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„Eine komplett coronafreie Zone“

Der preisgekrönte Musikkabarettist Sebastian Krämer kommt ins Glasperlenspiel

Sebastian Krämer. Foto: Christian Biadacz
Sebastian Krämer. Foto: Christian Biadacz

Asperg. Schlicht „Soloprogramm“ nennt sich das, was der Berliner Chansonnier Sebastian Krämer am Samstag um 20 Uhr und am Sonntag um 11 Uhr als Matinee im Glasperlenspiel präsentiert. Ein Gespräch über Zwangspausen, intime Formate und geliebte Tanten.

Herr Krämer, monatelang sind die Bühnen brachgelegen, nun regt sich wieder etwas. Wie sind Sie durch diese ungewöhnlich schwierige Zeit gekommen?

Sebastian Krämer: Tja, wenn sie denn mal vorbei wäre, könnte man sagen, wie man durchgekommen ist. Mein eigenes Theater in Berlin hat noch immer geschlossen, weil es zu klein ist, um dort die Abstandsregeln einzuhalten. Ich persönlich habe seit Januar an meiner neuen CD gewerkelt, und in einem Monat wird sie erscheinen.

Was bedeutet das wirtschaftlich für Sie? Haben Sie damit aus der Not eine Tugend gemacht?

Die CD war eh geplant und das Material dafür bereits geschrieben. Und was die Einkünfte angeht: Danke der Nachfrage, aber ich komme zurecht. Meine Frau verdient ganz gut.

Vielen Künstlern und Veranstaltern ging es weniger gut. Was denken Sie, wird die Coronakrise Schäden im Kulturbetrieb hinterlassen?

Überhaupt nicht abzusehen! Ich finde, neben der Gefahr für Existenzen von Personen und Institutionen gibt es eine noch tiefgreifendere: Die stillschweigende Einsicht, einer lebendigen Kultur des unmittelbaren Erlebens von Musik, Literatur, Entertainment, die auch im physischen Sinn auf Nähe baut, nicht mehr zu bedürfen, sich das einfach abzugewöhnen. Damit wird Kleinkunst ganz grundsätzlich, quasi von innen, abgeschafft.

Aber was kann man dagegen tun?

Ich kann nur mein Angebot aufrechterhalten. Und was die andern tun können? Also wenn sie’s denn können, zunächst mal die Angst voreinander abbauen. Wenn Sie das Bedürfnis verspüren, jemanden zu umarmen, dann machen Sie das! Sie zeigen ihm damit, dass Sie keine Angst vor ihm haben. Und siehe da, er hat auch keine vor Ihnen. Und gleich noch eine Überraschung obendrauf: Sie beide werden die gesundheitlichen Folgen dieser Entgleisung höchstwahrscheinlich überleben. Und wenn das geht, kann man auch wieder in Konzerte gehen.

Wie ist es für Sie, wegen der Abstandsregeln jetzt mitunter vor weniger als 50 Zuschauern aufzutreten? Ein Grund, melancholisch zu werden – oder eher Freude darüber, dass wieder etwas möglich ist und man seine Kunst auch mal im intimeren Rahmen ausprobieren kann?

Der Rahmen wäre dann intim, wenn wir eng beieinander sitzen dürften. Dann wäre es eigentlich wie immer, denn 50 Leute in Asperg – muss man auch erst mal haben.

Was haben Sie denn vor am Wochenende? Spielt Corona auch thematisch eine Rolle?

Zum Glück gar nicht! Eine komplett coronafreie Zone. Es gibt hauptsächlich Liebeslieder. „Liebeslieder an deine Tante“ heißt auch das Album. Neu wird sein, dass ich an wenigen Stellen auf Englisch singe: Texte, die ich lediglich vertont habe. Von wem die sind, wird noch nicht verraten.

Sie haben den Deutschen Kleinkunstpreis, den Deutschen Kabarettpreis und, jüngst, den Bayerischen Kabarettpreis gewonnen. Was kommt noch?

Nun ja, Preise, die man mir verleiht, gehören schon mal nicht zu dem, was ich plane. Das müssen die Komitees schon selber entscheiden. Ich schreibe einfach ein Lied nach dem anderen. Vielleicht zur Abwechslung auch mal für andere Interpreten.

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