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Erinnerung an erfolgreichen Tüftler

Der Erfinder des weltbekannten Leitzordners verbrachte seine Kindheit in Großingersheim

Bringt seit über 100 Jahren Ordnung ins Büroleben: Der Leitz-Ordner. Seinem Erfinder ist nun eine Ausstellung in Ingersheim gewidmet. Fotos: Andreas Becker
Bringt seit über 100 Jahren Ordnung ins Büroleben: Der Leitz-Ordner. Seinem Erfinder ist nun eine Ausstellung in Ingersheim gewidmet. Foto: Andreas Becker
Frühe Exemplare der Hebelmechanik sind auch zu sehen.
Frühe Exemplare der Hebelmechanik sind auch zu sehen.

INGERSHEIM. Ingersheim hat einen großen Sohn, dem jetzt eine Ausstellung im Rathaus gewidmet ist: Louis Leitz, der Erfinder des weltberühmten Aktenordners und Wegbereiter der modernen Büroorganisation, verbrachte seine ersten 14. Lebensjahre als Johann Ludwig Leitz in Großingersheim. In diesem Jahr ist sein 175. Geburtstag und das 150-jährige Firmenjubiläum. Auf Text-Bild-Tafeln stellt Gemeindearchivarin Brigitte Popper als Kuratorin der Ausstellung das Leben und Werk von Louis Leitz vor. In den Vitrinen sind seine Aktenordner mit Hebelmechanik aus verschiedenen Jahren ebenso zu sehen wie deren Vorgänger, ein Biblorhapt zum Aufspießen von Schriftstücken, oder mehrere Locher.

Bei der sehr gut besuchten Eröffnung der Ausstellung, die vom Trompetenensemble der Musikschule Bietigheim-Bissingen musikalisch umrahmt wurde, erklärte Bürgermeisterin Simone Lehnert: „Er war einer von uns.“ Auch wenn Ingersheim im Gegensatz zur Schillerstadt Marbach nicht Leitzgemeinde genannt werde, lade der berühmte Sohn die Bürgerschaft dazu ein, sich mit ihm zu identifizieren. Mutig habe er seine eigenen Ideen verfolgt und Maßstäbe gesetzt.

So rannten auch die als Ehrengäste anwesenden Ururenkel Catherina Allen und Dr. Christian Klaiber bei Lehnert offene Türen ein, als sie 2020 Kontakt aufnahmen, um mehr über den Geburtsort des Ahnen zu erfahren. „Die Familie hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Erinnerung an Louis Leitz aufrecht zu erhalten. Dieses Interesse geht über das Materielle hinaus“, freute sich Lehnert. So habe die Familie eine im Mai enthüllte Erinnerungstele gestiftet, außerdem 10000 Euro für einen Sozialfond für die Schillerschule.

„Der Sozialfond ist eine Art Dankeschön an Großingersheim“, nannten Dr. Christian Klaiber und Catherina Allen ihre Motivation. Obwohl mit 14 Jahren Vollwaise, habe der junge Leitz dank eines ansehnlichen Erbes eine gute Ausbildung genießen können – Grundstein für seinen späteren, beruflichen Erfolg. Und eine gute Ausbildung solle heute jedem Ingersheimer Kind ermöglicht werden, wünschen sich Leitz‘ Nachkommen. An ihrem Ururgroßvater bewundern Klaiber und Allen den unglaublichen Ehrgeiz und seine Schaffenskraft, er habe sich in dem damals ungeheuren Wettbewerb immer durch hohe Qualität abgegrenzt.

Brigitte Popper zeigte in ihrer Rede den Weg des Unternehmers der Gründerzeit auf. In der zweiten Phase der Industrialisierung habe Leitz mit Fleiß und Beharrlichkeit ein Weltunternehmen in Stuttgart-Feuerbach aufgebaut. So wie Tempo oder Maggi sei auch der Name Leitz zu einem Gattungsnamen geworden.

Im Gegensatz zur bekannten Firmengeschichte wusste die Familie bislang wenig über Louis Leitz‘ Geburtsort und Herkunftsfamilie. Da konnte die Archivarin, die sich schon seit längerem mit dessen Person beschäftigt, Abhilfe schaffen. Sie nannte als wertvolle Quellen des Gemeindearchivs die Inventuren, Teilungen und Pflegschaftsakten. Sie geben nicht nur Auskunft über die Familie, die in guten Verhältnissen lebte, sondern auch über Louis Leitz‘ Ausbildung als Dreher. „Entscheidend war die letzte Station in der Nähmaschinenfabrik Rauh, die Biblorhapte hergestellt hat“, nannte Popper den Spießordner als Anstoß für Leitz Ehrgeiz, die Abläufe in der Bürowelt zu vereinfachen. 1871 gründete er seine Firma, war aber längst nicht der einzige Unternehmer auf dem wachsenden Feld der Büroartikel. 25 Jahre nach Firmengründung kam der Ordner mit Hebelmechanik auf den Markt, 1911 wurde das Eingriffsloch am Ordnerrücken eingeführt. Mit diesem Produkt schrieb Leitz Wirtschaftsgeschichte.

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