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Focus Open belohnt innovatives Design

Internationaler Staatspreis im Ludwigsburger Forum vergeben – Waschmaschine für Blinde erhält ersten Sonderpreis Focus Meta

Mit einem Focus Gold wurde zum Beispiel die Brand Guide Online-Plattform von Bosch ausgezeichnet. Foto: Andreas Becker
Mit einem Focus Gold wurde zum Beispiel die Brand Guide Online-Plattform von Bosch ausgezeichnet. Foto: Andreas Becker

Ludwigsburg. Design schafft Mehrwert, Design schafft Wettbewerbsvorsprung. Umso mehr in Zeiten einer schwächelnden Weltwirtschaft, die zudem unter der Coronapandemie leidet. Doch auch Covid-19 konnte die Verleihung des Internationalen Designpreises Baden-Württemberg in Ludwigsburg nicht ausbremsen, auch wenn Masken und die Abstandsregelungen das Bild prägten. Die Zahl der anwesenden Preisträger und Gäste aus Wirtschaft und Politik – etwa 100 Personen – war in diesem Jahr viel kleiner als in Vor-Coronazeiten. Die Focus-Open-Preise, die nunmehr in vier Kategorien vergeben werden, zeigen, was in Sachen Gestaltung, Innovation und Nachhaltigkeit wegweisend ist. Auch als Livestream wurde der Festakt wegen der Coronasituation übertragen.

„Schon lange ist Focus Open eine herausragende Auszeichnung für alle, die in der Design- und Produktentwicklung zu Hause sind“, betonte Wirtschaftsstaatssekretärin Katrin Schütz bei der Preisträgerkür im Forum am Schlosspark. Acht von ihnen waren anwesend. „Auch für Konsumenten, die Qualität, funktionales Design und ästhetische Produkte schätzen, ist es ein wertvolles Qualitätsmerkmal“, so Schütz. „Ich bin Jahr für Jahr beeindruckt, wie reich und stark Baden-Württemberg ist, wenn es um innovative Hersteller, kreative Designagenturen, führende Forschungseinrichtungen und Ausbildungsstätten geht.“

„Der Designpreis des Landes kommt einem Ritterschlag gleich“, erklärte der Stuttgarter Regierungspräsident Wolfgang Reimer. „Focus Open ist einer der wenigen internationalen Designpreise, der nicht kommerziell ist“, so Reimer. Gerade Newcomer und Start-ups hätten durch die moderaten Kosten des nicht-kommerziellen Wettbewerbs die Möglichkeit, daran teilzunehmen – so eröffneten sich ihnen viele Chancen. „Daher wird unser ‚Internationaler Designpreis Baden-Württemberg‘ seinem Auftrag der Wirtschafts- und Designförderung gerecht und zeichnet hervorragende Preisträgerinnen und Preisträger aus.“

55 Focus-Open-Preise in drei Kategorien wurden gestern vergeben, dazu der neue Sonderpreis Focus Meta und der Mia-Seeger-Preis. Die Jury zeichnete 13 „zukunftsweisende und herausragende Lösungen“ mit dem Focus Gold aus. Der Focus Silver prämierte außergewöhnliche Qualität. 16 Arbeiten wurden gewürdigt. Den Focus Special Mention erhielten 26 Einreichungen. Mit dem Focus Meta vergab die Jury erstmals ihren Sonderpreis, der beispielhafte Lösungen belohnt – dieses Jahr für „Social Design“ aus dem Hause Miele. W1 Classic GuideLine, heißt die Waschmaschine des Hausgeräteherstellers. Für und mit sehbehinderten sowie blinden Menschen wurde dieses Konzept entwickelt, das die Bedienoberfläche mit haptischen Zusatzelementen und akustischen Signalen ergänzt. Die Verknüpfungen mit den Waschfunktionen erklärt die Audio-Gebrauchsanweisung.

Das Gewinnerspektrum reicht von Kleinunternehmen wie Papero bis hin zu Schwergewichten wie dem in Gerlingen ansässigen Bosch-Konzern, oder der Stuttgarter Firma Recaro.

„Ein sehr gutes Tool, global gedacht und intuitiv nutzbar“, urteilte die Jury über die „Brand Guide Online“ Marken- und Designplattform von Bosch, die einen Focus Gold erhielt. Sie reduziere den Arbeitsaufwand, verringert Anwendungsfehler und die Verwendung nicht mehr aktueller Vorgaben. Die Plattform habe konzernweite Geltung und verdeutliche den Stellenwert eines durchgehenden Designs im Unternehmen, so die Juroren.

Focus Gold erhielt auch der Schraubbock der Fellbacher Andreas Maier GmbH. Er dient in der metallverarbeitenden Industrie dazu, Werkstücke sicher und exakt zu fixieren. Das Modell passt sich dank seiner modularen Konzeption rasch an unterschiedliche Teilegeometrien an, was die Jury beeindruckte. Obwohl es sich hier um ein rein technisches Produkt handele, das robust und belastbar sein müsse, hätten die Entwickler die Idee der Modularität sehr gut gelöst.

Cougar ist ein schnörkelloser Rucksack von Papero aus dem Ort Markt Schwaben, der durch sein Material punktet: Er wird aus umweltverträglichem, reiß- und wasserfestem Kraftpapier gefertigt. Dieses besteht aus Zellulosefasern, die in diesem Fall aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Für jeden verkauften Rucksack geht ein Teil des Erlöses an ein Aufforstungsprojekt. „Der Rucksack überzeugt durch seine sensibel gestalteten Details, durch die gute Verarbeitung und durch das verwendete Material“, urteilte die Jury, die ihm einen Focus Gold verlieh. Die Haptik seit lederähnlich weich, die materialspezifische Knitteroptik lasse den Rucksack positiv altern. Der Charity-Zusatz unterstreiche die Glaubwürdigkeit des Konzepts.

Auch Eggi von der Firma Einfach gut Spielen erhielt den Gold-Preis. Der kleine, eiförmige Körper spreche mit seiner Form und der Oberfläche aus Holz Menschen jeden Alters zum Spielen an. Das „Spielding“ sei aber viel mehr als ein fein gearbeiteter Handschmeichler. „Ein ganz simples Ding, irgendwie, das sich Spielzeugkategorien entziehe,“, befanden die Juroren, aber zugleich durch seine Bewegungen Erwachsene zum Spiel anrege. Für den Privatbereich, aber auch für Loungebereiche in Hotels und Gastronomie hat das Stuttgarter Unternehmen Nimbus die Pendelleuchte Lighting Pad Lounge entwickelt. „Trotz ihres akustisch notwendigen Durchmessers, durch den Geräusche gedämpft werden, wirkt die Pendelleuchte filigran“, urteilte die Jury, die dafür einen Focus Silber vergab.

„Verglichen mit anderen Vertretern seines Genres präsentiert sich dieser Gaming-Stuhl wohltuend schlicht, dafür umso hochwertiger und im Detail durchdacht.“ So lautet das Urteil der Juroren über Exo, den Gaming-Stuhl der Recaro Gaming in Stuttgart. „Seine speziellen Einstelloptionen unterstützen die Zielgruppe sinn- und wirkungsvoll.“

„MyECC Pupil“ ist der Name einer Augensteuerung, mit der man Rollstühle lenkt. Entwickelt wurde die Brille von der Urbacher Firma HomeBrace Germany. „Das sichtbare Kernstück dieses innovativen Systems ist die Brille – sie integriert Komponenten und Sonnenschutz, trägt kaum auf und wirkt kaum stigmatisierend“, so die Juroren. Mit einer besonderen Erwähnung wurde auch der Fensterantrieb F1200+ des Leonberger Unternehmens Geze ausgezeichnet.

Seit 1989 lobt die Mia-Seeger-Stiftung, die sich der „Förderung der Bildung in der Gestaltung“ verschrieben hat, den gleichnamigen Preis aus. Die Ausschreibung stand unter dem Motto „Was mehr als Einem nützt“. Das Preisgeld: insgesamt 10000 Euro. Die Jury lobte je vier Preise und Anerkennungen aus. Diese sind für Junior-Designer eine Bereicherung ihres Portfolios, erleichtern ihnen nicht selten den Einstieg ins Berufsleben.

Info: Die Focus-Open-Ausstellung im MIK Museum – Information – Kunst, Eberhardstraße 1, Ludwigsburg, findet bis 22 November statt. Infos unter www.design-center.de.

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