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Moderne LAndwirtschaft

Drohnen werfen Kapseln aufs Feld

Wie Landwirte und Lohnunternehmer mit Hilfe von Drohnen und Satelliten effektiver und ressourcenschonender düngen und Schädlinge bekämpfen, das wurde gestern auf Versuchsflächen der Graevenitz’schen Gutsverwaltung Beihingen demonstriert.

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Mit hydraulischer Unterstützung: Der Bohrstock holt Bodenproben aus 90 Zentimetern Tiefe. Fotos: Holm Wolschendorf
Mit hydraulischer Unterstützung: Der Bohrstock holt Bodenproben aus 90 Zentimetern Tiefe. Foto: Holm Wolschendorf
Normalerweise stecken in den Kapseln die Eier von Schlupfwespen, dem Feind des Maiszünslers. Unser Bild zeigt leere Probekapseln.
Normalerweise stecken in den Kapseln die Eier von Schlupfwespen, dem Feind des Maiszünslers. Unser Bild zeigt leere Probekapseln.

Freiberg/Ditzingen. Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt. Er setzt seine Felder und Wiesen instand: Landwirtschaftlicher Alltag längst vergangener Tage. Wie die Gegenwart und Zukunft der Landwirtschaft aussieht, erklärte Gerd Mezger, Spartengeschäftsführer Agrar Württemberg des Handels- und Dienstleistungskonzern Bay.Wa, beim gestrigen Pressegespräch im Freiberger Ortsteil Beihingen. Das englische Schlagwort Smart Farming steht für die Anwendung von modernen Informations- und Kommunikationstechnologien in der Landwirtschaft.

Zwei württembergische Landwirte – Jürgen Rüdt aus Ditzingen und Joachim Unger aus Wilflingen im Landkreis Biberach – testen auf ihren Feldern die smarten Helfer, um die Chancen und Herausforderungen speziell für kleinere Betriebe zu erkunden und gemeinsam Smart Farming weiterzuentwickeln. Der Schwerpunkt des mehrjährigen Pilotprojektes, das 2018 an den Start ging, liege auf dem Ausbringen von Düngemitteln, betonte Mezger. Die Rolle des weltweit tätigen Konzerns und seiner Tochterunternehmen sei es, die einzelnen Komponenten und Akteure zu einer ganzheitlichen Lösung zu verknüpfen. Die Bay.Wa liefere satellitengestützte Aufnahmen, Agrarsoftware und Bodenproben, Landtechnik, Betriebsmittel und übernehmen die Pflanzenbauberatung, so Mezger.

Fruchtbare Böden

Entscheidend bei der Pflanzenproduktion ist die Fruchtbarkeit des Bodens. Während Bauern früher, so Mezger, aufgrund von Beobachtungen, Bodenproben und -untersuchungen Dünger pauschal und großflächig auf die Felder verteilten, könnten sich die Landwirte heute auf Satellitendaten bei der Bodenanalyse stützen und damit Dünger gezielt einsetzen, wo der Boden Bedarf anzeige. „So kann ich meine Betriebsmittel optimal einsetzen und langfristig Ertrag und Qualität sichern“, so Jürgen Rüdt aus Ditzingen, Smart-Farming-Partner und Vorsitzender der Erzeugergenossenschaft für Qualitätsgetreide und Raps, der das Pilotprojekt auch angeregt hatte. Der 56-Jährige, der einen Ackerbaubetrieb in Ditzingen führt, freut sich über die grundlegenden Daten, die Satelliten lieferten, genauso wichtig sei aber der Landwirt, der den Boden rieche und fühle. „Die Digitalisierung unterstützt den Landwirt“, sie ersetze ihn nicht. Mit den technischen Hilfsmitteln sei es aber möglich, jederzeit Bodenproben an identischen Standorten zu nehmen und so gezielt zu überprüfen, ob die Düngung und der Pflanzenschutz erfolgreich waren. Rüdt ist überzeugt davon, dass die gezieltere Düngung den Landwirten langfristig gesehen Geld spare und die Umwelt schone. „Nachhaltigkeit bedeutet, Unterschiede auf dem Feld zu berücksichtigen.“

Digitaler Dienstleister

GPS-gestützte Bodenproben auf die Hauptnährstoffe und biologischer Pflanzenschutz mit Drohnen – für jeden einzelnen Landwirt sind diese Anschaffungen zu teuer. Hier kommt Markus Schaible aus Münchingen ins Spiel. Der Landwirt und Lohnunternehmer bietet Dienstleistungen an, die auf digitalen Daten basieren. Seine Kunden, für die er beispielsweise Mais und Zuckerrüben aussät oder Bodenproben nimmt, profitieren von den Vorteilen, die die Digitalisierung mit sich bringt – ohne selbst in die neue Technologie investieren zu müssen. „Damit sinken für den Landwirt die Einstiegshürden in Smart Farming“, so der Münchinger Lohnunternehmer. „Immer mehr Kunden fordern die neue Technologie“, Schaible ist überzeugt: „Smart Farming ist im Kommen.“

Gerd Mezger hat schon weitere Projekte ausgemacht, beispielsweise die gezielte Ausbringung von Kalk per GPS-Steuerung oder eine Teilflächenspezifische Aussaat – entsprechend der Beschaffenheit des Bodens. Moderne Landwirtschaft, die dem Landwirt Saatgut spare, so Mezger.

Info: In Freiberg finden derzeit auch die 13. Agrartage statt. Diese werden heute, 14. Juni, um 9.30 Uhr in Freiberg, Salzmann 6, fortgesetzt.

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