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„Die Lösung für mein Leben“

Nach der Qualifizierung bei der BBQ in Ludwigsburg findet Familienvater neue Stelle

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Juan Solis arbeitet jetzt beim Institut für Erhaltung beim Staatsarchiv in Ludwigsburg. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Juan Solis hat erfahren müssen, dass es nicht einfach ist, auf dem deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Umso glücklicher ist der 45-jährige Chilene, dass er beim Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut in Ludwigsburg, das beim Landesarchiv Baden-Württemberg angesiedelt ist, eine Stelle gefunden hat.

„Das ist die Lösung für mein Leben“, sagt Juan Solis und lächelt. In der Abteilung für Reprofotografie des Landesarchivs ist er momentan damit beschäftigt, im Auftrag des Zentrums für Populäre Kultur und Musik in Freiberg historische Manuskripte mit Liedtexten abzulichten. Als Mikrofilme werden diese anschließend im Barbarastollen aufbewahrt. Der ehemalige Bergwerksstollen im Schwarzwald gilt als Superarchiv der deutschen Geschichte und Kultur: Würde es zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommen, würden wichtige Dokumente auf diese Weise für die Nachwelt erhalten – wenn auch nicht im Original.

Dieses Archiv zu füllen, ist eine akribische, zuweilen auch monotone Tätigkeit. Blatt für Blatt legt Juan Solis auf die Glasplatte der Repro-Kamera, fotografiert diese ab und dokumentiert diesen Schritt. „Ich bin zufrieden“, erzählt der Chilene, der in einem Team mit elf Kollegen arbeitet. „Alle sind nett und freundlich“, sagt er.

Das war nicht immer so: Seit dem Jahr 2011 wohnt der Familienvater, der mit einer Deutschen verheiratet ist, in Ludwigsburg-Oßweil. Eine Arbeit als Tontechniker zu finden, sei kompliziert gewesen, erinnert sich der 45-Jährige. In seiner Heimat Chile hat er nach dem Besuch des Gymnasiums Tontechnik studiert und mit einem Diplom abgeschlossen. Dieser Abschluss wurde in Deutschland jedoch nicht anerkannt. „Anfangs sprach ich so gut wie kein Deutsch“, erinnerte sich Juan Solis im Gespräch. Und so hat er zunächst für Zeitarbeitsfirmen auf dem Bau gearbeitet. „Die Bezahlung war schlecht“, erinnert sich Juan Solis. Außerdem sei er von seinen Arbeitskollegen aufgrund seiner chilenischen Herkunft diskriminiert worden.

Nach einem Arbeitsunfall musste er schließlich die Notbremse ziehen. Aufgrund seines Rückenleidens verfügt er über einen Behinderungsgrad von 40 Prozent. Über die Arbeitsagentur kam der Kontakt zur BBQ (Berufliche Bildung gGmbH), einem Tochterunternehmen des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft, zustande. Diese bietet spezielle Kurse für Menschen an, denen es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr möglich ist, in ihrem Beruf zu arbeiten, und die sich neu orientieren wollen und müssen. Dabei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen der BBQ, der Arbeitsagentur, Berufsgenossenschaft sowie der Rentenversicherung Bund und Land.

Vier Kurse mit jeweils 15 bis 20 Teilnehmern bietet die BBQ pro Jahr an. 60 Prozent von ihnen, also mehr als die Hälfte, werden anschließend in Arbeit vermittelt.

Einer von ihnen ist Juan Solis: Zwischen BBQ und Landesarchiv besteht eine langjährige Kooperation, so dass der Familienvater im Sommer vorigen Jahres in der Abteilung Reprofotografie im Bereich der Sicherheitsverfilmung eingesetzt wurde. Weil eine Mitarbeiterin erkrankte, folgte eine befristete, von der Arbeitsagentur geförderte Anschlussbeschäftigung bis Ende März, die aktuell bis September verlängert worden ist. „Diese Tätigkeit setzt ein gewisses Maß an Konzentrationsfähigkeit voraus“, so Laslo Capo, Leiter des Sachgebiets Reprofotografie. Und diese Fähigkeit bringt der neue Mitarbeiter durchaus mit.

„Ich kann wahlweise stehend oder sitzend arbeiten, das ist gut für meinen Rücken“, ist auch Juan Solis sehr zufrieden. „Ich bin richtig motiviert“, sagt er und lächelt wie so oft bei diesem Gespräch.