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Ein Knall und die Brücke wareinmal

Mit einer Sprengung des letzten Teils der aus dem Jahre 1954 stammenden Gumpenbachbrücke der Bundesstraße 27 bei Kornwestheim wurde am Samstag das 27 Millionen Euro teure Neubauprojekt entscheidend vorangebracht.

Sauber hingelegt: Die alte Gumpenbachbrücke wurde am Samstag fachgerecht gesprengt. Fotos: Alfred Drossel
Sauber hingelegt: Die alte Gumpenbachbrücke wurde am Samstag fachgerecht gesprengt. Foto: Alfred Drossel
Erleichterung bei den Zuschauern als am Ende alles gut ging. Danach wurde gleich weiter gearbeitet.
Erleichterung bei den Zuschauern als am Ende alles gut ging. Danach wurde gleich weiter gearbeitet.
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kornwestheim. Gegenüber der Sprengung des westlichen Brückenteils vor einem Jahr war die Aktion am Samstag eher unspektakulär. Sprengmeisterin Martina Stahn von dem Unternehmen Rapp in Vaihingen-Roßwag, die auch schon die Egelseebrücke bei Vaihingen „in die Luft gejagt“ hat, löste pünktlich um neun Uhr die Sprengung aus. Mit einem dumpfen Knall sackte die Fahrbahn zwischen den neuen Brückenteilen zu Boden. So als würden dem Bauwerk die Stelzen weggezogen. Links und rechts der Baustelle verbreitete sich eine dicke Staubwolke. Etwa 20 Meter der knapp hundert Meter langen Fahrbahn blieb beidseitig auf den Widerlagern schräg liegen; sie wurden nach der Sprengung mit schwerem Gerät abgebaut.

30 Kilogramm Sprengstoff

Der Sprengung waren achttägiges Vorarbeiten vorausgegangen. 50 Bohrlöcher haben die Vaihinger Experten in die Rundpfeiler und in die Bruchplatte getrieben und mit 30 Kilogramm Sprengstoff präpariert. Jens Rapp, der Geschäftsführer des Sprengstoffunternehmens weist auf die Problematik der Sprengung hin. Die beiden Neubauteile links und rechts des alten Teils durften keineswegs beschädigt werden. Außerdem war auf den von Rohren und Leitungen durchzogenen Unterbau zu achten. Zum Schutz wurden Aufschüttungen vorgenommen.

Das städtische Ordnungsamt hatte die Sprengung seit Tagen vorbereitet. 21 Personen in der unmittelbaren Nähe der Brücke mussten ihre Häuser verlassen. Unter ihnen war auch Eva Niess mit ihrer siebenköpfigen Familie. Sie nahm es auch beim zweiten Mal gelassen. „Das muss man auch mal mitmachen“, sagt sie und lacht. Die Feuerwehr hat nicht nur die Ordnungshüter bei den Absperrmaßnahmen unterstützt, sondern auch für die Verpflegung mit frischen Brezeln, heißen Würstchen und Kaffee gesorgt.

Rund 200 Meter um die Baustelle durfte sich niemand aufhalten. Die Sprengung wurde von mehreren Kameras, auch aus der Luft mit Drohnen gefilmt und auf Bildschirme für die Zuschauer übertragen und später ins Netz gestellt.

Sprengmeister Helmut Hörig gab das weit hörbare Warnsignal mit dem Presslufthorn. Erst als das Signal dreimal hintereinander ertönte, gab es Entwarnung. Spreng-Altmeister Lothar Rapp war der Erste, der das Ausmaß der Sprengung in Augenschein nahm. Rapp: „Wie gestreichelt, die Brücken haben koi Krätzerle“, sagt er. Als dann noch Mitarbeiter der Stadtwerke die Leitungen geprüft hatten, wurde die Baustelle für die „Katastrophentouristen“ zur Besichtigung freigegeben. Ohne Pause gingen die schweren Betonbrecher ans Werk und der kurz angehaltene Autoverkehr auf der östlichen Brücke konnte wieder rollen.

„Uns ist ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zum Neubau geglückt“, bilanzierte der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer in einer Mitteilung. In der vierten und letzten Bauphase wird das neue rund 4600 Tonnen schwere östliche Brückenbauwerk, einschließlich Mittelpfeiler und Fundamenten, in einem aufwendigen hydraulischen Verschiebenverfahren um rund zehn Meter in seine endgültige Lage quer verschoben. Dann liegen beide Brückenteile wieder wie bisher nebeneinander. Außerdem werden die Straßen- und Kanalbauarbeiten in Fahrtrichtung Ludwigsburg durchgeführt. Voraussichtlich können ab Mai 2022 alle Verkehrsbeeinträchtigungen auf der B 27 aufgehoben werden, betont Tim Weirich, Projektleiter des Regierungspräsidiums Stuttgart. Die gesamte Maßnahme – inklusive aller Restarbeiten außerhalb des Verkehrsraums – soll bis voraussichtlich Herbst 2022 abgeschlossen sein. Die Kosten, die der Bund als Baulastträger übernimmt, liegen bei rund 27 Millionen Euro.

Die Gumpenbachbrücke war im Jahr 1954 gebaut worden. Im Mai 2010 wurden bei einer Prüfung gravierende Mängel festgestellt. Der kleine Gumpenbach fließt von Kornwestheim nach Aldingen und mündet dort in den Neckar.

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