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Genossenschaft nimmt erste Hürde

Wo noch für wenige Wochen der Hemminger Bauhof untergebracht ist, soll ab 2023 eines der ersten Wohngebäude der neuen Kreis-Genossenschaft entstehen. Foto: Andreas Becker
Wo noch für wenige Wochen der Hemminger Bauhof untergebracht ist, soll ab 2023 eines der ersten Wohngebäude der neuen Kreis-Genossenschaft entstehen. Foto: Andreas Becker
Mit Hemmingen hat die dritte Kommune im Kreis einer Beteiligung an der geplanten Wohnbaugenossenschaft zugestimmt. Die Verantwortlichen können nun weitere Schritte für mehr Wohnraum einleiten.

Kreis Ludwigsburg. Eigentlich wird derzeit an vielen Stellen im Kreis gebaut, beziehungsweise die Voraussetzungen dafür von den Kommunen geschaffen – doch nicht für alle. „Bezahlbarer Wohnraum ist zum Luxusgut geworden“, konstatierte der Korntaler CDU-Fraktionschef Oliver Nauth beim Blick auf die Pläne und Verfügbarkeiten im eigenen Ort, was nun dazu führe, dass ein bei der Stadt beschäftigter Hausmeister fortziehen müsse, zudem hätten allein im vergangenen Jahr 30 junge Familien Münchingen verlassen, weil sie dort nichts Adäquates fanden.

Denn „bezahlbar“ bedeute angesichts der Preisentwicklungen schon lange nicht mehr, dass die Zielgruppe im Niedriglohnsektor arbeite. Sondern aus der Mitte der Gesellschaft stamme, wie es Heiner Pfrommer formulierte, der Sozialdezernent im Landratsamt. In der Kreisbehörde betrachtet man die Entwicklungen schon länger mit Sorge, zumal laut einer Studie der Kreis bei der sogenannten „Wohnungslücke“ landesweit recht weit vorn liegt. Abhilfe schaffen, und das vor allem langfristig, will man mit einer Genossenschaft für bezahlbaren Wohnraum (wir berichteten). Die aber muss auch von den Kommunen unterstützt werden, und das nicht nur mit viel Zuspruch, wie es ihn jüngst im Korntal-Münchinger Gemeinderat nach dem Besuch aus Ludwigsburg gab. Sondern vor allem konkret: mit Beteiligungen, zumeist in Form von Grundstücken. Drei solcher Angebote benötigt man gemäß des Genossenschaftsgesetzes zur Gründung – und hat das nun geschafft.

Denn ohne große Diskussion hatte nur kurz zuvor der Hemminger Gemeinderat einstimmig beschlossen, Gründungsmitglied zu werden, nach Remseck und Affalterbach. Und wie die Bottwartalkommune hat auch die Hemminger Verwaltung gleich ein konkretes Grundstück vorgeschlagen, das des Bauhofs in der Goethestraße. Das sei nach dem Umzug der kommunalen Einrichtung eh für eine Wohnnutzung vorgesehen und die formal-rechtlichen Voraussetzungen für den Bau zweier Mehrfamilienhäuser schon entsprechend für die nächste Gemeinderatssitzung vorbereitet gewesen, so Bürgermeister Thomas Schäfer. „Da meinen wir, ist es doch eine gute Sache, das gleich in die neue Genossenschaft einzubringen.“

Dass sich Kommunen nicht nur über Anteile finanziell beteiligen, sondern vor allem mit Grundstücken, geht wiederum auf Korntal-Münchingen zurück. Bürgermeister Joachim Wolf, der in seiner Einführung in das Thema von seinem „kleinen Beitrag“ sprach, war einer der wenigen Beteiligten in einem Arbeitskreis, und brachte 2018 diese Idee auf. Denn gerade in diesen Zeiten erst Grundstücke aufkaufen zu müssen, mache es schwer, darauf bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Premiere in Baden-Württemberg

Auch bei der rein finanziellen Unterstützung konnte Andreas Veit von der Wohnbau Ludwigsburg, die die sogenannte Geschäftsbesorgung übernehmen soll, damit der Kreis nicht zusätzliche Mitarbeiter anstellen muss, Hoffnung auf Mehr machen. Denn schon im Dezember hatte Landrat Dietmar Allgaier neben den 400000 Euro vom Kreis eine Beteiligung der Kreissparkasse in Höhe von 1,5 Millionen Euro zum Start verkünden können, „da gibt es nun vielleicht etwas mehr“, berichtete Veit von Gesprächen mit dem Bankenvorstand. Und möglicherweise auch überhaupt etwas vom Land. Man habe mit der Wohnbauministerin Nicole Razavi ein Gespräch gehabt, die „von der Idee sehr begeistert war“ – schließlich wäre das Ludwigsburger Genossenschaftsmodell eine Premiere in Baden-Württemberg, weil ebenso Bürger, vor allem als Mieter, Anteile (ähnlich der Kaution auf dem freien Markt) erwerben könnten. Deshalb würden nun Landeszuschüsse geprüft, bis wann ein Ergebnis vorliegt, sei aber noch nicht bekannt, heißt es aus dem Landratsamt.

Dafür ist schon klar, wann sich die Kreis-Gremien das nächste Mal mit dem Thema befassen sollen: im März und April. Schließlich ist die Gründung der Genossenschaft, für die nun die Voraussetzungen vorliegen, in diesem Halbjahr angestrebt, was ambitioniert, aber auch realistisch sei. Im selben Zeitraum stünden zudem weitere Beratungen in Gemeinderäten an – die hätte sie sich konkreter auch schon in Korntal-Münchingen gewünscht, so Freie Wähler-Chefin Marianne Neuffer, und Andrea Küchle (FDP) nannte das Haus in der Gaisgasse.

Insgesamt, sagte Veit, benötige die Genossenschaft rund 400 Wohnungen, um wirtschaftlich zu sein. Für ihre Flächen bekämen die Kommunen auch eine Gegenleistung, nämlich zum einen „als kleines Goodie“ 2000 Euro von der L-Bank pro Wohnung, zudem ein Vorschlagsrecht für die Belegung. Mehr, also etwa die Zusicherung, dass eigene Bürger die jeweiligen Wohnungen in einer Kommune erhalten, sei rechtlich nicht machbar und man würde auch den Verlust von Fördergeldern riskieren, so Veit, der ebenso darauf verwies, wie groß allein die Warteliste seiner Wohnbau LB sei. Zudem wolle die Genossenschaft dann auch auf eine gute Durchmischung in den Mietshäusern achten, und dass nicht diejenigen mit ganz geringem Einkommen verdrängt würden.