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Ein Herz für die Bottwartalbahn

L für Läuten, P für Pfeifen, 15 für 15 km/h: Diese Signale waren erforderlich, wenn die Bottwartalbahn nach dem Halt in Hof und Lembach die Straße überquerte. Hans-Joachim Knupfer (auf der Leiter), Wolfram Berner (links) und Reiner Lochmann lassen di
L für Läuten, P für Pfeifen, 15 für 15 km/h: Diese Signale waren erforderlich, wenn die Bottwartalbahn nach dem Halt in Hof und Lembach die Straße überquerte. Hans-Joachim Knupfer (auf der Leiter), Wolfram Berner (links) und Reiner Lochmann lassen di
Neue Infotafel am ehemaligen Halt Hof und Lembach aufgestellt – Weinfässer wurden mit dem Kran verladen

Großbottwar. Den Sauserhof, jenen kleinen Weiler zwischen Großbottwar und Oberstenfeld, kennen die meisten vermutlich nur vom Durchfahren. Auf die Idee, dass es hier, kurz nach dem Abzweig Richtung Hof und Lembach, einmal einen Bahnhof gab, an dem die Bottwartalbahn haltmachte, käme man nicht unbedingt. Wer allerdings den Radweg durchs Bottwartal nutzt und nicht nur die landschaftlichen Schönheiten entlang der Strecke in sich aufnimmt, der kann jetzt einen liebevoll gestalteten Hinweis auf dieses Kapitel Lokalgeschichte entdecken: Wolfram Berner und Hans-Joachim Knupfer, nimmermüde Streiter für eine Wiederbelebung des Bähnles und Eisenbahnfans, die die Erinnerung an den „Entenmörder“ aufrechterhalten, haben eine neue Infotafel aufgestellt.

Rund ein Dutzend dieser Tafeln gibt es schon an markanten Punkten an der alten, knapp 34 Kilometer langen Trasse zwischen Marbach und Heilbronn. Sie machen Geschichte lebendig und tragen ihren Teil dazu bei, dass die Bottwartalbahn in ihrer ursprünglichen Form nicht in Vergessenheit gerät. 10,5 Kilometer vom Ausgangspunkt Marbach entfernt liegt die ehemalige Haltestelle „Hof und Lembach“. Diese Zahl findet sich auf einem weißen Schild, das oberhalb der Infotafel montiert ist.

Die Infotafel selbst ist laut Hans-Joachim Knupfer die erste „an einer kleinen ländlichen Bahnstation“. Der frühere Halt Hof und Lembach stellt insoweit eine Besonderheit dar, als dass er nach dem gleichen Schema wie viele andere Haltepunkte im Land gebaut wurde, „das war ein Baukastensystem“, sagt Wolfram Berner. Damit wollten die sparsamen Königlich Württembergischen Staatseisenbahnen für ihre Lokalbahnen Geld sparen. Hof und Lembach war genauso aufgebaut wie der Halt in Kleinbottwar, nur spiegelbildlich: Ein kleines Bahnhofsgebäude, Weiche, Ladegleis, noch eine Weiche für das Stumpfgleis und eine Laderampe: das genügte. Der Kleinbottwarer Bahnhof allerdings wurde laut Wolfram Berner ziemlich schnell nach der Stilllegung der Bottwartalbahn Ende der 1960er Jahre abgerissen.

Dem Halt Hof und Lembach blieb dieses Schicksal erspart. Ein Glücksfall für die Bahnfans Knupfer und Berner, ebenso wie der Umstand, dass der aktuelle Besitzer des alten Bahnhöfles ein Herz für die Lokalhistorie hat: Reiner Lochmann hat das frühere Bahnhofsgebäude 2004 gekauft, seine Elektrofirma mit Büros und Schulungsraum darin untergebracht und einen Biergarten eingerichtet, in dem Radler und Spaziergänger ihren Durst stillen können. Schon beim Kauf „war außer den Grundmauern nichts mehr im Originalzustand“, sagt Lochmann, der die Kosten für die neue Infotafel übernommen hat. In seinem Besitz befindet sich übrigens auch eine Zeichnung aus dem Jahr 1891, auf der Lage und Grundriss der zum Bahnhof gehörenden Toiletten abgebildet sind.

Die sanitären Anlagen waren vermutlich gefragt, denn im 20. Jahrhundert war die Bottwartalbahn auch von touristischem Interesse und die Station Hof und Lembach Ausgangspunkt für die seinerzeit sehr beliebten Wanderungen auf den Lichtenberg. „Deshalb sollte die Haltestelle ursprünglich auch Hof-Lichtenberg heißen“, weiß Hans-Joachim Knupfer.

Wichtig war die Station übrigens auch für die Wengerter, hier wurden die Fässer mit Bottwartäler Wein verladen und nach Stuttgart geschickt. Schon zur Eröffnung der Bottwarbahn 1894 war hier ein Kran aufgebaut, mit dessen Hilfe die schweren Weinfässer aufs Gleis gebracht wurden.