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Die Räume wandern ins Virtuelle

Trotz der schwierigen Ausgangsbedingungen in der Corona-Krise haben die Macher der Ludwigsburger Raumwelten am Freitag ein positives Fazit gezogen. Der Fachkongress für Szenografie, Architektur und Medien soll auch im kommenden Jahr stattfinden.

Abschlussbilanz der Raumwelten: Auch diese Veranstaltung wird digital übertragen. Foto: Holm Wolschendorf
Abschlussbilanz der Raumwelten: Auch diese Veranstaltung wird digital übertragen. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Dass sich der Kongress in diesem Jahr komplett im virtuellen Raum abgespielt hat, wollte Ulrich Wegenast weniger als Einschränkung, sondern vielmehr als Chance begriffen wissen. „Das Virus kann keine Ideen klauen“, sagte der künstlerische Geschäftsführer der Raumwelten, als Festivalleitung und Kuratoren im Live-Stream ihre Abschlussbilanz zogen. Unter dem Strich sei es gelungen, innovative Formate zu entwickeln. Nicht zuletzt hätten gleich drei neue Kuratorinnen auch neue Akzente gesetzt.

Der virtuelle Raum könne als Instrument genutzt werden, meinte Kuratorin Sabine Marinescu. Das habe sich beispielsweise im Vortrag von Franziska Ritter gezeigt. Die Szenografin berichtete darüber, wie Museen und Theater ihre Objekte und Werke im Lockdown präsentiert und neue Konzepte der Vermittlung entwickelt haben. „Die Gestaltung von Räumen muss sich auf das konzentrieren, was in Zukunft wichtig sein wird“, lautete Marinescus Fazit.

Einig waren sich die Festivalmacher darin, dass sich Gestaltung und Design von Räumen derzeit in einem Transformationsprozess befinden. Kuratorin Charlotte Tamschick hat eine Tendenz zur Reduktion ausgemacht. In der Unterhaltungsbranche gehe der Trend weg von riesigen Inszenierungen, hin zu kleineren Formaten. „Wir sollten nicht einräumen, sondern abräumen“, sagte die Kuratorin in Anlehnung an den Architekten HG Merz. Weniger sei oft mehr, der virtuelle Raum böte auch in dieser Hinsicht viele Möglichkeiten.

Die Erwartungen seien übertroffen worden, zeigte sich Dieter Krauß, der kaufmännische Geschäftsführer, zufrieden. Letztendlich hätten die schwierigen Umstände ohnehin anstehende Entwicklungen angestoßen. „Wir mussten überlegen, wie sich digitale Räume gestalten lassen“, so Krauß. Dieser Prozess sei noch lange nicht abgeschlossen. „Das Designen von digitalen Räumen ist eine Aufgabe, auf die wir uns freuen können.“

Neue Impulse sollen die Raumwelten 2021 liefern, der Fachkongress findet vom 17. bis 19. November in Ludwigsburg statt. Auch in der Pandemie habe das Festival präzise wie ein Uhrwerk funktioniert, freute sich Krauß. „Das sind beste Voraussetzungen für das kommende Jahr“, zeigte sich der kaufmännische Geschäftsführer zuversichtlich. „Ob online, hybrid oder live, wissen wir noch nicht. Es wird nicht leicht, aber gemeinsam schaffen wir das.“

Die Raumwelten 2020 sind zu Ende, bis Sonntag, 29. November, gibt es mit dem Raumwelten-Kino aber einen Nachschlag. Sechs Dokumentarfilme beschäftigen sich mit dem Verhältnis zwischen Film und Architektur, im Zentrum stehen Fragen der Identität und Inszenierung. Regisseur Oliver Hardt beispielsweise gibt Einblicke in den Bau des National Museum of African American History and Culture in Washington. In „Having a Cigarette with Álvaro Siza“ stellt Iain Dilthey die minimalistischen Konstruktionen des portugiesischen Architekten Álvaro Siza vor. Die Filme findet man auf www.raum-welten.com.

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