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Eine Schnellstraße nur für Fahrradfahrer

Die Planungen für einen Radschnellweg zwischen Ludwigsburg und Waiblingen kommen voran. Die 14 Kilometer lange Turboverbindung wird mindestens 31 Millionen Euro kosten. Für Ludwigsburg birgt sie riesiges Potenzial: Denn auch die geplante Fahrradtrasse durch die Innenstadt könnte größtenteils mit den Mitteln von Bund und Land bezahlt werden.

Foto: Christoph Schmidt/dpa, Grafik: Landratsamt (p)
Foto: Christoph Schmidt/dpa, Grafik: Landratsamt (p)
Radfahrer fahren auf dem neuen Radschnellweg zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Radfahrer fahren auf dem neuen Radschnellweg zwischen Böblingen/Sindelfingen und Stuttgart. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Ludwigsburg. Seit der Coronakrise haben sich die öffentlichen Verkehrsmittel geleert. Keiner weiß, ob und wann wieder so viele Menschen wie vor der Pandemie Vertrauen in Bus und Bahn haben. Zwei Verkehrsmittel haben vom Virus dagegen profitiert: Autos und Fahrräder. Denn beide garantieren dem Nutzer, ohne Ansteckungsgefahr von A nach B zu kommen.

An zusätzlich mehr Autoverkehr hat in Ludwigsburg natürlich niemand ein ernsthaftes Interesse. Da trifft es sich gut, dass in der Region seit einigen Jahren über Radschnellwege nachgedacht wird. Einer, dessen Pläne nun immer konkreter werden, ist eine 14 Kilometer lange Verbindung zwischen dem Ludwigsburger Bahnhof und Waiblingen.

Für derlei Wege gelten strenge bauliche Kriterien: Sie müssen mindestens fünf Kilometer lang sein, die Breite beträgt je nachdem, ob sie eine oder zwei Spuren haben, drei beziehungsweise vier Meter. Außerdem müssen die Verbindungen außerorts an Werktagen von mindestens 2000 Radfahrern genutzt werden.

Stadt bevorzugt Trasse durchs Zentrum

Preiswert sind die Bauwerke, die vor allem für Radpendler gedacht sind, auch nicht gerade. Ein Kilometer kostet je nach Topographie und Untergrund zwischen 700000 und zwei Millionen Euro. Bund und Land übernehmen allerdings 87,5 Prozent der Kosten. Derzeit sind die beteiligten Kommunen Ludwigsburg, Remseck und Waiblingen dabei, die genaue Trasse zu planen. Der aktuelle Stand aus Ludwigsburger Perspektive wurde den Stadträten im Mobilitätssausschuss kurz vor der Sommerpause präsentiert.

Der städtische Verkehrsplaner Sascha Behnsen sprach dabei von einer Zeitenwende für den Verkehr in Ludwigsburg. Besonders große Hoffnungen macht sich die Stadt für die zentrale Radachse durch die Innenstadt. Die Trasse über die Alleen- und die Friedrich-Ebert-Straße ist Ludwigsburgs wichtigster Fahrradweg und soll ein Teil des Radschnellwegs werden. Der Umbau dieser West-Ost-Achse, die in Teilen eine Fahrradstraße ist, war zuletzt wegen Geldmangels und dann wegen der Coronakrise immer weiter verkleinert und nach hinten verschoben worden. Nun, im Zuge der Schnellwegplanung, könnte wieder mehr Zug hinter den Umbau dieser wichtigen Radwegeachse kommen. Denn das Geld dafür käme ja größtenteils von Bund und Land.

Die Stadt Ludwigsburg bevorzugt eine Linienführung durch die Innenstadt und dann weiter über die Fuchshofstraße und die Friedrichstraße in Richtung Remseck-Neckargröningen. Im Detail festgelegt sind die Routen aber noch nicht. Es gäbe auch die Möglichkeit, den Radschnellweg in der Südstadt, über die Robert-Franck-Allee und Grünbühl, Richtung Remseck-Aldingen zu führen.

Von den Fraktionen gibt es viel Lob für die Radschnellwegpläne. Da für die Route durch die Innenstadt am Stadtausgang die Friedrichstraße über- oder unterquert werden muss, sprach sich Frank Handel von den Grünen für eine Unterführung aus. Für eine oberirdische Überquerung müsste nämlich eine ziemlich große Rampe gebaut werden, damit die Radfahrer auch zügig rüberkommen. Handel schlug außerdem vor, zu überprüfen, ob der Radschnellweg durch Oßweil geführt werden kann.

Gabriele Seyfang (CDU) findet es wichtig, dass die Trasse komplett von den Fußwegen getrennt wird. Sonst sieht sie die Fußgänger in Gefahr. Andreas Rothacker von den Freien Wählern fragt sich, wie der Verkehr in der Friedrich-Ebert-Straße geregelt werden soll, wenn der Schnellweg dort hindurchführt. „Soll die Straße autofrei werden?“ Auch die von Frank Handel geforderte Unterführung an der Friedrichstraße sieht er skeptisch: „Das wird viel zu teuer.“ Rothacker stellte sich hinter die von der Stadt favorisierte Trasse durch die Innenstadt.

Nichts für Freizeitradler

Daniel O‘Sullivan (SPD) stellte klar, dass sich der Radschnellweg an Berufspendler richten sollte, die schnell vorankommen wollen. „Freizeitfahrer brauchen andere Wege.“ Es sei daher wichtig, die Trasse möglichst geradlinig und kurz zu halten. Wie die Verwaltung, so sieht auch der SPD-Stadtrat riesige Chancen, im Zuge der Routenplanung auch den Weg durch die Innenstadt umzubauen. „Wir haben die Gelegenheit für einen ganz großen Wurf.“

FDP-Stadträtin Stefanie Knecht könnte sich auch eine Trasse im Süden der Stadt über Grünbühl vorstellen. „Das sollten wir uns genauer anschauen.“ Knecht findet es außerdem wichtig, mit den Anliegern der künftigen Schnelltrasse zu sprechen – zum Beispiel mit den Vereinen im Sportzentrum Ost –, um sie darauf vorzubereiten, künftig schnell fahrenden Radlern zu begegnen.

Wann genau über den Radschnellweg entschieden wird und detaillierte Pläne vorliegen, ist noch nicht klar. Der Baubeginn soll zwischen 2022 und 2024 liegen.

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