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Otto-Hahn-Gymnasium

Ein Zeichen gegen Rassismus

Mehr als 2500 Schulen in Deutschland gehören dem Netzwerk „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ an. Jetzt setzt auch das Ludwigsburger Otto-Hahn-Gymnasium Zeichen gegen Rassismus und Ausgrenzung.

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Das Courage-Team des OHG zeigt Flagge gegen rechten Populismus und Ausgrenzung.Foto: Ramona Theiss

Als Markus Schädle, Landeskoordinator des Netzwerks „Schule ohne Rassimus – Schule mit Courage“, am Freitagnachmittag bei einer Feierstunde in der Aula offiziell die Auszeichnung „Schule ohne Rassismus“ an das OHG verleiht, führen Schüler des Courage-Teams zunächst eine „Tütenmenschen-Perfomance“ auf.

Ein Dutzend Schüler stehen stumm in einer Reihe, über ihre Köpfe haben sie Papiertüten gezogen. „Schwarz“, „Moslem“, „Behindert“, „Asylant“ oder „Asiate“ ist darauf zu lesen. Zwei „biodeutsche“ Schüler laufen vorbei und beginnen, gegen Minderheiten zu hetzen. Dabei lassen sie kein Klischee über Muslime, Juden oder Flüchtlinge aus. Und der Nationalsozialismus war ohnehin nur ein „Vogelschiss der Geschichte“.

Das OHG will Zeichen gegen Rassismus, Ausgrenzung und Vorurteile setzen, deshalb hat sich das Gymnasium um die Aufnahme im „Schulen-ohne-Rassismus“-Netzwerk bemüht. Mindestens 70 Prozent der Schüler müssen dieses Vorhaben mit ihrer Unterschrift unterstützen. Ein erster Anlauf scheiterte, im zweiten Anlauf unterschrieben aber 76 Prozent aller Schüler. Damit war die Hürde von 70 Prozent genommen, eine Bewerbung konnte eingereicht werden.

Das „Schule-ohne-Rassismus“-Siegel wird aber nur verliehen, wenn sich die Schüler dauerhaft mit Aktionen und Projekten für ihre Sache einsetzen. Im vergangenen Schuljahr fand ein Projekt mit afrikanischen Künstlern statt, bei dem getanzt und Theater gespielt wurde. Auch im neuen Schuljahr will das Courage-Team wieder ein Projekt auf die Beine stellen.

Sie habe sich gleich von dem Thema angesprochen gefühlt und engagieren wollen, sagt eine Schülerin aus dem Courage-Team. Vor zehn Jahren flüchtete ihre eigene Familie aus der Türkei nach Deutschland. Ihr Vater habe sich als Anwalt für die Rechte von Kurden eingesetzt, deshalb Morddrohungen und ein Arbeitsverbot erhalten. Schließlich sei er zu einer einjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Ihre Mutter sei zudem Alevitin, diese religiöse Minderheit werde in der Türkei immer noch diskriminiert. Nach der Freilassung des Vaters habe die Familie keine andere Möglichkeit gesehen, als aus ihrer Heimat zu fliehen. Sie finde es traurig, dass sich Rassismus derzeit auch in Deutschland ausbreite, meint die Schülerin. Um gegenzusteuern, müssten sich möglichst viele Menschen engagieren.

Eine Schülerin mit vietnamesischen Wurzeln kann nicht nachvollziehen, dass überhaupt darüber dsikutiert wird, ob die europäischen Staaten Bootsflüchtlingen auf dem Mittelmeer helfen sollen – sie erzählt, dass ihr Vater einst selbst einer der vietnamesischen Boatpeople war.

Bei ihrem Einsatz gegen Rassismus und Ausgrenzung dürfen die Schüler nach Aussage von Rektor Matthias Hilbert auf die Unterstützung der Schulleitung zählen. „Ich will, dass meine Schule ein Ort ist, an dem sich jeder junge Mensch aufgehoben fühlt“, so Hilbert.