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Fahrradstraße mit freier Fahrt für Autos

CDU und Freie Wähler setzen durch, dass die Sperrung im Schulbereich aufgehoben wird – Erhitzte Debatte im Bauausschuss – Schulleiter enttäuscht

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Die Fahrradstraße wird von der Myliusstraße bis vor zur B 27 ausgebaut und mit farbigem Asphalt komplett neu gestaltet. Archivfoto: Holm Wolschendorf

Ludwigsburg. Alle Elternvertreter, alle Schulleiter hatten darum gebeten, die Alleenstraße nicht mehr komplett für Autos freizugeben. Die testweise Sperrung im Bereich des Schiller-Gymnasiums und der Gemeinschaftsschule sollte bleiben (wir berichteten). Doch vergeblich: CDU und Freie Wähler argumentierten sehr emotional und setzten durch, dass die Straße zu bestimmten Zeiten wieder komplett geöffnet wird. „Es geht nicht, dass der Autoverkehr aus der Innenstadt herausgedrängt wird“, schimpften Reinhold Noz (CDU) und Andreas Rothacker (FW). Die Rede war gar von fehlender sozialer Kontrolle, wenn dort keine Autos fahren dürften, von Partyszenen, die sich dort entwickeln würden. Was das mit mit durchfahrenden Autos zu tun hat, diese Antwort blieben die Redner schuldig.

„Es ist für uns Schulen eine große Enttäuschung und nicht nachvollziehbar“, so der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Campus, Rektor Wolfgang Medinger. Er verweist auf die Rektoren und alle Elternvertreter, die sich eindeutig im Interesse der Kinder für die Sperrung positioniert hatten. Auch der Rektor der Gemeinschaftsschule, Ralf Broghammer, dessen Schule direkt betroffen ist, zeigt sich wenig begeistert. „Als die Autos noch fuhren, waren wir vom Campus abgeschnitten.“ Das sollte vermieden werden. Er sorgt sich, dass die Kinder durch die Unklarheit im Straßenraum gefährdet sind.

Zwar wird begrüßt, dass die Alleenstraße eine Fahrradstraße wird. Doch gebe es zahlreiche Punkte, von denen eine Gefährdung ausgehe, wenn die Straße für Durchgangsverkehr geöffnet wird. So werde die Stadtbad-Mensa für Belebung sorgen, weil dort auch Betreuung und Studienzeiten stattfinden. Vor 18 Uhr ist für die Schulleiter eine Öffnung für den Autoverkehr nicht denkbar.

Die Entscheidung im Bauausschuss fiel denkbar knapp aus. Der Antrag von Grünen und SPD, im Sinne der Sicherheit für Radfahrer und Schüler die Sperrung zu belassen, wurde bei einem Patt von sieben Ja-Stimmen zu sieben Nein-Stimmen von CDU und Freien Wählern abgelehnt. Lubu-Stadträtin Elga Burkhardt, die sich sonst für Umweltthemen stark macht, enthielt sich.

Nur CDU und Freie Wähler stimmten daraufhin für die Fahrradstraße, die Durchgangsverkehr wieder zulässt – allerdings nur in bestimmten Zeiten. Diese wurden noch nicht festgelegt. Die Stadt stellte aber auch fest, dass dies „nicht in den Berufsverkehrszeiten“ geschehen könne. Ilk verwies darauf, dass auch noch zwischen 17 und 19 Uhr mit 400 Radfahrern zu rechnen ist.

In den Bauausschuss ging die CDU „emotionsgeladen“, wie Stadtrat Noz das Thema einschätzte. „Da geben wir den kleinen Finger, und dann will man die ganze Hand oder den ganzen Arm“, beschwerte er sich, zumal er keine Benachteiligung für Autos will. Eine Fahrradstraße mit 2000 Fahrradfahrten in beiden Richtungen hält er für wenig befahren, bei Autos wäre das in einer Verkehrsanalyse kaum relevant. Sollte dann auch noch die Solitudestraße von Radfahrern bevorrechtigt überquert werden dürfen, „wird das Chaos noch größer“. Ähnlich argumentierten die Freien Wähler. „Wenn wir alle Straßen zumachen, kommt keiner mehr in die Innenstadt rein“, befürchtet Rothacker weiterreichende Folgen. Er will seine FW nicht als Autofahrer-Partei verstanden wissen.

Aus Sicht der Grünen ist eine Stärkung der Radachsen wichtig, dies sei auch Thema in der Zukunftskonferenz gewesen. Über 60 Prozent hätten angegeben, auch mit dem Fahrrad zu fahren, wenn es bessere und sichere Radwege gäbe, so Christine Knoß. Zur Fahrradstraße in der Alleenstraße sagte sie: „Die Kinder hätten hier endlich einen sicheren Radweg.“ Auch verkehrspolitisch sei es sinnvoll, den Anteil an Radfahrern zu erhöhen. Das Ärztehaus, das die CDU ins Feld führte, sollte sich lieber am Klinikum orientieren, meinte Knoß. Dort gebe es ein vorbildliches betriebliches Management auch in Bezug auf Radfahren.

Dass ein solch kleiner Straßenabschnitt so hohe Wellen schlägt, findet Dieter Juranek (SPD) erstaunlich. Es gehe darum, für Klarheit zu sorgen, die Fahrradstraße sei jetzt vorrangig, und zwar mit Sperrung. Der Verkehr in der Innenstadt müsse reduziert werden, das sei auch stadtplanerisch sinnvoll. Er verwies auf die von der Stadt für die Solitudestraße vorgeschlagene Aufhebung der Einbahnstraße, die einen verbesserten Verkehrsabfluss auch aus dem dortigen Parkhaus ermöglichen könnte, sowie auf eine Tiefgarage Bärenwiese. Würde man zusätzlich das Linksabbiegen aus dem Parkhaus Solitudestraße unterbinden, würde das den Verkehr zur Innenstadt verringern.