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Eine außergewöhnliche Freibadsaison

Während die Badeseen von Besuchern teilweise nur so überrannt werden, wirken die Freibäder teils wie verwaist. Die Abstands- und Hygienevorschriften sind streng. Das kommt bei einigen sehr gut an. Für andere sind die Vorgaben viel zu restriktiv.

Ungewöhnlicher Anblick an heißen Tagen: Während sich sonst im Schwimmerbecken viele Besucher tummeln, ist der Zugang in Zeiten der Coronakrise nur mit gebuchter Schwimmzeit möglich. Foto: Holm Wolschendorf
Ungewöhnlicher Anblick an heißen Tagen: Während sich sonst im Schwimmerbecken viele Besucher tummeln, ist der Zugang in Zeiten der Coronakrise nur mit gebuchter Schwimmzeit möglich. Foto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Die Sonne strahlt mit ihrer ganzen Kraft, kaum eine Wolke ist am Himmel zu sehen: Die Temperaturen schießen pünktlich zum Start der Sommerferien in die Höhe. Normalerweise strömen in diesen Tagen täglich bis zu 5000 Leute in das Freibad in Hoheneck. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Seit Mitte Juni ist das Freibad geöffnet. Verspätet, denn wegen Corona musste es zunächst geschlossen bleiben. Nur mit strengen Auflagen ist das Bad in diesem Jahr überhaupt in den Betrieb gegangen.

„Wir haben die Landesverordnung umgesetzt, alles läuft bisher sehr gut“, sagt Badleiterin Silvia Capalija. „Wir sind, gerade weil es nicht so überfüllt ist, sehr zufrieden.“ Maximal 800 Personen dürfen an einem Tag das Freibad der Stadtwerke Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB) besuchen. 400 Besucher im ersten Zeitfenster, 400 Besucher im zweiten Zeitfenster. Das erste Zeitfenster geht von 8 bis 13Uhr, das zweite von 15 bis 20 Uhr. Dazwischen wird das Bad gereinigt und ist für Besucher komplett geschlossen. Für das Schwimmerbecken bucht der Besucher vorab eine feste Schwimmzeit von einer Stunde.

Während die Besucherzahlen zu Beginn etwas zurückhaltend gewesen seien, ist das Freibad an warmen Tagen bisher fast immer ausgebucht. Das hat allerdings einen Nachteil: Die Vergabe der Tickets findet über ein Onlineportal statt. Häufig ist für einen spontanen Besuch keine Möglichkeit mehr gegeben, da alle Plätze bereits vergeben sind. Wer ein Sonnenbad buchen möchte, der kann das nämlich bereits drei Tage im Voraus tun. Das kommt natürlich bei den jüngeren Besuchern, die sonst in der Ferienzeit in Gruppen spontan in die Freibäder strömen, nicht gut an.

Auch dass die Tickets bei der Buchung online vorab bezahlt werden müssen, ist eine Hürde, die kritisiert wird. Gerade junge Leute seien da oft ausgegrenzt, heißt es. Die Stadtwerke argumentieren dagegen: „Eine Reservierungsmöglichkeit ohne Vorabzahlung würde zu vielen offenen Schwimmfenstern und damit zu nicht belegten Bahnen im Schwimmerbecken führen“, heißt es. Für die unter 18-Jährigen, die etwa über keine Kreditkarte verfügen, seien es größtenteils die Eltern, die die Buchung übernehmen.

Bisher habe man viele positive Rückmeldungen zum Buchungssystem erhalten. „Gerade, weil es schneller und einfacher ist“, so die SWLB. Auch für ältere Badegäste, die keinen Zugang zum Internet haben, biete man eine Alternative. In den beiden Kundencentern in Ludwigsburg und Kornwestheim ist das Kaufen von Tickets gegen Bargeld möglich. Das finden andere noch immer unbefriedigend. Sie halten das Anmeldesystem der Ticketbuchung zudem für umständlich. Ein Bezahlen direkt beim Freibad sei durchaus machbar, gibt es Stimmen. Zwar vermeide man jetzt mit dem reinen Vorverkauf mögliche Schlangen an der Kasse. Gleichzeitig sei jedoch im Inneren bei den Duschen das Angebot eingeschränkt, so dass die Badegäste jetzt dort warten müssten. Mehr Duschen zu öffnen, sei laut Landersvorgabe nicht möglich, sagen die Stadtwerke. Einige Besucher sagen, es werde unnötig strikt gehandelt. So dürfe man morgens ab 7.45 Uhr ins Bad, aber keine Minute vor 8 Uhr ins Wasser, obwohl nur wenig Leute da seien.

Stammkunden und Besucher, die Zutritt gefunden haben, wissen die neuen Bedingungen aber durchaus zu schätzen. Seit über 60 Jahren schwimmt Detlev Strebe aus Freiberg in Hoheneck. „Für uns Schwimmer sind die Bedingungen aktuell besser denn je“, sagt er. „Sonst ist im Schwimmerbecken viel mehr los, viele Leute sitzen an den Rändern und lassen die Füße im Wasser baumeln. Durch die Schwimmzeiten, die gebucht werden müssen, liegt der Schwerpunkt auf dem Schwimmen.“ Er empfindet das Besucherkontingent als gerechtfertigt, ist lieber mit weniger Besuchern im Freibad als dicht gedrängt an einem überfüllten Badesee. Auch Sandra Erhardt aus Ludwigsburg kommt in Coronazeiten gerne mit ihrer Familie in das Freibad. „Es hat durchaus Vorteile, dass es hier nicht mehr so überfüllt ist. Ich habe beispielsweise noch nie so einfach einen Parkplatz bekommen“, sagt sie. Daniela Winter aus Remseck findet die Bedingungen akzeptabel und das Personal hilfsbereit. Sie ist froh, dass sie überhaupt Schwimmen gehen kann. „Es ist viel angenehmer, man hat seine feste Schwimmzeit, es herrscht weniger Trubel, weniger Geschrei. Und wenn das Becken nach der gebuchten Schwimmzeit fast leer ist, kann man mit dem Personal reden und darf seine Schwimmzeit verlängern.“

Badegast Frank Boos aus Ludwigsburg genießt die Zeit im Freibad, auch wenn er die Zeitfenster nicht ganz optimal findet. „Es ist schade, dass man bereits um 13Uhr wieder gehen muss, wenn man vormittags eine Schwimmzeit gebucht hat“, sagt er. „Gerade am Wochenende hat man seine Zeit auch über die Mittagsstunden hinaus gern im Freibad verbracht.“ Doch er bemerkt auch einen positiven Nebeneffekt: „So viel wie in diesem Jahr bin ich wohl noch nie geschwommen.“

Es gibt aber auch Stimmen, die angesichts der teils kaum belegten Liegewiesen und der Ferienzeit darauf drängen, dass das Land wieder mehr Menschen in Freibädern zulässt.

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