Logo

Ein würdevoller Abschied mit Musik

„Ich habe festgestellt, dass die musikalische Tradition des Beerdigungschors vielerorts bereits aufgegeben werden musste“, erzählt die 50-Jährige, die Beerdigungsmusik bereits auf der Schwäbischen Alb und in Überlingen angeboten hat. Nachdem sie vor zwei Jahren in ihren Heimatort Walheim zurückgekehrt ist, um sich um ihren Vater zu kümmern, möchte sie mit diesem Angebot auch hier Fuß fassen. Damit schließt sie an ihre ehrenamtliche Tätigkeit als Hospizbegleiterin an.

350_0900_16262_CONEKatrin_Graf.jpg
Setzt sich mit dem Thema Tod auseinander: Katrin Graf. Foto: Foto: Ramona Theiss
Ludwigsburg. „Viele Chöre sind überaltert, Jüngere haben keine Zeit mehr, tagsüber auf Beerdigungen zu singen.“ Diese Lücke möchte sie füllen und dabei anders als ein Chor mit oft festem Repertoire persönliche Liedwünsche aufgreifen, das Programm individuell auf den Verstorbenen abstimmen. Natürlich bietet sie Vorschläge von „Trägst du mich, Herr“ über „Ave Maria“ bis hin zu „My way“ an. Ein Abschiedslied vom Liedermacher Reinhard Mey singt sie ebenso wie Musicalsongs, zum Beispiel „Memory“ oder „Somewhere over the rainbow“. Katrin Graf erzählt, dass sie auch sehr gern alte Gesangbuchlieder aufgreift wie „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ oder „Ein Mond ist aufgegangen“.

Auch spanischsprachige Lieder hat sie dank ihres engen Bezugs zu Lateinamerika in ihrem Repertoire. Denn zwei Jahre lebte sie mit ihrer Familie in Chile, auch zu Mexiko hat sie verschiedene Verbindungen. Der mexikanische Totenkult inspirierte sie zu dem Namen für ihre Musik- und Seelenbegleitung: „musicatrina“. Es ist ein Zusammenschluss des englischen Wortes Music und des Namens der mexikanischen, weiblichen Totenfigur Catrina.

Ein schwerer persönlicher Schicksalsschlag veranlasste Katrin Graf zur Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und brachte sie auf die Idee, sich als Beerdigungsmusikerin selbstständig zu machen. Im Jahr 1997 starb ihr Mann bei einem Unfall in Chile, sie stand plötzlich allein mit vier Kindern zwischen einem und acht Jahren da. „Auch wurde ich selbst bei dem Unfall verletzt, so dass ich meinen Beruf als Ofenbauerin nicht mehr ausüben konnte“, erzählt Katrin Graf, die sich nicht unterkriegen ließ. Musik, die in ihrem Leben hobbymäßig schon immer wichtig gewesen war, sollte nun auch ihr Berufsleben bestimmen. Sie gab Musikunterricht und leitete verschiedene Kinder- und Erwachsenenchöre.

Katrin Graf bietet über die musikalische Umrahmung der Trauerfeier hinaus auf Wunsch Trauerbegleitung an. Bei der Beschäftigung mit diesem Thema ist sie auf das tibetische Totenbuch gestoßen. „Die Tibeter begleiten die Toten über 49 Tage ins Jenseits“, erzählt sie von der Tradition, die sie als sehr hilfreich und tröstlich empfindet. Sie betont, keinen Buddhismus praktizieren zu wollen, sondern tiefgläubige Christin zu sein. Doch die früher übliche Totenkultur sei hierzulande verloren gegangen. „Als mein Großvater starb, gab es auch hier noch die Totenwache, er war drei Tage lang Zuhause aufgebahrt und wurde dann zum Friedhof getragen“, hat sie die würdevolle Prozession noch gut in Erinnerung. Sie möchte die Menschen ermutigen, sich rechtzeitig mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen, statt es zu tabuisieren.

Von Juli an finden in Walheim Veranstaltungen zum Thema Tod statt. eine Voranmeldung ist erforderlich unter Telefon (0173) 6 98 73 80. Katrin Graf liest täglich außer sonntags aus dem tibetischen Totenbuch und bietet Vorträge und Gedankenaustausch zum Prozess des Sterbens oder zur Jenseitsvorstellung. Mehr im Internet unter www.musicatrina.de.