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Goldenes Jubiläum für Liebesheirat

Der frühere Gemeindeinspektor von Oberstenfeld und spätere Schultes von Murr, Manfred Hollenbach (links), kann dem Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann viel über die komplizierte Vorgeschichte der Eingemeindungen erzählen. Fotos: Helmut Pange
Der frühere Gemeindeinspektor von Oberstenfeld und spätere Schultes von Murr, Manfred Hollenbach (links), kann dem Oberstenfelder Bürgermeister Markus Kleemann viel über die komplizierte Vorgeschichte der Eingemeindungen erzählen. Fotos: Helmut Pange
Der Chor „Swinging Voices“ eröffnet den Festakt.
Der Chor „Swinging Voices“ eröffnet den Festakt.
Von einem Tag auf den anderen ist Oberstenfeld um 1200 Einwohner gewachsen: Zum Jahreswechsel 1971/72 wurde Gronau mit Prevorst eingemeindet. Das ist am Freitag mit einem Festakt im Bürgersaal gefeiert worden.

Oberstenfeld. „Es war eine Liebeshochzeit, um die gekämpft wurde, und keine Zwangsehe“, sagt Manfred Hollenbach, der seinerzeit von 1967 bis 1972 Gemeindeinspektor von Oberstenfeld war. Als erster und einziger Beamter war er die rechte Hand von Bürgermeister Manfred Läpple und hat die Vorbereitungen zur Heirat vom ersten Tag an begleitet. Der spätere Bürgermeister von Murr und CDU-Landtagsabgeordnete sagt: „Das war keine gewöhnliche Fusion zweier Orte im Rahmen der Gemeindegebietsreform, sondern ein Prozess von landespolitischer Bedeutung.“

Das Drama nimmt nämlich seinen Anfang schon in den 1930ern mit der Auflösung des Oberamts Marbach. Gronau mit Prevorst wurde mit dem damals noch selbstständigen Schmidhausen vereint und wurde so dem Landkreis Heilbronn zugeschlagen. Oberstenfeld setzte sich durch, blieb eigenständig und gehörte forthin zu Ludwigsburg. Das passte den Gronauern nie so recht. Sie fühlten sich mehr zu Oberstenfeld hingezogen und wollten eigentlich württembergisch bleiben, statt fränkisch zu werden, erzählt der Historiker und Künstler Hanns-Otto Oechsle, der an dem Abend eine 100 Seiten starke und reich bebilderte gedruckte Chronik aller drei Orte präsentierte.

Mehr als 30 Jahre führten die Gemeinden so eine Fernbeziehung. Bis in den 1970ern eben jene Gemeindegebietsreform eine günstige Gelegenheit bot, diesen Zustand zu ändern. „Das war ein echtes Politikum“, so Hollenbach. Denn Schmidhausen wollte mit Beilstein fusionieren und damit weiter zu Heilbronn gehören. Die Gronauer blieben bei ihrer Haltung und wollten mit den Oberstenfeldern zusammengehen. Das Votum einer Bürgerbefragung sprach für die Legalisierung der „wilden Ehe“. Von den 554 stimmberechtigten Gronauern beteiligten sich 380, fast 70 Prozent. Und von denen waren 338 für eine offizielle Partnerschaft mit Oberstenfeld (fast 90 Prozent). Nicht ganz so hoch war die Zustimmung in Prevorst. Bei einer Wahlbeteiligung von fast 95 Prozent, waren 191 dafür, 112 dagegen. Daraufhin wurden die Landkreisgrenzen vom Landtag neu gezogen, denn eine Kommune in zwei Kreisen war nicht denkbar. Gronau mit Prevorst wechselten daraufhin nach Ludwigsburg. Am 10. Dezember wurde der Eingliederungsvertrag von den Bürgermeistern Manfred Läpple und Heinz Heeger unterschrieben. Der trat am 1. Januar 1972 in Kraft, am 26. Geburtstag Hollenbachs, erklärt er die komplizierte Vorgeschichte. Sieben Monate später war er Bürgermeister von Murr und blieb es fast 40 Jahre.

Als Eingemeindung vollzogen war, sollte es noch zwölf Jahren dauern, bis der amtierende Bürgermeister der Fusionsgemeinde Markus Kleemann überhaupt geboren war. „Sich heimisch zu fühlen, sich in ein Gemeinwesen integriert zu haben und im besten Sinne eine ‚Heimat‘ gefunden zu haben, das ist wohl der Wunsch eines jeden Menschen“, sagte er. Und diese Heimat hätten hier rund 6000 Oberstenfelder, 1600 Gronauer und 400 Prevorster in der Gemeinschaftskommune gefunden. Vor 50 Jahren seien im Vorfeld lange, oft schwierige Verhandlungen und unzählige, auch emotionale Sitzungen nötig gewesen, bis der Eingliederungsvertrag stand. Ziel der Gemeindegebietsreform war: größere, schlagkräftigere Verwaltungseinheiten zu bilden, Pflichtaufgaben und freiwillige Leistungen zu bündeln, zu teilen und die finanziellen Lasten gemeinsam zu tragen. Zum Beispiel bei der Abwasserbeseitigung oder den Schulen. „Unsere Vorgänger in Gemeinderat und Verwaltung wollten alle drei Orte in eine gemeinsame Zukunft führen“, so Kleemann. Die Vorteile für Gronau und Prevorst hätten damals wie heute die Bedenken überwogen. „Alle Beteiligten haben in der 50-jährigen Erfolgsgeschichte kräftig voneinander profitiert. Ohne ihre Einzigartigkeit und Lebendigkeit aufzugeben, sind sie zu einer Einheit gewachsen.“

Den Festakt im Bürgerhaus eröffnete der Chor „Swinging Voices“ mit peppigen Liedern, verschiedene Gruppen des SKV lockerten die Redebeiträge mit Tanzeinlagen und einer kleinen Theaterszene auf. Und der LKZ verriet Oechsle noch die Stelle, an der Kirchtürme aller drei Orte zusammen zu sehen sind: im Gewann Nussbaum.