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Gebruddel und Mut zum Jubiläum

„Natur, Heimat, Wandern“ ist das Motto des Schwäbischen Albvereins, und es scheint immer gültig. Die Ditzinger Ortsgruppe feiert dieses Jahr ihr 125-jähriges Bestehen und ist damit fast so alt wie der Gesamtverein.

Auch mit alten Plakaten wird an die bewegten Zeiten erinnert. Foto: Andreas Becker
Auch mit alten Plakaten wird an die bewegten Zeiten erinnert. Foto: Andreas Becker

Ditzingen. Nein, viel zu feiern gab es in den vergangenen 19 Monaten eigentlich nicht – im doppelten Wortsinn. Für Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Schwäbischen Albvereins und des Deutschen Wanderverbands, war der Festakt der Ditzinger Ortsgruppe sogar die erste Jubiläumsveranstaltung seit zwei Jahren. Rauchfuß würdigte das Engagement der Vorsitzenden Renate Wagner, die in einer schweren Zeit die Mitglieder bei der Stange halten musste – aktuell sind es 273, beim Höchststand 2006 zählte die Ortsgruppe noch stolze 385 Mitglieder. „Es wird sicher wieder aufwärtsgehen“, sprach er der Gemeinschaft auch als Arzt Mut zu, wenngleich er weiterhin zur Vorsicht mahnte.

Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft sei der Klimaschutz, um nachfolgenden Generationen nicht zu einschneidende Maßnahmen zuzumuten. Der Albverein gehöre zu den Ersten, die den Naturschutz mitbetrieben hätten; mehr als 500 Hektar betreue der Verein, die Vorsitzende Renate Wagner erhielt deshalb eine Urkunde als „Dank und Anerkennung für die geleistete Arbeit“. Einen Beitrag könnten überdies die Kommunen etwa mit der Ausweisung von Biotopen leisten.

Auch Oberbürgermeister Michael Makurath würdigte das Wirken der Ditzinger Ortsgruppe, die 28 Kilometer an Wanderwegen ebenso wie Austausche mit der Partnerstadt Rillieux-la-Pape pflege und, wie andere aktive Vereine, einen Beitrag dazu leiste, dass Menschen sich in Ditzingen wohlfühlten. Er wünschte dem Verein, dass er „wachsen und gedeihen“ möge.

Tief bewegt erinnerte Cezar Popp als kommissarischer Leiter des Stuttgarter Gaus an den im Juli verstorbenen Vorsitzenden Rolf Walther Schmid, der sich – so schrieb er noch in seinem Grußwort – „persönlich viele Jahre mit der Ditzinger Familie verbunden gefühlt“ habe. Im Namen des Gesamtvereins mit 23 Gauen, 28 Ortsgruppen und 6100 Mitgliedern überbrachte Popp Glückwünsche. Die Ditzinger Ortsgruppe sei eine sehr harmonische, sagte er anerkennend. Er appellierte an alle, die Jugend abzuholen und sie „für unsere gelebten Ziele zu motivieren“. Auch wenn die Begeisterung für das Ehrenamt gesunken sei, solle man hoffnungsvoll in die Zukunft blicken und einander helfen, die Ortsgruppe weiterzuentwickeln.

Die von den Rednern gelobte Familienarbeit, musste Renate Wagner einräumen, habe man wegen schwacher Resonanz „leider einschlafen lassen. Ich hoffe sehr, dass sie sich wieder aufleben lässt.“ Was den Umwelt- und Klimaschutz betrifft, ist man in Ditzingen bereits vorbildlich unterwegs: Die Gruppenmitglieder lassen die Autos stets zu Hause und nutzen den öffentlichen Verkehr. „Dieses Prinzip wollen wir weiterpflegen“, versprach Wagner.

Statt einer Festrede, die zum 100-Jährigen der inzwischen verstorbene Hans Beuttler gehalten hatte, gab es diesmal einen Festdialog. Zwei Urgesteine der Ditzinger Ortsgruppe, Kuno Banzhaf und Hans Ritter, gaben einen fröhlichen Einblick ins Vereinsleben. „125 Jahre, um Gottes Willen“, bruddelte Hans und versicherte: „Wir sind nicht von Anfang dabei.“ Während ihrer 63 und 56 Jahre währenden Mitgliedschaft haben sie indes einiges erlebt. Tageswanderungen im Bottwartal oder in der Pfalz, Inselwanderungen auf Mallorca oder Rhodos und vieles mehr. Sie erzählten vom Wandern im Welzheimer Wald, wo der gelbe Pulli einer Kameradin Bienen angelockt habe und „etliche Personen gestochen“ worden seien. „Das war eine echte Erlebniswanderung“, feixte Banzhaf.

Der Handharmonika-Club unter der Leitung von Vitali Neifert begleitete den Festabend musikalisch.

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