Logo

Ganztagsschule als Meilenstein

Bis September 2021 entsteht im Zentrum von Pattonville für rund zwölf Millionen Euro eine neue Grundschule. Wenn dann die ersten Schüler in das Gebäude einziehen, bedeutet dies gleichzeitig der Start für eine verbindliche Ganztagsschule in Remseck.

Die neue Grundschule in Pattonville. Ab Herbst 2021 soll es dort verpflichtenden Ganztagsunterricht geben. Foto: Holm Wolschendorf
Die neue Grundschule in Pattonville. Ab Herbst 2021 soll es dort verpflichtenden Ganztagsunterricht geben. Foto: Holm Wolschendorf

Remseck/Pattonville. An den Dezember 2019 denkt Ulrike Schiller, Leiterin der Grundschule Pattonville, nicht gern zurück. Eltern von Kindergartenkindern machten ihrem Ärger darüber Luft, dass es an der neuen Schule kein offenes Ganztagsangebot geben soll. Der verpflichtende Ganztagsunterricht überfordere die Kinder, so die Befürchtung. Ulrike Schiller empfand es damals als schade, dass das Konzept abgelehnt wird, bevor es überhaupt entwickelt wurde. Mittlerweile liegt es vor und erntete im Verwaltungsausschuss großes Lob von den Fraktionen. Die Beschlussempfehlung des Gremiums an den Gemeinderat, der am kommenden Dienstag, 28. Juli, darüber berät, war einstimmig und somit eindeutig.

Wie in vielen anderen Schulen üblich, sieht das Ganztagskonzept auch in Pattonville einen jahrgangsgemischten Unterricht vor. An vier Wochentagen – von Montag bis Donnerstag – soll die Ganztagsschule jeweils von 8 bis 15 Uhr stattfinden. Die Frühbetreuung beginne bereits um 7 Uhr, die Spätbetreuung finde bis 17 Uhr statt. Vormittags und nachmittags lassen sich laut der Schulleiterin Elemente ohne Lernzeit einbauen. In diesen Einheiten, zu denen diverse Projekte und das Schulfernsehen gehören sollen, könne das pädagogische Personal intensiver auf die Schüler eingehen. „Das schafft Gemeinschaft“, sagte Ulrike Schiller. Wenn um 15 Uhr der Unterricht zu Ende ist, seien auch die Hausaufgaben schon gemacht. Danach stehe Familienzeit an, die nicht von Schulaufgaben überdeckt sei. „Das Lernen findet in der Schule statt“, sagte die Schulleiterin. Auf diese Weise erhalte jedes Kind Zugang zu qualitätsvoller Bildung.

Das Raumkonzept der neuen Schule sieht einzelne Cluster vor. Dabei wird eine bestimmte Anzahl von Klassen und Gruppenräumen zu einem Verbund zusammengefasst. Jedes Cluster beherbergt vier Klassen der Klassenstufen1 und 2 beziehungsweise 3 und 4. Als pädagogisch besonders wertvoll erachtet Ulrike Schiller dabei das gemeinsame Essen der Schüler in den Clustern je eine halbe Stunde lang zwischen 12 und 13 Uhr. Die Kinder in den Clustern, die gerade nicht essen, werden parallel betreut. Das Essen wird nicht in der Schule gekocht, sondern in Boxen angeliefert. Die Speiseräume können nach dem Essen in Mehrzweckräume umgestaltet werden. Auch eine Kooperationsklasse, in der Kinder mit und ohne Behinderung unterrichtet werden, ist Standard. Für die Kinder mit Behinderung wird es auch einen Inklusionsraum geben, der dem Bedürfnis nach Rückzug Rechnung trägt. Pro Klasse werden 25 Kinder unterrichtet; ab dem 26. Kind gibt es eine Lehrerzuweisung für eine neue Klasse.

In der Umsetzung und Gestaltung der Ganztagsschule arbeiten Schule und Verwaltung eng zusammen. Wesentlicher Baustein der Kooperation ist die Einbindung von pädagogischen Fachkräften und pädagogische interessierten Kräften in den Ganztagsbetrieb. Durch die Verzahnung des pädagogischen Personals der Schule mit den pädagogischen Fachkräften der Stadt Remseck soll ein hoher Qualitätsstandard erreicht werden.

Für das Ganztagskonzept gab es viel Lob aus den Reihen der Ausschussmitglieder. Steffen Kirsch (CDU) bezeichnete es als „belastbar“. Es habe „Hand und Fuß“. Auch seine Fraktion stehe dahinter, sagte Gustav Bohnert (FDP). Er forderte von der Stadt noch die Vorlage einer Kalkulation über die Kosten für das Essen. Thomas Buhl (Freie Wähler) bezeichnete den Ganztag „als nächsten Meilenstein für die Stadt“, während Patrick Wagner (Grüne) seine Freude darüber zum Ausdruck brachte, „dass die gebundene Ganztagsschule in Remseck angekommen ist“. Lob auch von Angelika Feurer (SPD), die zugleich feststellte, dass da „noch viel Arbeit auf Schule und Verwaltung“ zukomme.

Autor: