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Gemeinde will moderat wachsen

Mundelsheim strebt ein moderates Wachstum an und will 2,6 Hektar Wohnbau- sowie drei Hektar Gewerbeflächen im Planentwurf ausweisen. Die Fortschreibung des Flächennutzungsplans stand jetzt auf der Tagesordnung des Gemeinderats.

Wie entwickelt sich Mundelsheim in den nächsten Jahren? Foto: Holm Wolschendorf
Wie entwickelt sich Mundelsheim in den nächsten Jahren? Foto: Holm Wolschendorf

Mundelsheim. Ein Flächennutzungsplan (FNP) ist von zentraler Bedeutung für eine Kommune, denn darin stellt sie ihre geplante städtebauliche Entwicklung dar. Mit dieser Aufgabe sind derzeit die Mitgliedskommunen des Gemeindeverwaltungsverbands Besigheim beschäftigt, zu dem auch Mundelsheim gehört. Die jeweiligen Gemeinderäte legen fest, wo sie auf ihrer Markung bis 2035 Potenzial für künftige Neubau- und Gewerbegebiete sehen.

In der jüngsten Sitzung befassten sich die Mundelsheimer Räte mit dem Thema. Das Ergebnis: Die Gemeinde soll nur moderat wachsen und ihren Charakter als ländlich geprägte Kommune in der Neckarschleife bewahren. Großangelegtes Wachstum wäre, selbst wenn gewollt, auch gar nicht möglich, wie Uwe Müller vom Ludwigsburger Planungsbüro KMB erläuterte. Er komme gerade aus Walheim, berichtete Müller, dort hatte der Gemeinderat ebenfalls über den FNP beraten. „Walheim hat einen Bahnanschluss, deshalb ist dort grundsätzlich mehr Wachstum möglich“, so Müller. Mundelsheim dagegen liegt nicht an einer regionalen Entwicklungsachse. Für solche Kommunen sieht der übergeordnete Regionalplan nur eine geringer dimensionierte Eigenentwicklung vor. Das heißt: In der Neckargemeinde werden kleinere Brötchen als etwa in Walheim gebacken. Dennoch sprach sich der Gemeinderat dafür aus, zwei Neubaugebiete auszuweisen: Eine Fläche zieht sich vom nördlichen Rand des Gewerbegebiets „Innere Au“ in einem schmalen Band entlang des Neckars bis zum Alexanderstift. Zudem wird eine Erschließung des Areals „Seelhofen IV B“ in Erwägung gezogen, das sich nördlich an das momentane Neubaugebiet „Seelhofen IV“ anschließt.

Die beiden Baugebiete, die nun festgeschrieben werden sollen, haben eine Größe von jeweils 1,3 Hektar. Hinzu kommen weitere 0,7 Hektar durch das Füllen von Baulücken. Diese insgesamt 3,4 Hektar sind keine willkürliche Größe, sondern an der Fläche ausgerichtet, die der Verband Region Stuttgart den Mundelsheimern im weiteren Planungsverfahren zugestehen könnte.

Es sei richtig, zwei zusätzliche Baugebiete von moderater Größe auszuweisen, sagte Gemeinderat Thomas Kizler (Freie Wählervereinigung). So halte man sich die Option offen, in Zukunft bei entsprechendem Bedarf Wohnraum für Familien zu schaffen. Auch Kizlers Fraktionskollegin Beate Fähnle sprach sich dafür aus, weitere Baugebiete auszuweisen, warnte aber gleichzeitig vor ausuferndem Wachstum. Denn für die Kinder der zuziehenden Familien müssten auch die Kapazitäten der örtlichen Kindergärten ausgebaut werden, „da hängt ein ganzer Rattenschwanz dran“. Andreas Link (Freie Bürgerliche Wählervereinigung) gab sich gelassen. „Der Verband Region Stuttgart sorgt schon dafür, dass wir nicht zu sehr wachsen.“

Auch ein innerörtliches Gewerbegebiet könnte in den nächsten 15 Jahren entstehen: ein drei Hektar großes Areal, das sich vom Nettomarkt in Richtung Pleidelsheim erstrecken würde. Aus Mundelsheimer Sicht werden diese Flächen benötigt, damit sich ortsansässige Betriebe erweitern können. In der Ortschaft selbst sei einfach kein Platz mehr vorhanden, so Bürgermeister Boris Seitz. Als eines von mehreren negativen Beispielen nennt die Verwaltung die Firma Sauer Oberflächentechnik: Dieses Unternehmen wanderte nach Neckarwestheim ab, weil die Firma in Mundelsheim nicht expandieren konnte.

Der Gemeinderat stimmte den von der Verwaltung vorgeschlagenen Entwicklungsgebieten ohne Ausnahme zu. Der GVV soll im Juni über den Flächennutzungsplan entscheiden. Auch wenn die Genehmigungsbehörden die von den Mundelsheimern gewünschten Flächen bewilligen sollten, heißt das noch lange nicht, dass diese Areale tatsächlich bebaut werden. Ein Beispiel ist das Mundelsheimer Neubaugebiet „Rozenberg“, das seit Jahrzehnten im FNP verankert war – nun aber wegen seiner schwierigen Erschließbarkeit wieder herausgefallen ist.

Hintergrund

Ein wesentlich größeres Projekt kann die Gemeinde nicht im Flächennutzungsplan ausweisen: das Gewerbegebiet Benzäcker an der Autobahnausfahrt. Dieses etwa 20 Hektar große Areal befindet sich zwar auf Mundelsheimer Markung, doch bei der in einem regionalen Grünzug liegenden Fläche hat der VRS ein gewichtiges Wort mitzusprechen (wir berichteten). Laut Bürgermeister Boris Seitz will die Regionalversammlung das Planungsverfahren, das sich mindestens ein bis zwei Jahre hinziehen könnte, im kommenden Mai anstoßen. Das Vorhaben sei umstritten, gab Beate Fähnle (Freie Wählervereinigung) zu bedenken. „Wenn man da rangeht, sollte man die Stimmung in Mundelsheim eruieren und die Öffentlichkeit einbinden.“ Christian Bürkle (Bürgerliche Wählervereinigung) interpretierte das drei Hektar große Gewerbegebiet südlich des Nettomarkts, das die Gemeinde im FNP ausschreiben will, als eine Art Druckmittel gegenüber der Region. „Wir stimmen dem Benzäcker zu – aber nur, wenn wir unser Gewerbegebiet im Ort kriegen.“

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