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Durch diese Röhre führt kein Weg

Sie waren umstritten, aber sie sind wirksam: Die drei Krebssperren im oberen Bottwartal verhindern tatsächlich, dass der amerikanische Signalkrebs den in seinem Bestand stark gefährdeten einheimischen Steinkrebs verdrängt. Das Regierungspräsidium setzt dennoch weiterhin auf Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit; denn auch unbedachtes Handeln gefährdet die einheimischen Krebsarten.

Eigentlich wandern Signalkrebse flussauf; an dieser glatten Edelstahlröhre an der Bottwar ist für ihn der Weg jedoch zu Ende.Foto: Holm Wolschendorf
Eigentlich wandern Signalkrebse flussauf; an dieser glatten Edelstahlröhre an der Bottwar ist für ihn der Weg jedoch zu Ende. Foto: Holm Wolschendorf

Bottwartal. In baden-württembergischen Gewässern sind natürlicherweise drei Flusskrebsarten heimisch: Der Edelkrebs (Astacus astacus), der Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) – der vor allem in Südbaden vorkommt – und der Steinkrebs (Austropotamobius torrentium). Im Oberlauf der Bottwar kommen Steinkrebse und vereinzelt Edelkrebse vor; sie gelten inzwischen als stark gefährdet oder sind sogar vom Aussterben bedroht, weshalb sie dem nationalen und europarechtlichen Schutz unterliegen.

Bedroht werden diese einheimischen Krebsarten vor allem vom amerikanischen Signalkrebs, der in den 1960er Jahren von den Rocky Mountains aus zunächst nach Schweden importiert worden war, um die weniger werdenden eigenen Krebsbestände aufzufüllen – mit fatalen Folgen.

Zum einen vermehren sich die Signalkrebse schneller als die einheimischen Arten, deren Nahrungskonkurrenten sie sind. Und sie tragen eine Krankheit in sich, gegen die sie selbst immun sind, die aber in der Lage ist, einheimische Krebspopulationen innerhalb kurzer Zeit komplett zu vernichten: Die Krebspest.

Im September 2011 waren in der Oberen Bottwar die ersten Signalkrebse gefunden und zu tausenden herausgeholt worden – die Tiere schmecken nämlich gut, ein Grund, weshalb die Schweden sie für ihr traditionelles Mittsommer-Krebsessen haben wollten.

Im Jahr 2014 hatte sich im oberen Bottwartal die Erkenntnis durchgesetzt, dass man etwas gegen den Signalkrebs unternehmen, zumindest aber verhindern sollte, dass er weiter flussaufwärts wandert und die dortigen, noch sehr guten Bestände von Edel- und Steinkrebs vernichtet.

Die Begeisterung der Kommunalpolitiker, zumal im Beilsteiner Gemeinderat, hatte sich damals in Grenzen gehalten; 10.000 Euro sollten drei Edelstahlröhren kosten, deren glatte Wände die Tiere am Vorwärtskommen hindern sollten. 7000 Euro wollte das Regierungspräsidium auf Antrag des Fischereiverbandes zuschießen. Die restlichen 4000 Euro teilten sich die betroffenen Kommunen Beilstein und Oberstenfeld, wo man die Notwendigkeit solcher Kontaktsperren schnell eingesehen hatte.

Im September des gleichen Jahres wurden die drei Krebssperren eingeweiht. Sie liegen an der Landesstraße 1117 in Oberstenfeld, am Wiesenweg im Prevorster Tal und an der Unteren Ölmühle auf Markung Beilstein. Die obere Bottwar war damit Teil eines deutschandweit einmaligen Artenschutzprojekts. Betreut wurde und wird das Projekt von der Fischereiforschungsstelle in Langenargen am Bodensee. Hat es denn etwas gebracht?

„Ja, die Krebssperren funktionieren!“ sagt Helmut Bruckelt, der erste Vorsitzende vom Fischerei- und Gewässerschutzverein Steinheim, der sich vor Ort um die Edelstahlröhren kümmert. Bei einem Belastungstest mit markierten Krebsen habe es kein einziger Signalkrebs geschafft, durch die Sperren in den Oberlauf der Bottwar zu gelangen. Auch beim Regierungspräsidium ist man mit den Sperren zufrieden und von ihrer Wirksamkeit überzeugt. Weil aber die letzte Überprüfung bereits drei Jahre zurückliegt, soll im August ein neuer Kontrollgang stattfinden, sagt Dominik Geray, der die Fischereibehörde beim Regierungspräsidium Stuttgart leitet.

Wenn sich Helmut Bruckelt vom Fischerei- und Gewässerschutzverein Steinheim etwas wünschen dürfte, würde er gern am Rohrbach, auf Steinheimer Markung gelegen, ebenfalls zwei bis drei Krebssperren einbauen lassen, eine so genannte „Kaskade“. Als Einzelröhre sind Krebssperren nämlich wenig wirkungsvoll: „Wenn bei einem Starkregen eine verschlammt, reicht eine Nacht und die Signalkrebse überwinden die Barriere“, sagt Brucklet.

Um Flussabschnitte frei von Signalkrebsen und den Sporen der Krebspest zu halten, setzt das Regierungspräsidium auf Aufklärung. Denn häufig geschieht die Kontaminierung eines Gewässers aus Unkenntnis . „Das ist wirklich ein großes Problem“, sagt Dominik Geray.

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