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Ganz schön auf den Ast gekommen

Die Malerin Elke Bach präsentiert im Kunstverein Korntal-Münchingen einen Ausschnitt aus ihrem aktuellen Schaffen

Großflächige Arbeiten als Markenzeichen: Elke Bach vor Werken aus den Reihen „Lichtstücke“ (links) und „Nachtlandschaften“.Foto: Ramona Theiss
Großflächige Arbeiten als Markenzeichen: Elke Bach vor Werken aus den Reihen „Lichtstücke“ (links) und „Nachtlandschaften“. Foto: Ramona Theiss

Korntal-Münchingen. Gesammelte Äste, gemusterte Kreisformen und diverse praktische Alltagsgegenstände prägen motivisch die Arbeiten, die die Künstlerin Elke Bach in den vergangenen Jahren angefertigt hat. Was – so trocken geschildert – möglicherweise etwas wahllos klingen mag, bietet dem Besucher der neuen Ausstellung in der Galerie 4/1 des Kunstvereins Korntal-Münchingen tatsächlich aber so manche spannende Eindrücke. Denn nichts ist einfach nur das, was es auf den ersten Blick zu sein scheint. „Kunst ist eine Quelle, die in mir fließt“, erklärt die 59-Jährige, die in Ludwigsburg lebt und im Stadtteil Eglosheim über einer Schlosserei ihr Atelier hat. „Und man tut gut daran, sich diesem Fluss anzuschließen.“

In Gerlingen aufgewachsen, studierte sie in den 80er Jahren an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Seit 1989 arbeitet sie als Kunstlehrerin, aktuell in Markgröningen, ein festes Standbein, um gut über die Runden zu kommen. Sie kenne nur wenige Künstler, die von ihrer Kunst allein wirklich leben könnten, sagt Elke Bach. Sie hingegen kann ganz in Ruhe ihre Ideen entwickeln. Menschen kommen bei der Künstlerin nie vor, dafür häufig Landschaften und Elemente aus Natur und Alltag, die wie in einem Stillleben arrangiert wirken, dafür aber wieder zu frei im nicht genau definierten Raum angeordnet sind. „Ich bewege mich eher in den Grenzbereichen der Gattungen“, sagt sie.

Raum ist für Elke Bach ohnehin ein zentraler Aspekt ihrer Arbeit. Raum biete – wie die Musik – Tiefe und Bewegung, ermögliche verschiedene Ebenen des Bewusstseins. In diesem Raum treffen nun Farben und Gegenstände aufeinander, ohne einen selbstständigen erzählerischen Ansatz – die Dinge erzählen ihre eigenen Geschichten. Und sie scheinen zu schweben, ja, sich zu bewegen – in der Statik liegt eine so erstaunliche wie eigentümliche Dynamik. „Lichtstücke“ und „Nachtlandschaften“ heißen zwei der aktuellen Werkreihen, zu denen es jeweils mehrere ebenso benannte Einzelwerke gibt, die auch nicht zwangsläufig zusammen präsentiert werden. Elke Bach sammelt in der Natur am liebsten Äste und Zweige, die sie – etwa bei „Lichtstücke“ – behutsam arrangiert, abzeichnet und mit Schattenwürfen umspielt. „Die Komposition ist mir immer wichtig, vor allem bei großen Arbeiten, die den Betrachter gleich hineinziehen sollen“, sagt sie. Dazu gesellen sich runde Formen, die in ihrer Struktur mit ihren Ellipsen, Schraffuren und Musterungen immer unterschiedlich sind.

Malerei und Zeichnung treffen in vielen der Arbeiten aufeinander. Bei den „Nachtlandschaften“ schiebt sie die runden Elemente als Schablonen zunächst hin und her. Bilder seien wie Musik oder wie Gedichte, findet Bach, alles habe seine Bausteine, aus denen es zusammengesetzt sei. Sie nutzt als Farben Acryl und vor allem Grafitt, das Mineralische daran mag sie, weil das reine Pigment – sie sammelt das Material meist selbst –, kreisförmig aufgetragen, automatisch eine extrem starke räumliche Wirkung entfaltet.

Im Obergeschoss der Galerie 4/1 befindet sich die „Werkzeugkammer“, wie Elke Bach es nennt. Ein Schraubenschlüssel, eine Mehrfachsteckdose, ein Kabel, eine Zange: Diverse altehrwürdige Stücke aus der Schlosserei unter ihrem Atelier hat sie in einer losen Serie verewigt, wie Porträts. „Die kriegen hier ihr Gnadenbrot“, sagt sie und lächelt. Die abgeplatzte Farbe, die Patina machen die Gegenstände erst so besonders, so einmalig – auch wenn sie dadurch umso schwieriger zu zeichnen sind. Fast fotografisch genau – aber auf einem abstrakten, raumlosen Untergrund.

Und immer wieder der Ast: Das sei eine Form, die an eine menschliche Gestalt erinnere, ein gewachsenes Stück Natur, das einfach so herumliege, so individuell wie fragmentarisch, sagt Elke Bach. Die Kunst, auch das ist eine Botschaft dieser Ausstellung, liegt gewissermaßen vor unserer Tür. Man muss sie nur entdecken können.

Info: Die Ausstellung von Elke Bach in der Galerie 4/1, Hans-Sachs-Straße 4/1, in Korntal-Münchingen ist ab diesem Sonntag an den Wochenenden von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Sie läuft bis 26. Juli. Ob es auch eine Vernissage gibt, ist wegen der Coronapandemie noch unklar.

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