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Eltern kritisieren den Unterrichtsausfall

Gesamtelternbeirat befürchtet Nachteile für Schüler – Schulen sind laut Schulleiter für den Fernunterricht gerüstet – Konzepte für den 11. Januar gefordert

Am Laptop sitzen derzeit nur die älteren Schüler. Foto: dpa
Am Laptop sitzen derzeit nur die älteren Schüler. Foto: dpa

Ludwigsburg. Bund und Land haben entschieden, vor Ort sind Schulen und Eltern enttäuscht. Die Schulen wären für den Fernlernunterricht gerüstet, so dass Schule –abgesehen von den Abschlussklassen – nicht weitgehend ausfallen müsste. Das Ziel, die Coronapandemie einzudämmen, wäre damit nicht außen vor gewesen. Auch der Gesamtelternbeirat Ludwigsburg hat sich, wie auch die anderen Elternbeiräte im Land, in einem Schreiben an den Ministerpräsidenten und die Kultusministerin beschwert. „Unsere Kinder haben in diesem und letzten Schuljahr bereits sehr viel verpasst, weshalb wir einen Fernlernunterricht für alle Klassenstufen erwartet hätten“, so die Vorsitzende Erika Macan.

Bekanntlich fällt für die unteren Klassen der Unterricht aus. Die eine Woche bis zum eigentlichen Ferienbeginn wird vom Kultusministerium formal als „Aussetzen der Präsenzpflicht“ an der Schule bezeichnet, bedeutet aber für die Mehrheit der Schüler schulfrei.

Macan fragt sich, wie der Unterrichtsstoff, der jetzt verpasst wird, überhaupt nachgeholt werden kann oder ob entsprechend der Bildungsplan verändert wird. „Die Verunsicherung und die Angst der Eltern sind sehr groß“, stellt sie fest. Schon bei der ersten Befragung der Eltern, ob die Weihnachtsferien verlängert werden sollen, habe sich klar herausgestellt, dass dies nicht gewünscht war. Eltern und Schulen hätten sich jedoch auf einen möglichen Lockdown mit Homeschooling eingestellt, doch alle Vorbereitungen dazu erscheinen den Elternbeiräten jetzt nutzlos zu sein.

Die Elternbeiräte erwarten, dass wenigstens jetzt Perspektiven entwickelt werden, wie es ab dem 11. Januar an den Schulen weitergehen soll. Konkrete Vorgaben gibt es bislang nicht. „Wird der Lockdown verlängert, kommt der Präsenzunterricht?“, so Macan, die betont, dass die Eltern wissen müssen, wo es langgeht. Ihr Hauptanliegen: „Wir Eltern erwarten keine Antwort, wir erwarten Taten“, sagt sie zu ihrem Schreiben an Ministerpräsident Kretschmann und Kultusministerin Eisenmann.

Dass der Fernlernunterricht nicht ausgeweitet wurde, begründet die Sprecherin des Kultusministeriums mit einer einheitlichen und für alle eindeutigen Regelung. Manche Eltern haben sich auch gewünscht, dass an Gymnasien auch die Klassen 8 bis 10 hätten unterrichtet werden können. Die Landesregierung habe sich jedoch entschieden, Prioritäten zu setzen. Im Blickpunkt dabei seien die Abschlussklassen gewesen, die auf den Unterricht besonders angewiesen seien.

Fernlernunterricht ist freilich kein Bildungsknaller – aber es ist wenigstens etwas. Die Schüler der Abschlussklassen erhalten seit Mittwoch online Aufgaben zugestellt, die sie zu Hause bearbeiten und wieder zurückschicken. In der Hoffnung, dass der Lehrer es liest und sich zurückmeldet. Auch werden in einzelnen Fächern Videokonferenzen angeboten. Klassenarbeiten, die vor Weihnachten en masse anstehen, wurden teils vorgezogen oder verschoben.

Doch so nüchtern das klingt, die Schulen wären für den Fernlernunterricht gerüstet gewesen und hätten dies, anstatt den Unterricht ausfallen zu lassen, bevorzugt. In Ludwigsburg wurden bereits die Laptops und Tablets verteilt, die einzelnen Kollegien haben Konzepte vorbereitet, sollte der Lockdown kommen. „Wir haben die Schüler mit Geräten ausgestattet, ein Fernlernen wäre möglich gewesen“, betont der geschäftsführende Schulleiter der Gymnasien, Matthias Hilbert. „Das ist ja nichts Neues für uns.“

Die Entscheidung von Bund und Land sei mit Blick auf die Kontaktbeschränkungen gefällt worden, allerdings nicht mit Blick darauf, was die Schulen anbieten können. Den Schulleiter und die Schulen beschäftigt insbesondere, wie es nach den Ferien weitergehen soll. „Das muss man jetzt entscheiden“, so seine Meinung. „Wir brauchen mehr Weitsicht und weniger Hauruckverfahren.“ Auch wenn Kultusministerin Eisenmann den Präsenzunterricht bevorzugt und sich dafür aussprach, Schulen und Kitas baldmöglichst wieder zu öffnen, fehlen konkrete Perspektiven.

Dem Ministerium ist bewusst, dass „Schulschließungen mit zahlreichen negativen Folgen für die Gesellschaft, insbesondere für die Kinder und Jugendlichen, verbunden sind“.

So unklar die Situation ist, umso mehr bedauert Schulleiter Hilbert, dass der Austausch „nach unten“ fehle. „Die Praktiker müssten mehr gehört werden“, verlangt er in Richtung Landesregierung. Auch müsse dringend geklärt werden, welche Bildungsstandards man künftig einfordere oder wie zusätzliche Nachhilfe für Schüler, etwa in den Hauptfächern, möglich sein kann. „Die Unzufriedenheit an den Schulen ist spürbar, es muss ein gemeinsamer Weg aus dieser Situation heraus gefunden werden“, sagte er.

Eine andere Sorge treibt die Eltern um. Während die einen darauf pochen, dass die jetzt ausfallenden Tage nachgeholt werden, befürchten andere, dass das Land dafür Ferientage im nächsten Jahr streicht. Auf Nachfrage heißt es aus dem Kultusministerium, dass an ein Gegenrechnen nicht gedacht sei. Die Ferientage 2021 würden unangetastet bleiben.

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