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„Die Ausbildung wird attraktiver“

In der Ausbildung an der Berufsfachschule sind Praxis und Theorie eng verzahnt.Fotos: RKH GmbH
In der Ausbildung an der Berufsfachschule sind Praxis und Theorie eng verzahnt.Fotos: RKH GmbH
Sie stehen für den neuen Ausbildungsverbund Pflege, der im Herbst in Ludwigsburg startet (von links): Stefan Ebert (Geschäftsführer Kleeblatt gGmbH), Tilmann Müller-Wolff (Leiter der RKH Akademie), Rebecca Stucky (Personalmanagement Kleeblatt), Micha
Sie stehen für den neuen Ausbildungsverbund Pflege, der im Herbst in Ludwigsburg startet (von links): Stefan Ebert (Geschäftsführer Kleeblatt gGmbH), Tilmann Müller-Wolff (Leiter der RKH Akademie), Rebecca Stucky (Personalmanagement Kleeblatt), Micha
Mit einem neuen Ausbildungsverbund geht die Berufsfachschule für Pflege der RKH Kliniken neue Wege. Kleeblatt und Evangelische Heimstiftung kooperieren mit der Schule in der Ausbildung von Pflegefachkräften. Diese werden für alle Lebensalter und Pflegebereiche ausgebildet, mit dem Abschluss steht die ganze Europäische Union offen.

Ludwigsburg. „Wir sehen das neue Pflegefachkraftgesetz sehr positiv“, sagt Peter Hettig. Für den Regionaldirektor der Evangelischen Heimstiftung ist der Zusammenschluss mit der Berufsfachschule für Pflege der RKH Kliniken der logische Schritt, „die neue Ausbildung auf den Boden zu kriegen“. Seit Januar ergänzt die generalistische Ausbildung zur Pflegefachkraft die nach Kranken- und Altenpflege getrennte Ausbildung von Pflegekräften. Damit wird nicht mehr nach Lebensalter der zu Pflegenden unterschieden.

Jetzt hat die Pflegeschule mit der Evangelischen Heimstiftung GmbH und der Kleeblatt Pflegeheime gGmbH einen neuen Ausbildungsverbund Pflege geschaffen. Heißt: Die zwei großen Träger der Langzeitpflege wechseln mit ihren ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen zur Ausbildung an die Berufsfachschule der RKH. Mit den knapp 20 Auszubildenden dieser Kooperationspartner entsteht ein Ausbildungsverbund mit jährlich fünf Kursen und über 350 Pflegeauszubildenden.

„Der Pflegeberuf ist in der Veränderung“, sagt Schulleiter Jan Teichert. Im April sei man bereits mit den ersten 20 Auszubildenden gestartet, er spricht von einer „guten Mischung“. Im Herbst sollen 72 Azubis starten. Insgesamt werden derzeit rund 300 Schülerinnen und Schüler ausgebildet, mit der neuen Ausbildung wird mit einem deutlichen Anstieg gerechnet. Deswegen soll die Berufsfachschule – die mit der Mathilde-Planck-Schule am Römerhügel und der privaten USS-Schule in Eglosheim nur noch zwei Pflegeschulen in der Nähe hat – in einem Neubau unterkommen, der anstelle der aufgegebenen Klinik in Marbach geplant ist. Dies sei eine „wichtige und spannende neue Ausbildung“, betont Anne Matros im Pressegespräch, Regionaldirektorin der RKH Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim. „Wir müssen moderner werden und einen Ausbildungscampus etablieren.“

Die Verzahnung der Pflegeversorgung zwischen Klinik, Rehabilitationsbereichen und der nachsorgenden Pflege wird laut RKH immer wichtiger, dem werde die Ausbildung gerecht. Schon jetzt kooperiert die Berufsfachschule in der dreijährigen Ausbildung mit vielen Partnern, hinzu kommen Praxisstellen in allen Kliniken, in Pflegeheimen und -einrichtungen – von der Kinderklinik bis zum Seniorenheim. Rund ein Drittel der dreijährigen Ausbildung findet in der Schule statt, der Rest in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern, begleitet von der Schule. Der neue Ausbildungsverbund sei „die logische Folge“ der Gesetzesänderung, betont der Leiter der RKH Akademie, Tilmann Müller-Wolff. „Wir wollen die Ausbildung mit Leben füllen“, sagt er, die deutlich an Attraktivität gewönne. Gesicherter Arbeitsplatz, mehr Kompetenz und dazu eine EU-weite Anerkennung. Der neue Verbund stehe auch für andere Träger offen.“

Von „großen Chancen“ spricht auch der Geschäftsführer der Kleeblatt gGmbH, Stefan Ebert, sowohl inhaltlich wie von der größeren Zahl der Schulplätze. Zwölf angehende Pfleger des Kleeblatts begännen im Herbst ihre Ausbildung an der Pflegeschule. Die EU-weite Anerkennung des neuen Berufs werde die Attraktivität der Pflege deutlich steigern, sind alle überzeugt. Übereinstimmend berichten sie von sehr vielen Anfragen nach der neuen generalistischen Ausbildung. Viele Betriebe bildeten nach dem Corona-Lockdown nicht mehr aus, sagt Hettig, „die Pflege wird wieder attraktiv“.

Das sieht die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi anders, die im aktuellen Tarifkampf auch die Pflege in die Warnstreiks einbeziehen will. Verdi fordert 4,8 Prozent mehr Lohn, die Ausbildungsvergütung soll um monatlich 100 Euro steigen. Nach dem Beifall für die systemrelevanten Berufe folge kein Geld, so Verdi, im Ludwigsburger Klinikum bekamen wie berichtet nur die Pflegekräfte auf der Covid-19-Station eine kleine Prämie, der Rest einen Gutschein für Blumen und eine Stofftasche. Verdi rechnet damit, dass viele Beschäftigte dem geplanten Streikaufruf folgen werden.

„Alle Möglichkeiten ausschöpfen“

Die Bezahlung sei gut, sagt dagegen Michael Sowoidnich, Regionaldirektor der Evangelischen Heimstiftung Ludwigsburg. Eine Ausbildungsvergütung mit 1400 Euro – ohne Zulagen gerechnet – und ein Gehalt von knapp unter 3300 Euro für Einsteiger sei attraktiv. Man könne gut in der Pflege verdienen, so Akademieleiter Müller-Wolff, die Karrieremöglichkeiten seien gegeben – erst recht mit der neuen, generalistischen Ausbildung. Wie Schulleiter Jan Teichert sagt, bedeute die Professionalisierung auch, gegen die Überforderung in der Pflege zu arbeiten. Müller-Wolff: „Mit dem neuen Konzept können junge Menschen alle ihre Möglichkeiten ausschöpfen.“

Zusätzlich kooperieren die RKH Kliniken mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg, um Pflegende auch akademisch zu bilden. An der Berufsfachschule gibt es den zusätzlichen Studiengang zum „Bachelor of Science in Nursing“. Damit stehen am Ende der Ausbildung zwei Abschlüsse im Pflegeberuf.

info: Weitere Infos zur Ausbildung unter www.rkh-karriere.de/ausbildung.