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Firmenchef übt Kritik an der Information des Landratsamt

Alle 150 Mitarbeiter der Lederfirma Gmelich jetzt zwei Wochen in Quarantäne – Elf Infizierte

So leer werden in den nächsten zwei Wochen die Parkplätze bei der Firma Gmelich bleiben.Foto: Ramona Theiss
So leer werden in den nächsten zwei Wochen die Parkplätze bei der Firma Gmelich bleiben. Foto: Ramona Theiss
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Großbottwar. Volker Nagel ist wütend. Der Geschäftsführer der Großbottwarer Lederfirma hat die vergangenen Tage und Nächte vor allem mit Telefonieren verbracht, nachdem am Mittwoch erst ein, dann drei weitere Mitarbeiter seiner Firma positiv auf Corona getestet worden waren. Inzwischen ist der komplette Betrieb mit 150 Mitarbeitern in Quarantäne. Vom Landratsamt fühlt er sich im Stich gelassen.

Wie bereits berichtet waren in der Firma elf Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet und mehr als hundert Kontaktpersonen festgestellt worden, die Ermittlungen – hieß es gestern gegenüber unserer Zeitung aus dem Landratsamt – dauerten aber noch an. An der Art der Benachrichtigung der Kontaktpersonen entzündet sich die Kritik Volker Nagels.

Nachdem sich ein Mitarbeiter gemeldet hatte, dass er Covid-19-positiv getestet worden sei und am nächsten Vormittag drei weitere Mitarbeiter, habe er sich sofort mit dem Oberstenfelder Arzt Dr. Manfred Frenzel in Verbindung gesetzt, der sofort alle anwesenden Mitarbeiter der Firma getestet habe, sagt Nagel. Die Proben seien per Kurier in ein Labor geschickt und noch in der Nacht ausgewertet worden.

Die 125 Tests ergaben: Weitere sieben Personen sind infiziert. Daraufhin habe er alle infizierten Mitarbeiter sofort in Quarantäne geschickt und das Kontakttagebuch ausgewertet, sagt Volker Nagel. Denn nach Rücksprache mit dem Gesundheitsamt habe er davon ausgehen müssen, dass praktisch alle Beschäftigten seiner Firma als Kontaktperson Grad 1 gemäß der Einstufung des Robert-Koch-Instituts (RKI) anzusehen sind.

„Ich habe die Aufgabe bekommen, die Mitarbeiter vorerst von der Verfügung zu informieren, bis sich die zuständigen Behörden bei den Mitarbeitern melden“, berichtet Nagel. Und damit fing der Ärger an. „Meine Abteilungsleiter und ich haben alle am Samstag angerufen und gesagt, bleiben Sie zu Hause“, sagt Volker Nagel. Hunderte von Anrufen habe er getätigt, während vom Landratsamt wenig oder Widersprüchliches gekommen sei. Manche Mitarbeiter seien gar nicht benachrichtigt worden, andere hätten die Auskunft erhalten, sie seien nun doch keine Kontaktperson. Eine von ihm verschlüsselt zur Verfügung gestellte Exel-Tabelle mit den Daten der Mitarbeiter habe man nicht öffnen können und um eine pdf gebeten. Er habe dann sogar angeboten, seine Frau mit einem Daten-Stick ins Landtatsamt zu schicken. „Es sind bis heute nicht alle Mitarbeiter informiert, was zu immer größerer Verunsicherungen der Mitarbeiter führt“, ärgert sich der Firmenchef.

Er habe mehrfach beim Gesundheitsamt das mangelnde Informationsmanagement beanstandet, selbst noch mal seine Mitarbeiter angerufen und auf Einhaltung der Quarantäne bestanden.

Die Kommunikation innerhalb der Behörden sei in einem solchen dringenden, gesundheitsgefährdenden Fall nicht nachvollzíehbar, kritisiert Nagel, wobei seine Kritik weniger dem Gesundheitsamt gilt, als der Behörde Landratsamt. Einen mehrfach angekündigten Anruf vom Vize-Landrat habe er nicht erhalten – dafür eine Art Entschuldigung: Es sei zu der Verzögerung gekommen, da nicht genügend Personal vorhanden sei, es Computerprobleme gebe und die kreisübergreifende Kommunikation nicht funktioniere. „Ich frage mich, wie können wir der Pandemie begegnen, wenn selbst die handelnden Personen von der Bürokratie gebremst werden und nicht in der Lage sind, schneller und effektiver zu arbeiten und zu reagieren?“ resümiert der Firmenchef, dessen Firma jetzt zwei Wochen still steht.

Alle zwei Tage erkundige er sich nach seinen erkrankten Mitarbeitern: Einer sei bereits wieder aus dem Krankenhaus entlassen, die anderen zeigten eher leichte oder grippeähnliche Symptome.

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