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Gemeinde muss in Wehr investieren

Der aktualisierte Benninger Feuerwehrbedarfsplan schreibt unter anderem den Bau eines neuen Gerätehauses vor

Benningen. Die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr zu garantieren, ist eine Pflichtaufgabe der Städte und Gemeinden. Spätestens alle zehn Jahre müssen die Kommunen sogenannte Feuerwehrbedarfspläne erstellen, um künftige Investitionen in die richtige Bahn zu lenken. Am Montagabend stellte Roland Demke, Leitender Branddirektor und Chef der Feuerwehrschule im unterfränkischen Würzburg, die jüngste Auflage im Gemeinderat vor.

Der Experte hat sich in enger Abstimmung mit Kommandant Alexander Essig und dessen Truppe intensiv mit der aktuellen Lage der Benninger Wehr befasst. Der Fokus lag insbesondere auf der Personalsituation, der Fahrzeug- und Gerätekonzeption sowie dem Bau eines neuen Feuerwehrgerätehauses. Demke, der schon im Auftrag zahlreicher Kommunen Feuerwehrbedarfspläne erstellt hat, zeigt sich nicht unzufrieden mit dem Istzustand der Wehr. So treffe beispielsweise das erste Fahrzeug in 95 Prozent aller Fälle zehn Minuten nach der Alarmierung am Einsatzort ein. Die gesetzliche Vorgabe, diese sogenannte Hilfsfrist in 80 Prozent aller Einsätze einzuhalten, wird also bei Weitem überschritten.

„Ihre Feuerwehr ist leistungsfähig“, versicherte Demke den Gemeinderäten, zudem zeichne sich die Truppe durch hohe Einsatzbereitschaft und einen guten Ausbildungsstand aus. Auch die Zusammenarbeit mit den Kollegen aus umliegenden Städten und Gemeinden gestalte sich positiv.

Doch die Analyse macht auch Defizite deutlich, die in Benningen schon lange bekannt sind. Kostspieligen Handlungsbedarf sieht der Gutachter insbesondere beim Feuerwehrgerätehaus. Keine Umkleiden, kaum Lagerräume, kein Bürobereich für die Führungskräfte, viel zu wenig Stellplätze, der Fußboden in der Fahrzeughalle ein Sanierungsfall. Nicht zuletzt bestehe Unfallgefahr durch enge Laufwege und zu geringe Abstandsflächen sowie ein Gesundheitsrisiko durch Dieselabgase.

Kurzum: Das 1986 eingeweihte Gerätehaus befindet sich laut Analyse in ordentlichem und gepflegtem Zustand, wird den Anforderungen einer modernen Feuerwehr aber nicht mehr gerecht. Ein Neubau muss her, und eine Grundstücksfläche von derzeit rund 1200 Quadratmetern wird nicht ausreichen. Demke schätzt den künftigen Platzbedarf auf rund 4000 Quadratmeter. Laut Bedarfsplan soll das Gebäude „mittelfristig“ entstehen, also zwischen 2020 und 2026.

Die Suche nach einem alternativen Standort auf der bereits dicht bebauten Markung wird eine zentrale Aufgabe für den amtierenden Gemeinderat darstellen – ebenso wie die Finanzierung. „Sie müssen mit dreieinhalb bis vier Millionen Euro rechnen“, so Demke. Allerdings könne die Gemeinde für den Neubau Fördermittel des Landes beantragen.

Handlungsbedarf besteht auch bei der Ausstattung, wobei natürlich der Kauf neuer Autos besonders teuer wird. Bereits 2022 empfiehlt Demke die Anschaffung eines neuen Löschgruppenfahrzeugs (450000 Euro). Ab 2026 muss die Gemeinde dann insgesamt rund 170000 Euro in zwei Mannschaftstransportwagen investieren, nach dem Bau der Zentrale weitere 290000 Euro in einen Gerätewagen.

Sorge bereitet die Personalsituation, die Kommandant Essig seit Jahren bemängelt. Derzeit wird die Mindeststärke von 36 Angehörigen mit 35 Aktiven noch fast erreicht. Doch seit 2015 sei der Personalstand um 20 Prozent gesunken, und in den nächsten 15 Jahren werden weitere zehn Mitglieder altersbedingt aufhören. Demkes Empfehlung: „Es ist wichtig, das Ehrenamt noch mehr anzuerkennen.“ Eine solche Anerkennung dürfe sich nicht auf Ausrüstung beschränken, sondern müsse sich auch in einer bevorzugten Behandlung der Feuerwehrangehörigen, etwa bei der Vergabe von Baugrundstücken oder Kindergartenplätzen, widerspiegeln.