Logo

Die Pandemie bringt mehr Müll

80 Bürger säubern ihren Ort beim Umwelt- und Nachhaltigkeitstag – Viele Schutzmasken landen in der Natur

Auch beim Umwelt- und Nachhaltigkeitstag gelten die Coronaregeln: In einer Gruppe dürfen lediglich Angehörige aus maximal zwei Haushalten zusammenarbeiten.Foto: Holm Wolschendorf
Auch beim Umwelt- und Nachhaltigkeitstag gelten die Coronaregeln: In einer Gruppe dürfen lediglich Angehörige aus maximal zwei Haushalten zusammenarbeiten. Foto: Holm Wolschendorf

oberstenfeld. Das Interesse am zweiten Oberstenfelder Umwelt- und Nachhaltigkeitstag ist groß. „Wir haben fast 80 Anmeldungen“, freut sich Bürgermeister Markus Kleemann, als er die Freiwilligen auf dem Bauhofgelände in der Großen Gartenstraße begrüßt. Der Bauhof ist einer von drei Startpunkten, andere Teilnehmer der Putzaktion machen sich an der Gronauer Mehrzweckhalle und dem Prevorster Dorfhaus auf den Weg.

In der Coronapandemie sind auch bei einem freiwilligen Arbeitseinsatz die Hygienevorschriften einzuhalten. So dürfen in den verschiedenen Gruppen jeweils Angehörige aus maximal zwei Haushalten mitlaufen. Damit sich die Trupps nicht in die Quere kommen, erhält jede Gruppe einen Zettel mit einem anderen Einsatzgebiet.

Bevor es losgeht, decken sich die Freiwilligen bei Jürgen Beck und Andreas Schmidt mit Arbeitsmaterial ein. Die beiden gehören zum 13-köpfigen Bauhofteam, sie verteilen Mülltüten, Eimer, Zangen und Warnwesten an die nach und nach eintreffenden Oberstenfelder.

Die Bauhofmitarbeiter sind zweimal in der Woche in der Gemeinde unterwegs und sammeln Abfall ein. Seit Beginn der Pandemie werde mehr Müll weggeschmissen, sagt Beck, „wir haben jetzt mehr zu tun“. Er hat eine einfache Erklärung für diese Entwicklung. „Viele arbeiten im Homeoffice, deshalb wird auch mehr Müll produziert.“

Leider werden diese Abfälle nicht immer auf dem üblichen Weg entsorgt, hat Beck beobachtet. Bei seinen Touren stoße er neben öffentlichen Mülleimern regelmäßig auf ganze Säcke voller Hausmüll. Eigentlich gebe es nichts, was nicht weggeschmissen wird, ergänzt sein Kollege Schmidt. Nicht selten finde er ganze Möbelteile. Auch Tüten voller Hundekot und auf der Straße entsorgte Hygienemasken seien ein echtes Problem.

Die Freiwilligen lassen sich von dieser fragwürdigen Haltung ihrer Mitbürger nicht entmutigen und sind hoch motiviert. Lukas etwa muss sich voll ins Zeug legen. In der Lichtenberger Straße hat er eine Maske entdeckt, die in einem Busch am Bottwarufer baumelt. Er steht auf der Brücke, mit seiner Zange kann er die Maske nicht erreichen. Kurzerhand steigt Lukas über das Brückengeländer. Mit einer Hand hält er sich fest, nun kann er die Maske mit seiner Zange aus den Zweigen fischen.

Lukas hat schon jede Menge Verpackungen und Zigarettenstummel eingesammelt. Es liege relativ viel Müll herum, findet er. „Vor allem an manchen Orten, an denen sich Jugendliche zum Feiern treffen. Auf leeren Grundstücken habe ich auch viel Müll gefunden.“

Georg Chatzivasiliadis macht bereits zum zweiten Mal beim Umwelt- und Nachhaltigkeitstag mit. Er hat sich vom Bauhof bis zur Beilsteiner Straße vorgearbeitet und bislang vor allem Zigarettenkippen aufgelesen. Nun ist er auf dem Weg zum Sportplatz. „Ich denke mal, da wird noch deutlich mehr Müll rumliegen als in der Hauptstraße“, meint Chatzivasiliadis. Er beteiligt sich aus Überzeugung an dem Aktionstag. „Ich wohne in Oberstenfeld und will, dass hier alles schön bleibt. Der Dreck muss weg.“ Jannis sieht das genauso. Er engagiere sich auch sonst „eher in Richtung Klimaschutz“. In Oberstenfeld liege zwar nicht übertrieben viel Müll rum, sagt der 18-Jährige. Dennoch hat er schon viel Abfall eingesammelt; Plastik, Tempotaschentücher und Masken zum Beispiel. Und natürlich Zigarettenkippen. „Das ist so viel, ich kann das leider gar nicht alles mitnehmen“, meint Jannis. „Ich konzentriere mich jetzt erst mal auf die größeren Sachen.“ Das immense Aufkommen von wildem Müll sieht er – auch über die Oberstenfelder Ortsgrenzen hinaus – als großes Problem. „Das lässt sich nur lösen, wenn alle ein bisschen mithelfen.“

Autor: