 Prozent die Regeln gar übererfüllen. Auf 350 Hektar sei Platz für 32000 Menschen geschaffen worden. Die Ersparnis: liegt laut Kiwitt bei 140 Hektar.

Dafür gab es am Mittwochnachmittag überwiegend Lob aus den Fraktionen. „Wir haben eine Vorbildfunktion im Land“, sagte die grüne Regionalrätin Ingrid Grischtschenko im Ausschuss. Während in der Region Neuankömmlinge 200 Quadratmeter in Anspruch nehmen, sind es im Land offenbar 1230 Quadratmeter. Sie fragte aber auch, ob die Wohnungsdichte nicht noch erhöht werden könnte, wie es etwa die Linken ausdauernd fordern.

Freie Wähler und AfD attestierten dem Verband, auf dem richtigen Weg zu sein. „Wir waren immer gelassen“, so der Freie Wähler Walbrecht, „weil wir den Bürgermeistern in den Städten und Gemeinden vertraut haben“. Die SPD setzt auf eine städtebauliche Mischung. „Es muss auch weiterhin möglich sein, in einem Einfamilienhaus mit Garten zu wohnen“, so die Steinheimer Regionalrätin Regina Traub – eine Spitze gegen Grüne und Linke.

Letztere kritisierten am Mittwoch, dass es mit dem Wohndichteindex nicht gelungen sei, für ausreichend bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. „Hier stößt der Regionalplan an seine Grenzen“, sagte der Stuttgarter Linke Christoph Ozasek. Er sieht die Politik gefordert, die „entfesselten Marktkräfte“ zu bändigen.

Die CDU hofft nun, dass die guten Ergebnisse „keine Einladung an Kommunen“ darstellt, die Vorgaben in Zukunft zu umgehen. Kiwitt will sie nach eigenen Angaben aber auch nicht überstrapazieren und Städten und Gemeinden genügend Beinfreiheit gewähren, damit sie auch städtebaulich sinnvolle Lösungen umsetzen können. Der Planungsdirektor: „Zu ambitionierte Forderungen könnten dazu führen, dass in den Kommunen dann kein Bauland ausgewiesen wird.“

Ein Zustand, mit dem der BUND wohl leben könnte. Der gab Kiwitt jüngst ordentlich Kontra. Der Regionalgeschäftsführer Gerhard Pfeifer sieht einen „klaren Zielkonflikt zwischen Versiegelung und Klimaschutzvorgaben“.

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