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Ein ehemaliges TV-Studio wird zum Impfzentrum für den Landkreis

Diese Entscheidung war eine Überraschung, denn die MM Studios auf dem Areal des Urbanharbor in der Ludwigsburger Weststadt hatte keiner so richtig auf dem Zettel. Ab Mitte Januar entstehen dort zwei Impfzentren in einem. Das hat gestern das Sozialministerium bestätigt.

Die Impfung gegen Corona wird für den Landkreis in einem ehemaligen TV-Studio in der Grönerstraße stattfinden. Einer der Vorteile des Standorts: Davor gibt es einen ausreichend großen Parkplatz. Foto: Holm Wolschendorf
Die Impfung gegen Corona wird für den Landkreis in einem ehemaligen TV-Studio in der Grönerstraße stattfinden. Einer der Vorteile des Standorts: Davor gibt es einen ausreichend großen Parkplatz. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Zahlreiche Liegenschaften hatte sich das Landratsamt in den vergangenen Wochen angeschaut. Standorte in Ditzingen, Bietigheim, Sersheim und Kornwestheim waren im Gespräch. Vor allem das Marbacher Krankenhaus und das Reithaus im Ludwigsburger Film- und Medienzentrum hatten sich gute Chancen ausgerechnet.

Am Ende fiel die Entscheidung auf die MM Studios, eine große Halle auf dem Urbanharbor-Areal in der Grönerstraße, hier war vor Jahren der private Fernsehsender BTV untergebracht. „Die Halle ist von der verkehrlichen und logistischen Anbindung als auch von den räumlichen Gegebenheiten ideal“, sagt Landrat Dietmar Allgaier im Gespräch mit unserer Zeitung. Ein externer Dienstleister, der auf dem Areal seinen Firmensitz hatte, war mit der Idee auf die Eigentümerfamilie Maier zugegangen, die den Kontakt zum Landkreis gesucht hatte.

Die barrierefreie Halle hat eine Grundfläche von 1600 Quadratmetern, hinzu kommen weitere 1000 Quadratmeter für Nebenräume, die zum Beispiel für Mitarbeiter, Lager, Kühlung und mehr genutzt werden können. Im Außenbereich gibt es nach Mitteilung des Landratsamtes rund 400 Parkplätze, die Nähe zur Autobahnanschlussstelle Ludwigsburg-Süd ist gegeben und per Bus erreicht man die Halle über die Haltestelle Mann+Hummel.

Die stützenfreie Hallenfläche sei sehr gut geeignet für den modularen Ausbau. „Durch Systemwände können Besprechungs- und Untersuchungsräume erstellt werden“, heißt es vonseiten des Landratsamtes.

Die sechs bevölkerungsreichsten Stadt- und Landkreise haben zwei Kreisimpfzentren (KIZ) bekommen, Ludwigsburg ist einer davon. Weitere Kreise mit zwei Zentren sind unter anderem Stuttgart, Esslingen und der Rhein-Neckar-Kreis. Ludwigsburg ist aber der einzige Kreis mit einem Doppelstandort, also zwei Impfzentren in einem. Es sind aber zwei separate Impflinien vorgesehen. „Durch die Besonderheit von zwei KIZ an einem Standort haben wir eine höhere Kapazität als bei zwei Impfzentren an unterschiedlichen Standorten. Wir erreichen erhebliche Synergieeffekte, vor allem bei der Ausstattung, aber auch beim Personal“, sagt Landrat Allgaier. Zudem sei der Landkreis, was die Fläche anbelangt, nicht so groß. „Der Weg nach Ludwigsburg ist von überallher zu bewerkstelligen.“

Das Sozialministerium geht davon aus, dass in den Kreisimpfzentren täglich 750 Personen gegen Corona geimpft werden können. In Ludwigsburg könnten demzufolge 1500 Menschen geimpft werden. Die Kreisärzteschaft bemüht sich derzeit um Ärzte, die dort ihren Dienst tun werden. Wie berichtet, setzt man in erster Linie auf Mediziner im Ruhestand sowie auf freigestellte Ärzte. Allein 28 Mediziner wird man für diese Aufgabe benötigen, 14 für jedes KIZ. Hinzu kommt weiteres Personal für Registrierung, Dokumentation, Reinigung und Übersetzung sowie Sicherheitspersonal.

Betrieben wird das KIZ voraussichtlich durch das Landratsamt. „Wir benötigen hierzu Partner. Das sind die Kassenärztliche Vereinigung, die Kliniken Holding, alle Hilfsorganisationen und auch private Anbieter“, so Allgaier.

Zum 15. Januar soll das Impfzentrum aufgebaut sein. Wenn der Impfstoff vorhanden ist, könne gleich die Arbeit aufgenommen werden. Zunächst ist der Betrieb der KIZ bis zum 30. Juni vorgesehen. „Wenn wir darüber hinaus tätig sein müssen, haben wir in den MM Studios die Möglichkeit zur Verlängerung“, erklärt der Landrat. Die Kosten für die Immobilie trägt im Übrigen das Land.

Insgesamt sind 50 sogenannte Kreisimpfzentren (KIZ) im Land geplant. Weitere neun Zentrale Impfzentren (ZIZ) wird es laut Sozialministerium in Freiburg, Offenburg, Karlsruhe und Heidelberg sowie in Rot am See, Tübingen und Ulm geben. In Stuttgart werden zwei ZIZ ausgestattet. „Unsere Impfstrategie steht auf einem stabilen Fundament“, sagt Landesgesundheitsminister Manne Lucha.

Ziel ist es, rechtzeitig zur ersten Lieferung des ersehnten Corona-Impfstoffs ausreichend Zentren für die Logistik und Personalfragen rund um die Massenimpfung bereitzustellen. Die großen und auch die kleineren Zentren werden durch Mobile Impfteams unterstützt, die Menschen in Alten- und Pflegeheimen sowie schwer bewegliche Personen vor Ort versorgen.

Nach früheren Angaben kostet die Umsetzung der Corona-Impfungen das Land von Mitte Dezember an und bis Mitte April rund 60 Millionen Euro allein für die Personal- und Sachkosten in den Impfzentren. Die Beschaffung des Impfbestecks und die Impfstoff-Logistik sind bereits mit 15 Millionen Euro veranschlagt und genehmigt. Die Kosten trägt laut Konzept das Land zunächst vollständig selbst. Geplant ist aber, dass sich die gesetzliche Krankenversicherung zur Hälfte daran beteiligt.

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