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Eine ziemlich stark belastete Seitenstraße

Geht es um die Erlachhofstraße und das Klinikum, sind die Anwohner wenig begeistert von der aktuellen Situation. Abgesehen von den Rettungsfahrzeugen und Privatwagen, die zur Notaufnahme fahren – da müssen Lastwagen anliefern, Taxis und Krankenwagen fahren zur Dialyse.

Kein Parkplatz mehr frei: Krankenwagen müssen Patienten vor der Dialyse auf der Straße ausladen. Foto: privat
Kein Parkplatz mehr frei: Krankenwagen müssen Patienten vor der Dialyse auf der Straße ausladen. Foto: privat

Ludwigsburg. An manchen Tagen macht die Erlachhofstraße den Eindruck eines stillen, wenig befahrenen Seitensträßchens. Doch dieser Eindruck trügt: Wer öfter dort vorbeikommt, stellt auch das fest, was die Anwohner zunehmend stört. Die Straße ist immer wieder vom Verkehr stark belastet, es werden Einfahrten zugeparkt, manchmal stehen Taxis und Krankenwagen in der Reihe und liefern stoßweise Patienten an. Eine Leserin kritisiert, dass das Klinikum seine „Patientenannahme schon auf der Straße abwickelt“.

Schwesternwohnheim, Dialyse, Warenanlieferung, Notfallaufnahme – all das muss die Erlachhofstraße verkraften. Dazu noch Besucher des Blühenden Barocks, die in den Wohnstraßen parken, durch die Schließung zurzeit aber nicht zu Buche schlagen. Im Klinikum sind die Engpässe bekannt. Da fahren Privatwagen vor, die zur Notfallaufnahme wollen, und stellen ihr Fahrzeug genau dort ab, wo noch in frischer weißer Farbe die Abmarkierungen deutlich machen, dass man hier nicht halten darf. Die Kofferraumklappe wird geöffnet, um zu zeigen, dass man nur kurz im Halteverbot steht.

Engpässe gibt es auch vor der Dialyse, wo schon ein Stau entsteht, wenn ein paar Taxis und Krankenwagen Patienten bringen. Sie halten nicht selten auf der Straße. Ein paar Schritte weiter ist die Kita, die ebenfalls Verkehr anzieht, wenn Eltern ihre Kinder bringen oder abholen. Dass die Straße derart belastet ist, „kommt schon öfter vor“, räumt der Sprecher des Klinikums ein. „Wenn zehn Patienten auf einen Schlag kommen, ist die Straße überlastet“, stellt auch Direktor Axel Hechenberger von der Kliniken-Geschäftsleitung fest.

Dass der Bring- und Holservice ein Problem darstellt, das nahmen die Vertreter des Klinikums und die Stadt jüngst auch bei einem Bürgergespräch mit, bei dem die Weiterentwicklung des Klinikstandorts diskutiert wurde. Das Klinikum möchte sich mittel- und langfristig neu strukturieren, verschiedene Geschäftsbereiche anders auf dem Areal verteilen. Laut Regionaldirektorin Anne Matros gehe es trotz Bauplänen um diese Neuordnung, nicht um eine Verdoppelung der Bettenzahl (wir berichteten).

In diesem Zug soll die Straße entlastet werden, etwa durch die Verlagerung der Wäscherei und der Küche des Klinikums. „Der Lieferverkehr soll aus der Straße heraus, wir sind auf der Suche nach einer passenden Gewerbefläche“, so Direktor Axel Hechenberger, der für das Ressort Finanzen und Controlling zuständig ist und die künftigen Planungen mitentscheidet. Doch diese Verlagerung wird sich noch Jahre hinziehen.

Kurzfristig könnten Parkplätze anders zugeordnet werden, so eine Überlegung von Hechenberger. Etwa zehn bis zwölf Plätze sind an Bewohner des Wohnheims vermietet, die auf die Tiefgarage verwiesen werden könnten. Die Plätze könnten dann der Dialyse, vor der es oft zu Verkehrsproblemen kommt, und der Kita zur Verfügung gestellt werden. Wann es so weit kommt, ist unklar. „Da läuft die Planung“, so Hechenberger.

Ansonsten appelliert er, dass vor allem Besucher, die Patienten bringen, ihr Fahrzeug im Parkhaus abstellen. Dieses soll auch zeitnah um 400 Plätze erweitert werden. 2021 sollen dafür die Planungen anlaufen. Das Parkhaus kann sowohl von Besuchern als auch Mitarbeitern genutzt werden. Hechenberger betont, dass das Klinikum ein Mobilitätsmanagement vorantreibt, bei dem auf Nahverkehr und das Jobrad-Angebot gesetzt wird. „Da wollen wir verstärkt einsteigen“, sagte er.

Kritisch kommentiert wird von einer Leserin die Strategie des Klinikums, verstärkt auf ambulante Behandlungen zu setzen, gleichzeitig aber Freiflächen bebauen zu wollen, die als Parkplätze genutzt werden könnten. Das ziehe weiter Verkehr an. „Ambulantes Operieren bedeutet die Verlagerung der Pflege auf die Straße und in die Familien“, schreibt sie. Jede Operation bedeute vier Fahrten, jede Kontrolle nochmals vier Fahrten.

Die Stadt ist mit dem Klinikum im Gespräch, zumal ein Rahmenplan aufgestellt werden muss, der das Klinikareal und die weitere Entwicklung absichert. Auf Nachfrage teilen Andreas Christ und Mathias Knobloch vom Fachbereich Mobilität mit, dass sie an dem Thema Erlachhofstraße dran sind, das Problem sei bekannt. Nach den Hinweisen bei dem Bürgergespräch habe die Stadt im Bereich vor der Dialyse und Kita für ein paar Tage eine Kamera aufgestellt, um den Verkehr an dieser Stelle besser einschätzen zu können.

Diese Aufnahmen stehen jetzt zur Auswertung an. Auch will der Fachbereich auf die Kita zugehen und deren Erfahrungen einbeziehen. „Wir werden uns das alles anschauen“, heißt es. Zu überlegen sei, ob ein Eltern-Halt denkbar ist und was der Straßenraum noch an Flächen hergibt. Andererseits werde auch das Ordnungsamt einbezogen, das für die Kontrollen zuständig ist.

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