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Die faszinierende Welt der Insekten

Thorben Danke hat zwei seiner Leidenschaften auf beeindruckende Weise vereint: Er fertigt Makrofotografien heimischer Insekten an. Mit diesen detailgenauen Aufnahmen will der Besigheimer auch auf das Insektensterben aufmerksam machen und die Menschen dafür sensibilisieren.

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Detailaufnahme: Hier ist der Betrachter ganz nah dran an der Blauen Federlibelle.
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Auge in Auge: eine Blauflügel-Prachtlibelle.
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Haarig: eine Rindenspringspinne.
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Brumm, brumm, brumm: eine Erdhummel.
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Vollautomatisch Insgesamt 7000 Bilder sind nötig, um ein fünf Sekunden langes 3-D-Video zu machen. Acht Stunden hat es beispielsweise gedauert, bis Thorben Danke das Video der blauen Prachtlibelle produziert hat. Während der einjährigen Entwicklung an seinem Apparat hat er auch ein Gerät konstruiert, das selbstständig die Drehungen der Insekten übernimmt, um so exakte 3-D-Bilder kreieren zu können. Der Prozess läuft vollautomatisch. Weltweit habe er bislang niemanden gefunden, der solche Videoaufnahmen mache. Dabei würde er sich gerne mit jemandem austauschen, etwa über die Kapazitäten von Speicherkarten und die Akkulaufzeit. Mehr Infos gibt es im Internet unter www.sagaoptics.com. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Man muss den Blick nicht in die Ferne lenken, um Neues zu entdecken. Oft schon reicht es, einfach genau seine Umwelt zu beobachten. Bei Thorben Danke beispielsweise ist es der eigene Garten in Besigheim, der Einblick in eine faszinierende Welt liefert. Die Buschkastanie, die dort wächst, lockt unzählige Insekten an – und diese sind für den 35 Jahre alten Besigheimer die Grundlage seiner eindrucksvollen Fotografien. Wobei Dankes Arbeit weit mehr ist als übliche Fotografie. Seit Sommer 2016 hat er die Makrofotografie und darauf aufbauend die extreme Makrofotografie für sich entdeckt – und mit dieser schafft er bemerkenswerte Bilder. Die Facettenaugen der Fleischfliege, jedes einzelne Härchen der Springspinne und das beeindruckende Farbenspiel der Prachtlibelle lassen sich mit dieser Technik etwa einfangen.

Der Schlüsselmoment für diese Leidenschaft war, als der Familienvater mit Zwischenringen auf seinem Kameraobjektiv eine Goldfliege fotografierte. Als er sich die Bilder später auf dem Computer anschaute, war er über die vielen Details erstaunt. „Wow, ich bin in der Lage, solche Bilder zu machen“, hat er sich gedacht. Aber er wollte mehr. Er habe schnell erkannt, dass hier eine Welt existiere, die mit dem bloßen Auge nicht wahrnehmbar sei und die es zu schützen gelte. Also hat der gelernte Elektroniker angefangen, an einer eigenen Maschine zu tüfteln. Wenn Thorben Danke über die Anfänge seiner Makrofotografie redet, offenbart sich ein weiteres Talent: komplizierte Sachverhalte einfach darstellen. „Je mehr man etwas vergrößern möchte, desto geringer wird die Tiefenschärfe“, sagt er und nennt als Beispiel ein Mikroskop – wenn man etwas zwischen zwei Glasplättchen beobachtet, ist nur dieser Bereich scharf; alles davor und dahinter ist unscharf. „Möchte man ein dreidimensionales Objekt stark vergrößern, braucht man teils Hunderte von Einzelbildern der unterschiedlichen Ebenen, um später mit einer speziellen Software, die den Kontrast erkennt, die scharfen Bereiche daraus zusammenzusetzen.“ Das nennt sich „Focus stacking“ und ist sehr aufwendig. Ein Jahr hat der Besigheimer ein Gerät entwickelt und programmiert, mit dem er auch Videos machen kann (siehe zweiter Text). Die Fotografie der Prachtlibelle (Bild rechts) etwa besteht aus 243 Einzelaufnahmen. Bei jedem Bild wurde der Fokus verschoben, „das bewegt sich im My-Bereich“. Später werden die Bilder übereinandergelegt. Eine Software sorgt dafür, dass nur noch die scharfen Bereiche übrig bleiben.

Die Bilder entstehen im Keller von Dankes Haus. Zwar funktioniert das mit dem selbst entworfenen Gerät vollautomatisch, doch der Aufwand ist dennoch sehr hoch. „Ich brauche bis zu zwei Stunden, bis das Insekt richtig sitzt.“ Mit Pinzette, Pinsel und Blasebalg werden die Tiere vorsichtig gesäubert, bevor er sie in Szene setzen kann. Thorben Danke arbeitet mit toten Insekten, die er vor allem in seinem Garten findet. Mit lebenden Tieren wären diese Aufnahmen nicht möglich, „sie müssen ganz still halten“. Ihm ist es aber wichtig, dass bei den Betrachtern der Eindruck entsteht, die Tiere lebten. Denn schließlich will er mit seiner Arbeit auf die Insekten und ihre bedrohte Lebenswelt aufmerksam machen.

Seine Faszination für die kleinen Tiere entwickelte sich nach der ersten Fotografie recht schnell. „Ich hatte mit Insekten nie etwas zu tun, doch sie haben mich mehr und mehr interessiert.“ Seine Begeisterung dafür wird schnell deutlich. Er zitiert Studien, spricht über Fortpflanzungsstrategien, über die Beschaffen- und Besonderheiten der Tiere. Sein Wissen über Insekten will er auch für ein Buch nutzen, das er schreiben möchte. „Es soll kein Fachbuch werden, sondern ein Buch über heimische Insekten.“ Außer einigen interessanten Fakten sollen darin natürlich auch seine Makrofotografien verewigt werden. In seinem Kellerraum hängen einige großformatige Bilder, auf denen es auch nach minutenlangem Ansehen immer wieder Neues zu entdecken gibt. Einmal eine Ausstellung machen, das fände er schön.

Mit seiner Faszination für Natur und Insekten ist Thorben Danke nicht alleine. Der Ludwigsburger Techno-DJ und Produzent Dominik Eulberg etwa teilt sein Interesse. Für dessen neues Album wird Danke ein Video machen – natürlich mit seinen Insekten. Den Besigheimer würde es freuen, wenn so mehr Aufmerksamkeit auf die Tierchen gerichtet würde. „Das Insektensterben hat mittlerweile erschreckende Ausmaße erreicht und nur durch Sensibilisierung können wir in den Köpfen der Menschen etwas erreichen.“ Innerhalb seiner Familie zumindest hat es bereits geklappt: Sein zehnjähriger Sohn Lenny hilft bei der Bestimmung von Insekten und gibt dem Papa auch Tipps, welche er noch fotografieren sollte. Und auch seine Frau Nicole unterstützt ihn bei seiner Leidenschaft, die ein Hobby bleiben soll: „Sie ist meine ehrlichste Kritikerin.“ Es sei gut, jemanden zu haben, der ehrlich urteile – „unterm Strich kommt dann nämlich etwas Besseres dabei heraus“.