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Gebaut wird auf alle Fälle

Das klare Nein der Bürger steht dem Vorhaben der EnBW entgegen, auf dem bestehenden Kraftwerksgelände in Walheim eine Anlage zur Trocknung und Verbrennung von Klärschlamm zu bauen. Das Energieunternehmen hält unbeirrt daran fest, möchte für das Projekt werben und sucht – nach wie vor – den sachlichen Dialog.

Foto: Alfred Drossel
Foto: Alfred Drossel

Walheim. Der Walheimer Gemeinderat hat Teile der Bevölkerung aus Walheim, aber auch aus Gemmrigheim sowie Besigheim hinter sich, die geplante Klärschlammverwertungsanlage (KVA) zu verhindern. Wie begegnet Ihr Unternehmen diesem Widerstand? EnBW-Gesamtprojektleiter Andreas Pick: Wir verstehen, dass solche Planungen „vor Ort“ zu Diskussionen führen, denen wir uns sehr gerne stellen, und möchten für das Vorhaben weiter werben. Unsere Position ist unverändert: Der Standort Walheim mit unserem Kraftwerksgelände ist ein geeigneter Standort zum Bau einer dringend benötigten KVA. Der Flächennutzungsplan wie auch der Regionalplan, die das EnBW-Grundstück in Walheim als „Fläche für Versorgungsanlagen“ beziehungsweise als „Vorrangfläche für regionalbedeutsame Kraftwerksanlagen“ ausweisen und damit Vorhaben zur Abfallentsorgung und Abwasserbeseitigung zulassen, haben Gültigkeit.

Warum halten Sie an der Planung fest? Projektleiterin Diana van den Bergh: Wir sind immer für jeden konstruktiven Dialog offen, betonen aber die Relevanz unserer Planungen, auch in offenen Gesprächen. Wie schon ausgeführt, ist die Notwendigkeit, eine Klärschlammverwertungsanlage in der Region zu betreiben, unbestritten. Schließlich fällt in jeder Kläranlage Klärschlamm an. Jede Kommune, die eine Kläranlage betreibt, steht vor der Aufgabe, diesen entsorgen zu müssen. Bislang genutzte Entsorgungswege stehen nicht mehr zur Verfügung – unter anderem ein Ergebnis des Kohleausstiegs.

Wer kann die Anlage, zu der perspektivisch außerdem eine Anlage für Phosphor-Recycling hinzukommen soll, verhindern? Wodurch kann das Vorhaben noch verhindert werden?

Pick: Wir wollen nicht darüber spekulieren, wie das Projekt verhindert werden kann, sondern wir setzen darauf, dass sich – wie schon zu Anfang des Projektes – die Einsicht durchsetzt, dass die Klärschlammverwertung eine wichtige kommunale Aufgabe ist, die gelöst werden muss. Es stehen durch den Kohleausstieg nicht mehr die Verbrennungskapazitäten zur Verfügung, wie das heute noch der Fall ist. Darauf müssen sich alle Verantwortlichen einstellen – auch Gemeinderäte. Dass dies manchmal anstrengend in der Vermittlung ist und der Bevölkerung erklärt werden muss, ist Aufgabe des Anlagenbetreibers, aber auch der Kommunalpolitik.

Wenn das Projekt durch nichts und niemanden verhindert werden kann, dann ziehen Sie das auf alle Fälle durch?

Pick: Wir werden in Baden-Württemberg Verbrennungskapazitäten für den von uns allen verursachten Klärschlamm brauchen, und Walheim ist ein sehr guter Standort dafür. Zudem ergeben sich dadurch für die Kommune und die nähere Umgebung auch Vorteile. Mit diesen Argumenten werden wir bei allen Beteiligten werben. Dabei halten wir uns alle rechtmäßigen Optionen offen.

Es sind immer wieder dieselben Argumente: Geruchs- und Lärmbelästigungen, Müllimporte aus anderen Regionen, die Zunahme am Lastwagenverkehr, verminderte Lebens- und Wohnqualität. Die EnBW versucht, die Bedenken zu entkräften, was aber nicht gelingt. Woran liegt das?

Van den Bergh: In der Natur der Sache. Alle großen Infrastrukturvorhaben werfen Fragen auf, die aber beantwortet werden können. Entscheidend dabei ist, dass man sich gegenseitig zuhört und versucht, die Argumente des Gegenübers wahrzunehmen und zu verarbeiten. Wir können sehr schlüssig darlegen, dass der Betrieb einer KVA die Lebens- und Wohnqualität in Walheim und den anderen Gemeinden nicht beeinträchtigt. Wir sprechen hier von dem Standort eines seit Jahrzehnten bestehenden Kohlekraftwerks. Das Kraftwerk war und ist noch ein guter Nachbar und das wird eine KVA auch sein.

Was schlagen Sie vor?

Van den Bergh: Wir hoffen, dass es gelingt, in den nächsten Wochen an den guten Kommunikationsprozess anzuknüpfen, den wir im ersten Halbjahr mit vielen kommunalpolitisch Verantwortlichen bereits hatten. Und selbstverständlich gehen wir weiter verstärkt auf die Bevölkerung zu und beantworten Fragen.

Ist der Begriff Umweltstandort, von dem die EnBW bezüglich Walheim spricht, nicht doch Mogelpackung? Es geht doch letztlich bei einem Wirtschaftsunternehmen wie der EnBW darum, Gewinne und Profit zu machen.

Pick: Selbstverständlich sind wir ein wirtschaftlich handelndes Unternehmen. Wir können hier zudem dazu beitragen, eine kommunalpolitische Verantwortung, die sich durch den Kohleausstieg und den von uns allen gewünschten Klimaschutz ergibt, zu lösen. Heute ist der Standort Walheim vor allem ein Kohlekraftwerksstandort. In Zukunft kann neben der schon bestehenden Gasturbine dort auch eine hochmoderne KVA betrieben werden. Damit schaffen wir die Voraussetzung für ein Phosphor-Recycling. Das ist Umweltschutz.

Warum wird die Anlage nicht in Heilbronn gebaut? Das ist ein immer wiederkehrendes Argument.

Pick: Heilbronn hatten wir tatsächlich ebenfalls als möglichen Standort für die KVA geprüft. Allerdings soll dort bereits eine Gas- und Dampfturbinenanlage als Ersatz des vorhandenen Kohleblocks errichtet werden, um aus der Kohleverstromung aussteigen zu können. Zudem ist der Standort Walheim aus technischer Sicht wesentlich geeigneter.

Was geschieht mit dem Kohlekraftwerk? Pick: Wenn das Walheimer Kohlekraftwerk aus der Netzreserve entlassen wird und damit endgültig außer Betrieb geht, werden einzelne Komponenten des Kraftwerks – wie die Öltanks, die Wasseraufbereitungsanlage und die Standortwerkstatt – für den Betrieb der Gasturbine weiter benötigt. Andere Anlagenbestandteile, wie zum Beispiel das Kohlelager, müssen für den Bau der Klärschlammverwertungsanlage weichen und würden kurzfristig zurückgebaut. Für alle weiteren nicht mehr benötigten Gebäude- und Anlagenteile wird zunächst die Möglichkeit einer alternativen Nachnutzung geprüft. Wo das nicht sinnvoll oder möglich ist – hierzu gehört voraussichtlich auch der markante Schornstein –, wird früher oder später ein Rückbau erfolgen.

Was wünschen Sie sich?

Van den Bergh: Eine Diskussion, die es ermöglicht, zuzuhören und sachlich Argumente auszutauschen. Nur so kann eine Lösung gefunden werden, die der Herausforderung gerecht wird.

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