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Ferienprogramm im Jugendhaus: Wo Recycling hoch im Kurs steht

Aus Ytongsteinen werden dekorative Stücke gefeilt, Wachsreste werden zu Kerzen oder Teelichtern wiederverarbeitet. Nachhaltigkeit wird großgeschrieben beim Ferienprogramm. Fotos: Holm Wolschendorf
Aus Ytongsteinen werden dekorative Stücke gefeilt, Wachsreste werden zu Kerzen oder Teelichtern wiederverarbeitet. Nachhaltigkeit wird großgeschrieben beim Ferienprogramm. Fotos: Holm Wolschendorf
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„Die Welt der Zukunft“: Diese Überschrift trägt in diesem Jahr das zweiwöchige Großspielprojekt im Marbacher Jugendhaus Planet-X. Dass Klimaschutz und sauberes Wasser, Essen und Bildung für alle nicht nur bleischwere Themen sind, sondern kindgerecht und spielerisch umgesetzt werden können, zeigt die begeisterte Resonanz.

Marbach. Georg Stenkamp, Jugendhausleiter und verantwortlich für die 28. Auflage des etwas anderen Ferienprogramms, steht die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Die Erleichterung darüber, dass nach zwei Jahren, in denen die „verrückten Ferien“ coronabedingt nur eingeschränkt angeboten werden konnte, alles wieder beim Alten ist. Die Kinder – 240 sind es in zwei Wochen – können sich frei auf dem Gelände und im Jugendhaus bewegen, müssen nicht in festen Gruppen von Station zu Station rotieren, wie es im vergangenen Jahr erforderlich war.

Es wird mit Ytongsteinen und Wachsresten gearbeitet

Weil jedes Kind das machen kann, was ihm am meisten Spaß macht, zeigen sich auch schnell die Renner: Wo aus Ytongsteinen Teelichthalter in Herzform und Dekoschnecken gefeilt werden, bildet sich konstant eine Warteschlange. An dieser Station steht das Wiederverarbeiten von Bauschutt im Hintergrund, um Recycling geht es auch bei Melanie Oertel, die mit Mädels im Grundschulalter Marmeladen- gläser mit Acrylfarben verziert, in die dann Kerzen aus geschmolzenen und wiederaufbereiteten Wachsresten kommen. „Da werden jetzt schon Weihnachtsgeschenke für viele Mamis gebastelt“, freut sich die Betreuerin.

„Die Kinder lieben es, aus alten Dingen etwas Neues zu machen“

„Die Kinder finden es spannend, aus alten Dingen etwas Neues zu machen, die lieben das total“, sagt Andreas Ludmann, neben Stenkamp und Claudia Freude dritter hauptamtlicher Mitarbeiter des Jugendhauses. Er war mitverantwortlich für das Thema des Ferienprogramms und dessen Umsetzung. „Wir haben versucht, die 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen in eine einfache Sprache zu übersetzen und kindgerecht zu verpacken. Das ist uns gut gelungen“, freut sich Ludmann. „Wichtig war es, die Themen so aufzubereiten, dass es Spaß macht, und nicht mit dem erhobenen Zeigefinger anzukommen.“

Tatsächlich bekommen die Kinder aber die Folgen von Globalisierung und Rohstoffverknappung in einem Bereich ungefiltert mit: Für den Hüttenbau, unabhängig vom Thema jedes Jahr eine der Hauptattraktionen, hat Georg Stenkamp keine Holzschwarten bekommen, auch Pfosten sind Mangelware. Dabei hat der Jugendhausleiter ungezählte Sägewerke abtelefoniert. Immerhin kamen ein paar Dutzend Paletten als Sachspende sowie einige Baumstämme aus dem Revier von Förster Jürgen Weis auf dem Gelände an. Insgesamt, bilanziert Andreas Ludmann, sei es schwieriger geworden, an Material zu kommen.

Selbst fürs Stockbrot braten ist es zu heiß

Auch der Klimawandel hat erste Folgen für das Ferienprogramm: Die anhaltende Trockenheit und die hohen Temperaturen haben aus dem Rasen des Geländes eine braune Steppenlandschaft gemacht, und selbst das sonst fast unschlagbare Angebot, Stockbrot über einem (gut gesicherten) Lagerfeuer zu braten, wird häufig verschmäht: „Vielen Kindern ist es dafür einfach zu warm“, weiß Betreuer Mario.

Mit den Folgen der Pandemie dagegen hatte das Organisationsteam auf einem anderen Feld zu kämpfen: bei der Essensversorgung. In der Vergangenheit hat das ein Marbacher Restaurant übernommen, in diesem Jahr werden drei Caterer benötigt – wegen des Personalmangels in der Gastronomie.

Im ersten Stock des Jugendhauses entfaltet sich derweil kreatives Recycling in Vollendung: Aus Tetrapacks, also Milch- oder Safttüten, entstehen Vogelhäuschen, Stiftehalter und sogar Geldbeutel. Wenn man weiß, wie, lassen sich die Kartons so falten, dass Fächer für Münzen und Scheine entstehen, und der Drehverschluss ist am Ende der Knopf des ungewöhnlichen Portemonnaies.