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Basketball

Die Saison weckt Begehrlichkeiten

Nur zwei Spieler aus dem Kader der ersten Mannschaft haben einen Vertrag für die kommende Spielzeit

Raus mit Applaus: Das Riesen-Team bedankt sich bei den eigenen Mitarbeitern in der MHP-Arena. Fotos: Baumann (4)/dpa(10)
Raus mit Applaus: Das Riesen-Team bedankt sich bei den eigenen Mitarbeitern in der MHP-Arena. Foto: Baumann (4)/dpa(10)
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Foto: Gunnar Rübenach
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Foto: Baumann
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Ludwigsburg. Am Freitag endete eine starke Saison der MHP-Riesen Ludwigsburg in der Basketball-Bundesliga. Zeit für ein Fazit zu den einzelnen Spielern – und einem Ausblick auf die kommende Spielzeit. Denn außer Oscar da Silva und Desi Rodriguez besitzt keiner der Spieler derzeit einen Vertrag für die Saison 2021/22.

Jordan Hulls: Die Wadenverletzung, die den US-Amerikaner im Halbfinale gegen die Bayern hemmte, war für das Riesen-Team beinahe so schmerzhaft wie für Hulls selbst. Der 1,80Meter große Aufbauspieler war in seiner ersten Riesen-Saison die ordnende Hand. Hulls’ Verbleib scheint möglich. Bei seinen beiden bisherigen Stationen in Bremerhaven und Würzburg war Hulls ebenfalls für jeweils zwei Jahre unter Vertrag.

Jacob Patrick: Beim Finalturnier 2020 in München stand der mittlerweile 17Jahre alte Trainersohn als damals jüngster BBL-Scorer plötzlich im Mittelpunkt. Den ganz großen Leistungssprung machte er in dieser Saison nicht, zeigte aber mehrfach, welches Potenzial in ihm steckt. Womöglich zieht es den Guard in Zukunft in die USA. Das College ist nach dem Abitur eine Möglichkeit. „Das entscheidet sich aber erst nächstes Jahr“, sagte er im März.

Jaleen Smith: Fanliebling, Co-Kapitän, wertvollster BBL-Spieler. Jaleen Smith hat in der abgelaufenen Spielzeit die ohnehin hohen Erwartungen übertroffen. Sein Treuebekenntnis zu den Riesen vergangenen Sommer stellte sich als goldrichtige Entscheidung heraus. Wie so häufig ist Smiths grandiose Saison Fluch und Segen zugleich für die Riesen: Ein erneuter Verbleib scheint ausgeschlossen. Euroleague-Teams haben ein Auge auf Smith geworfen, auch wenn der 26-Jährige in den Play-offs nicht an die starke Hauptrunde anknüpfte.

Barry Brown: Individuell einer der Stärksten im Kader. Athletisch, wurfstark, selbstbewusst. Half den Riesen in Schwächephasen mit seiner Klasse in Einzelaktionen, hatte aber Probleme mit dem Team-Basketball und in der Verteidigung. Zuletzt stand Brown gar nicht mehr im Kader. „Er hat uns leider nicht geholfen in den letzten zwei Spielen. Das war mehr oder weniger einstellungsbedingt“, haderte Patrick mit dem Guard. Browns Abgang scheint besiegelt, womöglich zieht es ihn nach China.

Johannes Patrick: Anfangs nur sporadisch eingesetzt, zeigte Patrick, dass er mit dem nötigen Selbstbewusstsein das Team verstärken kann. Nutzte die Spielzeit gegen Ende der Hauptrunde und trumpfte gegen Frankfurt (12 Punkte) und Bamberg (17) auf.

Jamel McLean: Der nachverpflichtete Center brauchte kaum Zeit, sich einzugewöhnen. Wurde sofort zur Verstärkung und in manchen Phasen ein Go-to-Guy unter dem Korb – eine Option, die die Riesen auf der Center-Position in den Jahren zuvor öfter vermisst hatten. Umso schwieriger wird es, einen Ersatz zu finden, denn ein Verbleib McLeans gilt als unwahrscheinlich.

Lukas Herzog: Womöglich der Spieler im Riesen-Kader, der den größten Sprung gemacht hat. Ab dem Finalturnier in München 2020 zeigte seine Lernkurve steil nach oben. Als treffsicherer Schütze und hartnäckiger Verteidiger etablierte sich Herzog in der Rotation. Patricks großes Vertrauen in Herzog zeigte sich anhand der längeren Einsatzzeiten, auch in entscheidenden Phasen.

Jonah Radebaugh: Er erinnere ihn an Jaleen Smith, sagte Coach Patrick, als er Radebaugh während der Saison verpflichtete. Als guter Verteidiger verdiente sich Radebaugh seine Minuten, stand teilweise aber nicht im Kader. Erst in den Play-offs trumpfte er auf – auch im Angriff. Womöglich tut es Radebaugh seinem „Double“ Smith gleich und hängt eine Saison bei den Riesen dran.

Yorman Polas Bartolo: Der Deutsch-Kubaner, zum dritten Mal als Defensivspieler des Jahres ausgezeichnet, bereicherte mit seiner Verteidigung das Riesen-Spiel und traf in der Offensive so sicher wie selten zuvor in seiner Karriere – und das mit 35 Jahren. Am Sonntag deutete er im Gespräch mit unserer Zeitung an, sich einen Verbleib in Ludwigsburg sehr gut vorstellen zu können.

Jonas Wohlfarth-Bottermann: Biss sich lange Zeit mit Verletzungsproblemen durch. War meist ein zuverlässiger Akteur unter dem Korb. Als Co-Kapitän kein Lautsprecher, aber dennoch Führungsspieler. Bekam nach Elias Harris’ Abgang mit der Verpflichtung von McLean und Oscar da Silva Entlastung.

Desi Rodriguez: Hatte zu Beginn der Saison Anlaufschwierigkeiten. Wurde erst gegen Mitte der Saison zur echten Verstärkung, ließ aber zugleich die Konstanz vermissen. In den Play-offs war er nur bei der Niederlage in Spiel vier in Bamberg im Kader. Sein Vertrag gilt noch eine weitere Saison, jedoch wird der US-Amerikaner die Riesen wohl dank einer Ausstiegsklausel im Sommer verlassen.

Tremmell Darden: Coach Patrick schwärmte von Darden als eine Art Spielertrainer und auch bei seinen Teamkollegen genoss der 39-Jährige großes Ansehen. „In den letzten Jahren wurde mein Wort immer von Spielern und Trainern respektiert“, sagte Darden Anfang des Jahres. Damals äußerte er auch die Hoffnung, ein weiteres Jahr zu spielen. „Wenn ich noch ein Jahr bekomme, wäre das wundervoll.“ Ob und wo das sein wird, ist noch nicht abzusehen.

Andrew Warren: Kam völlig unfit aus dem Sommerurlaub und nahm lange die Rolle als Co-Trainer ein. Dennoch wurde Patrick nicht müde hervorzuheben, wie wichtig Warren für das Team sei. Im letzten Drittel der Saison wurde der Scharfschütze – mit zunehmender Fitness – dann unerwartet ein Faktor in der Offensive. „Er ist wie ein Joker“, sagte Patrick vor den Play-offs. „Er hat gesagt, dass er sich nicht mehr so gehen lassen wird“, versicherte Patrick.

Oscar da Silva: Da seine Saison am College vorzeitig endete, schlugen die Riesen vor der entscheidenden Saisonphase zu. Nahm „Wobo“ Arbeit unter dem Korb ab und zeigte in Ansätzen, wieso er als NBA-Kandidat gilt. Hatte aber Probleme in der Verteidigung gegen Teams mit kleinen Spielern. Auch sein Vertrag beinhaltet eine Ausstiegsklausel.

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