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Ein Geben und Nehmen ohne Geld

Mitglieder der Nachbarschaftlichen Tauschbörse Remseck präsentieren mit handwerklichen Arbeiten ihr Hobby

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Mitglieder des Vereins Nachbarschaftliche Tauschbörse Remseck stellen ihre Arbeiten aus. Fotos: Oliver Bürkle
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Ludwigsburg. Bei einer Ausstellung mit dem Titel „Kreativ und selbst gemacht“ zeigten am Dienstagabend sieben Mitglieder des Vereins Nachbarschaftliche Tauschbörse Remseck im Haus der Bürger in Aldingen, was sie alles können. Sie sind ein kleiner Teil von rund 120 Mitgliedern, die in einer Online-Börse auf der Internetseite des Vereins Dienstleistungen tauschen. Pro Stunde Nachhilfe oder Rasenmähen zum Beispiel werden vier Remspfennige veranschlagt, die auf das Tauschkonto des jeweiligen Dienstleisters gehen, der damit wieder andere Arbeiten in Anspruch nehmen kann.

„Wer kann meiner Tochter Nachhilfe geben, wenn ich dafür seinen Rasen mähe?“ So ungefähr läuft die Tauschbörse Remseck. Nach Informationen des ersten Vorsitzenden, Wolfgang Erhardt, halten die Mitglieder des Vereins alle vier Wochen einen Stammtisch ab, damit sie sich kennenlernen und erfahren, wer der Tochter Nachhilfe gibt, und wer mit dem Rasenmäher in den Garten kommt. Die Tauschbörse Remseck funktioniert zwar online über das Portal cyclos, aber sie ist nicht anonym. Jeder kennt jeden. Und jeder, der mit seinen erbrachten Dienstleistungen Remspfennige gesammelt hat, kann dafür wieder etwas haben. Handelt es sich dabei um ein Schmuckstück oder gar eine Reise, wird nur der Materialwert in Euro erhoben.

Zum Kennenlernen und auch um Mitglieder zu werben, stellten am Dienstagabend bei der Ausstellung „Kreativ und selbst gemacht“ sieben Leute im Haus der Bürger ihre Hobbys vor. Zum Einstimmen sang die gemütliche Runde mit Franz Rapf an der Gitarre das Lied „Heimweh“ von Freddy Quinn. Gisela Authenrieth zeigte ihren Schmuck aus echten Steinen, teilweise vergoldet und versilbert. Marlene Ott stellte Liköre aus und Gudrun Vöhringer Puppen. „Ich war Mamas Jeans“ lautete die Bezeichnung für eine bestickte Kinderjeans von Heide Widmann, die auch Omas Rock noch zu einem Unikat-Sommerröckchen für kleine Mädchen umschneidern kann.

Bernd Zimmermann zeigte seine „Moving Globes“, auf die er sogar ein Patent hat. Die kleinen Globusse drehen sich einmal am Tag um die eigene Achse, zeigen die lokale Uhrzeit an und teilen mit, wo die Sonne auf- und untergeht. Gebhard Enderle brachte seine Aquarelle mit und Ruth Bornewasser-Enderle bewies, dass gesundes Brot backen ganz einfach sein kann, ohne den Backofen vorheizen zu müssen. Bornewasser-Enderle bietet sich innerhalb des Vereins als Back-Lehrerin an. Marte Schorr kann Nähen, Stricken und Filzen.

Skipper Hermann Weiß, zugleich stellvertretender Vorsitzender des Vereins, chartert sogar Boote und Segelturns gegen Remspfennige, denn er hat Bootsführerscheine für alle Gewässer der Erde. Wer mit will, muss nur die Reise selber in Euro bezahlen und kann so zu einem kostengünstigen Urlaub kommen. Voraussetzung ist aber, Vereinsmitglied zu werden. Doris Boegner näht Kinderbekleidung aus Bio-Stoffen, abstraktes und konkretes Malen bringt Helga Möllenhoff anderen bei. Etwa 30 bis 50 Tauschbörsenmitglieder kommen Wolfgang Erhardts Angaben nach alle vier Wochen zum Stammtisch des Vereins. Die einen sind eher praktisch orientiert, die anderen kreativ.

Skipper Hermann Weiß formulierte noch einmal das Vereinsziel: „Kleine Dienstleistungen tauschen gegen Remspfennige.“ Der Verein Nachbarschaftliche Tauschbörse Remseck kooperiert mit der Tauschbörse Waiblingen und etwas loser auch mit der Tauschbörse Sindelfingen. Die Mitglieder tauschen nicht nur Dienstleistungen, sondern auch Zeit, wie Hermann Weiß erläuterte. Eine Stunde Dienstleistung, führte Wolfgang Erhardt aus, würde mit etwa vier Remspfennigen pauschal veranschlagt, aber die Tauscher würden meistens selber untereinander ausmachen, wie viele Remspfennige ihnen der Handel wert ist. Jedes neue Mitglied bekommt acht Remspfennige Startguthaben.