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Die Barberlights sagen „Goodbye“

Vor gut einem Jahr haben sie ihr 30-jähriges Bestehen noch ganz groß gefeiert. Jetzt stehen die Barberlights Remseck kurz vor dem Aus. Der erste Barbershop-Frauenchor Baden-Württembergs wird sich auflösen. Ihr Abschiedskonzert mussten die Sängerinnen wegen der aktuellen Coronabeschränkungen absagen.

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Die Barberlights in Aktion bei einer Auswahl ihrer zahlreichen Auftritte während der zurück- liegenden zehn Jahre.Archivfotos: Ramona Theis, Michael Fuchs, privat (2)
Die Barberlights in Aktion bei einer Auswahl ihrer zahlreichen Auftritte während der zurück- liegenden zehn Jahre. Foto: Ramona Theis, Michael Fuchs, privat (2)
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REMSECK. Die Entscheidung, aufzuhören, keine neuen Songs und Choreografien einzuüben, nicht mehr gemeinsam auf der Bühne zu stehen, ist den Sängerinnen schwergefallen. Auf ihrer Homepage verkünden sie mit einem emotionalen Brief das Aus. „Eigentlich wollen wir dem nichts hinzufügen“, sagt Inge Wolf, die im Vorstandsteam für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, als die LKZ um ein Gespräch bittet. Doch dann dauert das Telefonat mit ihr fast eine halbe Stunde.

Inge Wolf singt selbst gut 20 Jahre bei den Barberlights. „Es tut weh“, sagt sie immer wieder, als sie über den Chor erzählt, der jetzt nicht mehr weitermachen kann, weil wichtige Vorstandsposten vakant sind. Gelegentlich kämpft sie dabei mit den Tränen. Über drei Jahrzehnte ist es her, dass die Finnin Toni-Helena Korander, die es der Liebe wegen nach Remseck verschlagen hatte, den Barbershop-Gesang ins Schwabenland brachte. Sie hatte diese Musikrichtung mit vierstimmigem A-cappella-Sound in Schweden kennengelernt und war fasziniert davon. So gründete sie den ersten Barbershop-Frauenchor Baden-Württembergs in Remseck. Ihre Begeisterung für den Musikstil teilten bald viele Frauen, der Chor hatte über Jahre bis zu 40 Sängerinnen. Zuletzt war es nicht einmal mehr die Hälfte. Zwei davon sind laut Inge Wolf von Beginn an dabei: Tessica Kadenbach, die Tochter der Chorgründerin, und Brigitte Lübbe.

Mit ihren energiegeladenen Auftritten begeisterten die Baberlights „Wir wollten immer nah dran sein an unserem Publikum“, sagt Inge Wolf. Der enge Kontakt zu den Fans habe sie stets angespornt. Meist wurde auf Englisch gesungen, immer ohne Notenblätter. Das Repertoire reichte von Rock- und Popstücken über Gospels, Evergreens, Balladen, Lovesongs, Musicalhits bis hin zu Weihnachtsliedern – natürlich alles im Barbershop-Stil arrangiert. „Von Leonard Cohen bis Rammstein“ titelte unsere Zeitung im Advent 2019 den Bericht über ein Benefizkonzert in der Michael-Sebastianskirche in Neckarrems. Ein Markenzeichen der Barberlights: Es gab immer eine Choreografie samt passendem Outfit zu den Songs.

Die Sängerinnen haben sich über die Jahre kontinuierlich bei Workshops fortgebildet, nahmen an Wettbewerben in ganz Deutschland teil. Und zwar mit großem Erfolg: 2007 gewannen sie den ersten Preis beim World Vision Chorwettbewerb „Stimmen für Kinder“ und 2009 waren sie Sieger des zweiten Ludwigsburger Chorwettbewerbs.

Nach einem tollen Jubiläumskonzert im Herbst 2019 war es zuletzt – natürlich auch coronabedingt – still geworden um den agilen Frauenchor. „Wir haben uns in aller Freundschaft entschieden, aufzuhören“, versichert Inge Wolf. Im Frühjahr hätten die Probleme angefangen. Aus persönlichen, beruflichen und gesundheitlichen Gründen konnten einige Frauen, nicht länger Verantwortung im Verein übernehmen. So blieben Vorstandsämter unbesetzt. „Wir waren immer ein gutes Team, aber zwei Leute reichen nicht“. Überlegungen und Versuche, sich Hilfe und Unterstützung zu holen, verliefen erfolglos, so Wolf. „Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende“, gibt sie sich pragmatisch, doch man merkt, dass sie es sich noch nicht vorstellen kann, wie es ist ohne die Barberlights.

Die Coronabeschränkungen haben es für den Chor nicht gerade leichter gemacht, neue Sängerinnen zu finden. Meist durfte nur online geprobt werden. Im Sommer trafen sich die Frauen draußen – auf den Treppen vor dem Lise-Meitner-Gymnasium. Da der Proberaum in der Grundschule Hochberg in Pandemiezeiten zu klein war, stellte die Stadt Remseck die Alte Gemeindehalle Hochberg dafür zur Verfügung. „Dafür waren wir dankbar“, sagt Wolf. Doch jetzt läuft schon wieder alles nur noch via Bildschirm.

Der Wunsch des Chors, ein Abschiedskonzert für die Fans zu geben, erfüllt sich nicht. Die Kirchen in Remseck bieten nicht genug Platz für einen Auftritt unter Coronabedingungen. Deshalb hatten die Frauen am 12. Dezember in der Stuttgarter Pauluskirche ein letztes Mal gemeinsam singen wollen. Dort ist Chorleiterin Sabine Steinmetz Kantorin. Doch auch das ist jetzt nicht erlaubt. „Wir hoffen jetzt, dass wir im kommenden Jahr ein Abschiedsfest feiern können“, kündigt Inge Wolf an. Vielleicht in der Neuen Mitte, eventuell draußen, sinniert sie.

Ein kleines Weihnachtsschmankerl soll es für die Fans trotz allem geben. Jede Sängerin nimmt für sich ein Lied auf. Alle Beiträge werden dann zu einem Video zusammengefügt, das auch auf der Homepage www.barberlights.de angeschaut werden kann.

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