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Deutscher Pavillon

Ein Ideengeber aus Ludwigsburg dabei

In Mailand dreht sich alles um das Thema Welternährung – Verschiedene Ansätze werden präsentiert, wie man Ressourcen schont

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Ludwigsburg. Auf der Weltausstellung in Mailand zeigen manche Länder, wie schön und bunt ihre Welt ist – die Expo will aber auch Impulse geben, will die Zukunft vorausdenken. Wie kann die Welt ernährt werden? Wie können Ressourcen geschont werden? Die Deutschen haben das mal wieder beim Wort genommen, präsentieren jedoch kreativ, einfallsreich und mit Esprit unter dem Motto „Fields of Ideas“ Ideen und Entwicklungen. Allein schon die einfachen Pappdeckel, die sich in der Ausstellung zu digitalen Tablets verwandeln, lockt die Massen, ebenso die Show mit riesigen Bienenaugen.

Im Pavillon kommen ein Apfelbauer zu Wort, ein Aktivist, der sich um Trinkwasser in der Dritten Welt kümmert, eine Stadtimkerin aus Berlin und mit Max Maier ein Unternehmer aus Ludwigsburg. Pressesprecherin Marion Conrady betont dabei, dass sich „keine Firma hier einkaufen konnte“. „Es ist einfach eine superclevere Idee, die uns weiterbringt“, sagt sie zu dem Ansatz des Ludwigsburgers, zu dessen Unternehmensgruppe die Firma Rieber und Eisfink (Reutlingen/Ludwigsburg) gehören. Es gehe darum, mit Lebensmitteln verantwortungsvoll umzugehen und Verpackungsmüll mit Mehrweg zu vermeiden.

Überzeugt hat dabei die Vision von Max Maier, den gesamten Kreislauf des Kochens im Blick zu haben: vom Lagern über das Zubereiten bis zum Transport und der Essensausgabe. So konsequent, wie er das für Großküchen und Kantinen angehe, sei das einmalig, heißt es im Pavillon. Maier selbst spricht vom CO-Footprint, dem Fußabdruck an Kohlendioxidverbrauch, den eine bestimmte Produktionsweise hinterlässt. „Was später auf den Tisch kommt, wird oft viermal umgepackt, vieles landet auf dem Müll“, so Maier im Gespräch mit unserer Zeitung. Deshalb lässt er sich auf der Ausstellung auch mit dem Satz zitieren: „Ich wünsche mir eine Welt ohne Plastik.“ Plastik sei Fluch und Segen zugleich für die Menschheit – das Material ermögliche viel, sei aber absolute Ressourcenverschwendung.

Sein Unternehmen setzt auf Edelstahl-Geschirr, das die verschiedenen Anforderungen einer mobilen Ernährung erfüllt. Laut Unternehmen sei dies immer mehr gefragt, vor allem in Altenheimen, Krankenhäusern, Hotels und Kantinen. Während des Herstellungsprozesses werde der gesamte Ablauf und die Qualität der Speisen kontrolliert – mit Hilfe digitalisierter Systeme.

Das Essen, so die Philosophie, kommt zu den Menschen, soll aber genauso gut sein und genauso gut schmecken wie in einem Restaurant. Damit das alles nicht nur Theorie bleibt, haben sich die Verantwortlichen des Deutschen Pavillons dafür entschieden, im Restaurant mit einer solchen, übers Internet verbundenen Küchentechnik zu arbeiten. Angeboten wird im Pavillon auch gehobene Gastronomie, die Sterneköche schickt jedes Bundesland gleich mit. An diesen Tagen ist gerade Berlin an der Reihe, in einer Open-Air-Küche wird vor Publikum gekocht. Allein Baden-Württemberg – technisch hoch entwickelt – zeigt sich kulinarisch wenig interessiert und nimmt an diesem Gastronomie-Projekt zum Bedauern der Messeveranstalter nicht teil.

Ernährung ist auch eine Frage des Energieaufwands. „Wir benötigen etwa 2500 Kilokalorien pro Tag. Umgerechnet verbrauchen wir aber tausendfach mehr an Energie, bis das Essen auf dem Tisch steht“, so der Ludwigsburger Max Maier. Seine Antwort auf die Frage der Ernährung ist: Sie muss regional und saisonal sein. Die Expo kann dafür das Bewusstsein schärfen, ist er überzeugt – ob in Mailand oder 2020 in Dubai, wo Maier auch dabei sein will.

Vom Supermarkt der Zukunft und alten Töpfen

Manche Länder haben die Expo wohl mit einer Tourismusmesse verwechselt. Aserbaidschan wirbt mit der schönen Landschaft, zeigt, dass man mit Schiff oder am besten mit einem Hubschrauber auf Sightseeingtour geht. Auch Spanien wirbt mehr mit Wein, Gemüse und Fisch für kulinarische Erlebnisse als für Zukunftslösungen.

Ganz anders der Supermarkt der Zukunft. Ein Unternehmen hat dort das aufgebaut, was die einen erschreckt, andere in Begeisterung versetzt: Da stecken auf den Verkaufstischen über der Obst- und Gemüseabteilung Roboterarme, die sich die Früchte greifen, die man ihnen hinlegt – und auf Wunsch einen frischen Orangensaft pressen oder die Früchte zum Obstsalat stückeln. Achtung, nicht erschrecken: Die Kameras über den Theken merken es sofort, holt man sich etwa eine Mango aus der Auslage. Ein Bildschirm zeigt an, woher die Mango kommt, wie nachhaltig sie angebaut wurde und wie viel Energie in Kilokalorien sie liefert. Da fragt man sich nur, wer die teuren Bildschirme und Kameras bezahlt. Oder zahlen wir deshalb gerne mehr für den Apfel? Und weniger an den Apfelbauern? So richtig nachhaltig ist das nicht.

Wollen wir jederzeit ein fertiges Essen auf Knopfdruck? Kaum vorstellbar sagen alle, die abends gerne in ein Restaurant gehen. Doch immer mehr Menschen sind auf Essenslieferungen angewiesen, Krankenhäuser, viele Hotelketten, Firmen, Flughäfen und Schulen. Und so manche Party, die abends steigt, setzt auf Caterer, die ebenfalls vieles vorkochen. Wie hoch der Anteil der Menschen ist, die täglich aus Großküchen versorgt werden?

Essen, das aus Großküchen kommt, duftet meist wenig spannend. Anders ist es, wenn angeliefertes Essen nicht warmgehalten – sondern gekühlt angeliefert und kurz vor der Ausgabe heißgemacht wird. Dann riecht es auch nach Mittagessen, so ein Unternehmer, der seinen Betrieb auf Cook and Chill (Kochen und Kühlen) umgestellt hat und zahlreiche Seniorenheime in Süddeutschland beliefert. 1,5 Millionen Euro hat die Firma in Geschirr investiert, wie sie in Mailand berichtet. Das war aber schon vor über zehn Jahren. Und die Töpfe halten immer noch.

Verwendet hat die Großküche dafür Produkte der Firma Rieber (Reutlingen). Der Umsatz des Unternehmens, das zur Max- Maier-Gruppe gehört, beläuft sich auf rund 85 Millionen Euro. 50 Millionen davon werden mit Großküchen umgesetzt. Rieber beschäftigt heute 600 Mitarbeiter, so der Geschäftsführer Ulrich Fuchs. Pro Jahr verarbeitet das Werk in Reutlingen 4000 Tonnen Stahl für die Produktion der Behälter. Nach dem Konsolidierungsprozess der Vorjahre geht Fuchs nun von einem stetigen Wachstum aus. (hpj)