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„Es liegt ein Segen über diesem Bau“

Erneut profitiert die Katharinenkirche in Eglosheim vom Denkmalförderprogramm des Landes. Wenn keine bösen Überraschungen mehr kommen, erstrahlt das spätgotische Gotteshaus im Herbst 2021 in neuem Lichte.

Die Katharinenkirche im Zentrum des alten Eglosheim gilt als eine der schönsten Dorfkirchen Süddeutschlands. Foto: Ramona Theiss
Die Katharinenkirche im Zentrum des alten Eglosheim gilt als eine der schönsten Dorfkirchen Süddeutschlands. Foto: Ramona Theiss

Ludwigsburg. „Das ist ganz fantastisch, was hier passiert.“ Pfarrerin Susanne Matthies ist die Begeisterung anzuhören, als sie über die Sanierung „ihrer“ Katharinenkirche spricht. Die Architektin Anja Pobitschka von Strebewerk leiste hervorragende Arbeit, die dem spätgotischen Schmuckstück gerecht wird, „und die Handwerker kommen immer alle“, es geht richtig voran.

Insgesamt über 200000 Euro aus dem Denkmalschutz

Und jetzt gibt es noch einmal Geld vom Land: Zehn Millionen Euro nimmt das Land im Rahmen des Denkmalförderprogramms in der zweiten Tranche dieses Jahr in die Hand, gefördert wird Erhaltung, Sanierung und Nutzung von 131 Kulturdenkmalen im Land – 51 private, 53 kirchliche und 27 kommunale.

In der Charge mit dabei sind auch Großsachsenheim (Kirche) und Bönnigheim (Stadtmauer, Turm, Köllesturm) sowie Oberstenfeld (Gartenpavillon bei der Burg Lichtenberg), Höpfigheim (Wengertschützenunterstand, Natursteinmauer) sowie Hirschlanden (Oswaldkirche). Nach Eglosheim gehen dieses Mal genau 117370 Euro: für Fassadensanierung, Putz- und Natursteinarbeiten, die Sanierung des Fachwerkaufsatzes sowie die Sanierung von Turmhelm und Dach.

Bereits 2019 hatte das Land die Außensanierung der Katharinenkirche mit 90170 Euro unterstützt, damit sind es insgesamt 200000 Euro, die das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg bisher zur Verfügung stellte. Die Mittel stammen überwiegend aus den Erlösen der Staatlichen Toto-Lotto GmbH.

Etwas preiswerter, sagt Matthies, war die Möglichkeit, nach der Sanierung des Kirchenschiffs die Instandsetzung von Chor und Turm in einen Bauabschnitt zusammenzufassen. Andererseits seien immer wieder Schäden entdeckt worden, die vorher nicht ersichtlich waren. Der Glockenstuhl hatte Wasserschäden, neue Schallläden wurden eingebaut. Auch an die Fenster müssen die Handwerker noch ran. Wie berichtet, war während der Sanierung entdeckt worden, dass Holzpilz das Gebälk befallen hatte. Die Ziffernblätter müssen ebenso erneuert werden wie der Steinmetz noch viel Arbeit vor sich hat. „Ich bin sehr vorsichtig, was Prognosen angeht.“

Da ist jeder Cent wichtig: Von der Evangelischen Landeskirche kamen knapp 250000 Euro, der Kirchenbezirk Ludwigsburg gab knapp über 70000 Euro. Je 50000 Euro kamen von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und der Wüstenrot Stiftung. Je 25000 Euro spendeten die Bürgerstiftung der Stadt sowie die Ruprecht Stiftung, die Firma Lotter mit Ernst gab weitere 20000 Euro. 2500 Euro kamen von der Herzogin-Diane-Stiftung, jeweils 2000 Euro von der Kreissparkasse Ludwigsburg und der VR-Bank Neckar-Enz sowie 1000 Euro von der Berthold-Leibinger-Stiftung. Insgesamt wird mit Baukosten von 1,5 Millionen Euro gerechnet, der Eglosheimer Eigenanteil beträgt etwa 640 000 Euro.

„In der heutigen Zeit sind wir sehr dankbar, dass die Unterstützung so groß ist“, sagt Pfarrerin Matthies mit Blick auf Corona und Finanzkrise. Die Eglosheimer unterstützten das Projekt und ihre Kirche mit Leidenschaft, das große Engagement der Stadtteilbewohner liegt ihr besonders am Herzen. „Die Eglosheimer sind sehr sensibilisiert, was ihre Kirche angeht.“ Mit großen und kleinen Benefizaktionen, privaten Spenden und anderen Gaben hätten viele Menschen sich engagiert. „Das haben wir so nicht erwartet.“ Unerwartet auch die Erfolge der internen Gruppe: „Wir haben ein tolles Fundraising-Team.“ Rund 25 Organisatoren sind dort versammelt, im Kern die Kirchengemeinderäte Waltraud Binder (Vorsitzende), Jürgen Enders, der Kirchenpfleger und Grünen-Stadtrat Ulrich Bauer sowie Roland Kromer und Ulrich Stahlknecht. Waltraud Binder erzählt, was es für ein „erhebendes Gefühl“ gewesen sei, neulich erstmals auf dem Turm gestanden zu haben. „Ein umwerfendes Erlebnis.“

Den Alt-CDU-Stadtrat Roland „Sunny“ Kromer und den ehemaligen Arzt Ulrich Stahlknecht hebt Susanne Matthies besonders hervor. Die von ihnen akquirierten Großspenden tragen einen guten Teil der Sanierung, was sie begeistert: „Sie sind durch Stadt und Land gezogen und haben sich unglaublich reingehängt.“

Spätgotisches Kleinod mit Steinmetzzeichen und Netzrippen

Die im 15. Jahrhundert erbaute Katharinenkirche hatte als Wallfahrtskirche eine große Bedeutung, im 17. Jahrhundert wurde der Chorseitenturm saniert, 1906 folgte die Restaurierung sowie neues Gestühl und Emporen. Nach der letzten Innensanierung 1997 begann im April 2019 die jetzige Bauphase. Der gewölbte Saalbau, der kreuzrippengewölbte Chor und das Netzrippengewölbe mit aufwendigen Strebepfeilern sowie die Steinmetzzeichen und Rötelinschriften hatten die Deutsche Stiftung Denkmalschutz geradezu ins Schwärmen gebracht.

Das versteht Pfarrerin Susanne Matthies natürlich, die sagt, „es läuft alles ganz fantastisch“. Der Zeitplan ließe sich wohl halten, wenn nicht noch etwas entdeckt werde. Bis Herbst 2021 soll die aufwendige Sanierung abgeschlossen sein. Dann wird es auch wieder hell im Gotteshaus: Wegen der Arbeiten im Chor sind die Fenster zum Schutz verkleidet. Auch das Geläut, derzeit nur sonntags zu hören, klingt dann wieder über Eglosheim. Sie ist überzeugt: „Es liegt ein großer Segen über diesem Bau.“

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