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Dieses Jahr werden die Ferien anders

Gesang am Lagerfeuer, Kicken mit Freunden und gemeinsames Kochen: Viele Dinge, die zu Freizeiten und anderen Ferienprogrammen dazugehören, sind in diesem Jahr nicht möglich. Manche Veranstalter haben deshalb ihre Angebote schon abgesagt, andere beschränken die Gruppengröße.

Jedes Jahr entsteht auf dem Robinsonspielplatz in Neckarweihingen die Kinderspielstadt „Robiweihingen“. Doch in diesem Jahr fällt das Angebot aus. Es wären zu viele Personen auf dem Gelände. Archivfoto: Andreas Becker
Jedes Jahr entsteht auf dem Robinsonspielplatz in Neckarweihingen die Kinderspielstadt „Robiweihingen“. Doch in diesem Jahr fällt das Angebot aus. Es wären zu viele Personen auf dem Gelände. Foto: Andreas Becker
Sport, Spiel und ganz viel Spaß: Statt zwei Wochen werden Kinder beim MTV in diesem Jahr in allen sechs Sommerferienwochen betreut. Foto: privat
Sport, Spiel und ganz viel Spaß: Statt zwei Wochen werden Kinder beim MTV in diesem Jahr in allen sechs Sommerferienwochen betreut. Foto: privat

Ludwigsburg. Sie sind oftmals die Höhepunkte des Jahres – nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Betreuer und Träger: Ferienspaß, Sommerfreizeiten und Ferientagheime sind wichtige Termine im Kalender bei Vereinen und anderen Gruppen. Doch in diesem Jahr ist vieles anders, auch die Sommerferien. Statt Singen am Lagerfeuer und gemeinsame Mittagessen heißt es, Abstand zu halten und regelmäßig zu desinfizieren. Zwar wären gerade in diesem Sommer Angebote dringend nötig – zum einen für die Kinder, die seit Monaten keinen normalen Tagesablauf mehr haben, zum anderen aber auch für die Eltern, die in den vergangenen Wochen selbst für die Betreuung ihrer Kinder gefordert waren. Ein paar Träger in Ludwigsburg haben ihr eigentliches Programm aber schon abgesagt und suchen Alternativen, andere überlegen noch oder wollen das Programm auf jeden Fall anbieten, wenn auch mit Einschränkungen.

„Es ist schmerzlich und fällt uns so schwer“, sagt Stefan Richter vom CVJM Ludwigsburg. Vergangene Woche seien die Briefe rausgegangen, dass die Freizeiten und das Ferientagheim in diesen Sommerferien nicht stattfinden. Genauso auch die Freizeiten des Evangelischen Jugendwerks in Ludwigsburg. „Hinter jedem Brief steckt eine Familie, die sich auf die Ferien gefreut hat“, seufzt Richter. Etwa 250 Kinder haben nun die Mitteilung bekommen, dass sie in diesem Jahr nicht den Sommer mit dem CVJM verbringen können.

Man habe sich die Entscheidung nicht einfach gemacht. Aber durch die Abstands- und Hygieneregeln seien viele Dinge, die so typisch sind für die Freizeiten, nicht möglich: kicken, singen, kochen. „Das Miteinander würde wegfallen“, erklärt Richter, warum man sich für die Absage entschieden hat. Da es im privaten Bereich viele Lockerungen gegeben hat, habe man sich mehr für die Ferienangebote erhofft, so Richter. Aber an die Coronaverordnung (siehe Text rechts unten) müsse man sich halten. Doch beim CVJM lässt man sich davon nicht unterkriegen. „Wir arbeiten gerade mit Hochdruck an einem Alternativprogramm“, sagt Richter. Das würde dann in den Gemeindehäusern in Ludwigsburg und in Gruppen mit maximal zehn Personen stattfinden.

Statt in diesem Jahr auf Sparflamme zu fahren, vergrößert der MTV Ludwigsburg sein Angebot: Normalerweise gibt es zwei Wochen Ferienspaß beim größten Sportverein der Stadt, in diesem Jahr können Kinder dort alle sechs Wochen betreut werden. Damit die Teilnehmer sich mehr verteilen, traf man diese Entscheidung. „Wir hätten den Ferienspaß so wie sonst nicht anbieten können, deshalb haben wir die Chance ergriffen, alle sechs Wochen zu machen“, erklärt der stellvertretende MTV-Vorsitzende Franz Weckesser.

Die Teilnehmer werden in Gruppen mit maximal 16 Kindern eingeteilt und die gesamte Woche von den gleichen Betreuern begleitet. „Der Kontakt zu anderen Gruppen soll möglichst gering gehalten werden“, erklärt MTV-Sprecherin Julia Stern. Jetzt sei man gespannt, wie es angenommen wird, so Weckesser. Viele Eltern seien noch vorsichtig, das sehe man etwa auch beim Kinderturnen. Das Ballcamp wird in diesem Jahr nicht stattfinden. Normalerweise ist dieses abwechselnd mit dem Ferienspaß auf dem MTV-Gelände. Das Fußball-Camp sei dagegen für drei Wochen geplant, das Tennis-Camp für zwei Wochen.

Die Kindersportakademie wird ihre Camps in Ludwigsburg anbieten. „Bei unseren Camps wird die Gruppengröße von zehn bis zwölf Kindern sowieso nicht überschritten“, so Sprecherin Kathrin Goll. Die Trainer werden fest einer Gruppe zugeteilt und wechseln nicht. Die Kindersportakademie hat bereits in den Pfingstferien Camps veranstaltet, unter anderem auch in Gerlingen. Da waren nur vier Personen pro Gruppe erlaubt. Das habe jedoch gut geklappt, die Kinder seien sehr diszipliniert gewesen, so Goll. Dank der neuen Regelungen für Ferienprogramme seien in den Sommerferien auch wieder Fußballspiele möglich, denn innerhalb der Gruppen muss kein Abstand gehalten werden. Mittagessen gibt es bei den Sport- und Fußballcamps in diesem Jahr nicht wie gewohnt. Stattdessen sollen die Kinder ein Vesperpaket selbst mitbringen.

Die Ludwigsburger Jugendgruppe des Deutschen Alpenvereins versucht, das Programm in den Sommerferien so gut es geht aufrechtzuerhalten, so Max Girrbach. Die zuständigen Jugendleiter dürften selbst entscheiden, ob sie ihr Angebot veranstalten oder nicht. Für manche Freizeiten stehe aber jetzt schon fest, dass sie nicht stattfinden können. Die Höhlenfreizeit etwa. „In einer Höhle kann man den Sicherheitsabstand einfach nicht wahren“, so Girrbach. Bei anderen Freizeiten müsse kurzfristig entschieden werden, vor allem, wenn es ins Ausland geht. Gerade in Planung sei ein offenes Angebot vor Ort, an dem Kinder ohne viel Vorwissen und Ausrüstung teilnehmen könnten.

Anders als sonst sieht das Ferienprogramm auch beim Hockeyclub Ludwigsburg (HCL) aus. Fünf Wochen lang gibt es in diesem Jahr eine Tagesbetreuung für alle, die sich anmelden. „Damit sprechen wir eine breitere Gruppe an und hoffen, dass sich ausreichend Kinder anmelden“, sagt Vereinssprecher Michael Thum. Die Kinder könnten wochenweise angemeldet werden. Mit mindestens sechs Kindern findet das Programm auch statt. Melden sich mehr, werden Gruppen gebildet. „Wir haben das Personal“, so Thum.

Bei der Jugendfarm Ludwigsburg gibt es noch keine Entscheidung zum Programm in den Sommerferien. Sie seien sich noch nicht sicher, wie es umgesetzt werden kann, so eine Mitarbeiterin. Denn die Gesundheit der Kinder stehe auf jeden Fall an erster Stelle.

Beim Robinsonspielplatz in Neckarweihingen hat man sich vergangene Woche entschieden: Die Kinderspielstadt Robiweihingen wird in diesem Jahr nicht stattfinden. „Das sind zu viele Personen, und kleiner lohnt es sich nicht“, begründet eine Mitarbeiterin die Entscheidung. Doch der Ferienspaß auf dem Robinsonspielplatz findet wie gewohnt, aber unter Corona-Auflagen, statt. Das Programm werde gerade aufgestellt. Und auch in den restlichen Wochen der Sommerferien ist der Abenteuerspielplatz mit Anmeldung geöffnet.

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