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Ein einsames Nasenstäbchen in der Rathauspost

Für die Coronatests an der Grundschule erhält die Gemeinde Murr ein einziges Testkit. Bürgermeister Torsten Bartzsch ist sprachlos.

In Murr ist genau ein Schnelltest angekommen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
In Murr ist genau ein Schnelltest angekommen. Foto: Holm Wolschendorf

Murr. Der Murrer Bürgermeister ist üblicherweise jemand, den nichts so schnell aus der Ruhe und schon gar nicht aus der Fassung bringt. Doch der Coronapandemie und ihren Folgen gelingt es, den Glauben des gestandenen Schultes an deutsches Organisationstalent und die Leistungsfähigkeit staatlicher Institutionen sowie privater Unternehmen ernsthaft zu erschüttern.

Die Geschichte, die dazu führte, geht so: Wie alle anderen 1100 Städte und Gemeinden im Land meldet auch Murr beim Sozialministerium den Bedarf an einem Starterpaket mit 513 Testkits an, damit in der örtlichen Grundschule nach den Osterferien mit den Testungen der Schüler begonnen werden kann.

Allein: Bis zum Freitag vergangener Woche geht keine Lieferung ein, berichtet Bartzsch dem Gemeinderat. Der Lindenschule wird schließlich mit Tests aus dem Bestand der Kommune ausgeholfen, damit der Schulbetrieb vorschriftsmäßig am Montag starten kann.

Am Dienstag zieht Torsten Bartzsch dann einen braunen DIN-A4-Umschlag aus der Rathauspost, dessen Inhalt er am Abend den Gemeinderäten präsentiert: Es ist ein – in Worten ein – Corona-Schnelltest. „Das macht mich echt sprachlos“, so der Bürgermeister, „man hat ja in der Pandemie jetzt schon einiges mitgemacht, aber irgendwo sind auch Grenzen.“ Dass es sich nicht um einen Irrläufer oder ein versehentlich ohne Anschreiben versendetes Muster, sondern um „den“ Test für die Schule handelt, steht für Torsten Bartzsch schnell fest. Denn versandt wurde das einsame Nasenstäbchen von einem der Logistikunternehmen, die das Sozialministerium mit der Verteilung der Testkits an die Schulträger beauftragt hat.

Dass die versprochenen Schnelltests nicht bei allen Schulen im Land rechtzeitig zum Schulbeginn nach den Ferien angekommen sind, hat das Ministerium inzwischen eingeräumt und auf Probleme mit den Lieferanten verwiesen. Dennoch: Auf die Idee, nur einen einzigen Test einzutüten und zu verschicken, muss man erst mal kommen. „Da hätte man doch lieber eine andere Kommune mit einem Test mehr beglückt. Das Ganze ist echt ein Stück weit frustrierend“, findet Torsten Bartzsch.

Ernsthaft widersprechen kann man ihm wohl kaum.

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