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Eiszeit und eine Variante

Der geplante Neubau des Feuerwehrhauses auf den wertvollen Böden des Langen Feldes spaltet Möglingen. Jetzt bringt eine Bürgerinitiative, die bereits einen Bürgerentscheid erwirkt hat, eine Alternative ins Gespräch. Doch das Rathaus hat keinen Redebedarf.

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Möglingen. Ein Acker in Möglingen an der Umgehungsstraße nach Schwieberdingen. Der Wind pfeift, Schneeflocken tanzen in der Luft. Für vier Männer hat diese Fläche das Zeug, einen Streit zu beenden, der seit dem Frühling in Möglingen tobt. Es geht um die Frage, wo die Feuerwehr ein neues Domizil bekommen soll – auf der anderen Seite der Umgehungsstraße, auf den fruchtbaren Böden des Langen Feldes Richtung Stammheim, wie es die Kommunalpolitik zum Ärger zahlreicher Landwirte plant, oder doch woanders, zum Beispiel hier an der Schwieberdinger Straße.

Der knapp 70 Ar große Acker ist derzeit auf dem Markt. Das haben die ehemaligen Ratsherren Edgar Blank und Gerhard Kienzle, der Feuerwehrmann Manuel Moz und Andreas Müller vom Obst- und Gartenbauverein in Erfahrung gebracht. Eigentümer ist ein Geschäftsmann aus Tamm, der aus Möglingen stammt und offenbar bereit ist, die Fläche an die Kommune zu verkaufen. „Er will der Gemeinde helfen und zum Frieden in Möglingen beitragen“, sagt Kienzle. Der große Vorteil: Das Grundstück liegt auf der richtigen Seite der Umgehungsstraße. „Es wird von den Landwirten akzeptiert“, sagt Blank. Schließlich gibt es in Möglingen ein ungeschriebenes, seit Jahrzehnten gültiges Gesetz: Bauprojekte (und sei es auch ein neues Feuerwehrhaus) sind auf dem Langen Feld tabu.

Vor gut einer Woche haben sich die Männer um ein Gespräch bei der Bürgermeisterin Rebecca Schwaderer im Rathaus bemüht, um ihren Vorschlag vorzutragen. Als Antwort kam eine Mail, in der die Rathauschefin höflich, aber bestimmt wie folgt absagt: „Es gibt zum derzeitigen Zeitpunkt von Seiten der Gemeinde keine Veranlassung und auch keine Legitimation durch den Gemeinderat, sich mit Alternativgrundstücken zu befassen.“

Kienzle, der für die SPD jahrzehntelang Kommunalpolitik in Möglingen mitgestaltet hat und seit einigen Monaten Teil einer Bürgerinitiative ist, nennt die Absage „schade“. Seine Bürgerinitiative hat zuletzt viel erreicht: Mehr als 850 Unterschriften gegen den Sündenfall im Langen Feld gesammelt und so zum ersten Mal in der Geschichte einen Bürgerentscheid erwirkt, der am 12. Dezember über die Bühne gehen wird. „Wir tun das nicht für uns, sondern für die Bürger“, sagt Manuel Moz. Er befürchtet, dass die Gemeinde an der Stammheimer Straße eine Investitionsruine hinstellt – siebenmal größer als ihr jetziges Domizil, die Kosten von mehr als sieben Millionen Euro verschlingt und weit weg vom Schuss ist. Der Kommunalpolitiker a. D. Kienzle sagt: „Wir wollen und brauchen nicht das größte Feuerwehrareal im Landkreis Ludwigsburg.“ Sein Mitstreiter Blank favorisiert ein mehrstöckiges, flächensparendes Gebäude an der Schwieberdinger Straße. „Der Verkäufer will auch weniger Geld und verlangt keinen Ausgleich an Ackerfläche.“

Anfang November hat die Bürgerinitiative nach eigenen Angaben Plakate in der Gemeinde aufgehängt, um ihren Standpunkt zu verdeutlichen – schon nach der ersten Nacht hätten Unbekannte sie geklaut. Auch sonst scheint die Stimmung unter den Kontrahenten eisig zu sein. Der Feuerwehrmann Moz, der stets einen Ticker bei sich trägt und zu den ersten gehört, der bei Alarm ausrückt, gilt bei den eigenen Leuten als Nestbeschmutzer, weil er sich für einen anderen Standort einsetzt. Der Obst- und Gartenbauexperte Müller kritisiert, dass die Bürgermeisterin und die Politik nicht an einem ernsthaften Dialog interessiert seien. „Wir sind einmal ins Rathaus einbestellt worden, aber zu einer echten Diskussion ist es nie gekommen“, sagt er. „Alles, was wir vorgetragen haben, ist abgeschmettert worden.“ Die eine Seite wirft der anderen Falschinformation vor – und umgekehrt.

Die Bürgerinitiative will nun im Gemeindeblatt, auf den Wochenmärkten im Quartier Löscher und im alten Ort für sich werben – so wie es das Rathaus und die Fraktionen seit Wochen tun. „Es herrscht keine Waffengleichheit“, sagt Blank, der Jäger und Ex-Fraktionschef der Freien Wähler. Trotzdem hat er die Hoffnung, dass die Möglinger Bürger am 12. Dezember eine „offensichtliche Fehlentscheidung“ korrigieren. Und wenn nicht? „Dann werde ich das Vorhaben weiter kritisch begleiten“, sagt Blank.

Internet: www.bürgerentscheidmöglingen2021.de.

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