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Gutachter hält Angeklagten für schuldfähig

Wegen eines Doppelmordes muss sich ein 36-jähriger Mundelsheimer vor dem Landgericht verantworten

Mundelsheim/Stuttgart. Hat der 36-jährige Angeklagte aus Mundelsheim seine Freundin und deren neunjährige Tochter im Affektzustand getötet und ist daher nur eingeschränkt schuldfähig? Im Prozess vor der Schwurgerichtskammer des Stuttgarter Landgerichts verneinte dies der psychiatrische Gutachter jetzt deutlich.

Der gestrige neunte Verhandlungstag um ein schreckliches Verbrechen an Mutter und Tochter war von den Sachverständigen geprägt. Die Tübinger Rechtsmedizinerin führte aus, welche durch den Mundelsheimer verursachte Verletzungen zum Tode der beiden Opfer führten. Sie stellte dabei fest, dass der Täter zuerst die 42-jährige Frau mit einem Schlag durch ein Kantholz in der Küche der Allmersbacher Wohnung zu Boden warf. Dann muss er laut ihrer medizinischen Erkenntnisse weitere zweimal mit dem Holz auf den Kopf der am Boden liegenden Frau eingeschlagen haben. Selbst zu diesem Zeitpunkt habe die Frau gelebt – und auch mitbekommen, dass der Täter mit einem Messer ihre Kehle durchtrennen wollte. Dagegen habe sie sich heftig gewehrt, wie die von der Rechtsmedizinerin festgestellten Erkenntnisse zeigten. Der Tod trat bei ihr erst danach durch den hohen Blutverlust ein.

Auch bei der neunjährigen Tochter stellte die Gutachterin als Todesursache Verbluten durch den Kehlenschnitt fest, wollte aber auch nicht ausschließen, dass das zur Tatzeit schlafende Kind bereits nach den Schlägen auf den Kopf tödliche Verletzungen erlitt. Denn dabei seien bei ihr massive Schädelfrakturen entstanden, die man in der Regel nicht überlebt. Hieße im Klartext: Das Kind hatte einen schnellen Tod, während seine Mutter noch um ihr Leben kämpfte, wie die Rechtsmedizinerin feststellte.

Während dieses Vortrages hatte der Angeklagte seinen Oberkörper auf den Tisch vor sich gelegt und tat, als ob er schläft. Bei den danach folgenden Ausführungen des psychiatrischen Sachverständigen zu seiner Schuldfrage war der 36-Jährige jedoch wieder hellwach.

Dr. Peter Winckler aus Tübingen, bundesweit bekannt als forensischer Sachverständiger bei Gewaltverbrechen, sprach ihm nach seinem gestern vorgetragenen Gutachten eine Affekttat generell ab. Denn dagegen spräche seiner Meinung nach und nach einer elfstündigen Exploration, also einer Befragung des Mundelsheimers, vor allem das Verhalten des Mannes kurz vor der Bluttat: Er habe am Abend des 20. Juni 2020 mit der Frau Streit gehabt. Dann jedoch sei er zu seinem in der Nähe geparkten Auto gegangen und habe dort das Kantholz geholt, ging zurück in die Wohnung der ahnungslosen 42-Jährigen und schlug sie mit dem Holzstück von hinten nieder. Dieses Tatverhalten sei kein Affekt. Er wollte mit der Tötung die „Endgültigkeit“ unterstreichen, wie der Angeklagte es dem Gutachter wörtlich mitgeteilt hatte. Auch die anschließende Fahrt nach Gaildorf, um dort als drittes Opfer seine Noch-Ehefrau zu töten – was nicht klappte –, und zurück nach Mundelsheim bezeichnet der Sachverständige Peter Winckler als weit weg von einem Affekt.

Der Angeklagte sei psychisch gesund, habe keine formalen Denkstörungen, keine Halluzinationen und keine manisch-depressiven Probleme, allerdings: Ganz normal sei er nicht, sagte der Gutachter. Vor allem hinsichtlich Partnerbeziehungen. Da sei er kompromisslos, sozusagen ein richtiger Tyrann. Eine sogenannte „schwere seelische und krankheitsbedingte Störung“ liege nicht vor und er sei auch kein geistig gestörter „verrückter Täter“, eher ein ungewöhnlicher Mensch, so der Sachverständige.

Auch eine Persönlichkeitsstörung habe er nicht feststellen können, weshalb der Forensiker gestern zu dem Schluss kam, dass der Angeklagte für die beiden Morde und für den versuchten Mord an seiner Ehefrau im Sinne des Gesetzes voll schuldfähig sei.

Der Prozess wird fortgesetzt.

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