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Haltestelle in Birkhau kann nicht umgebaut werden

Natürlich würde auch die Gemeinde Affalterbach am liebsten alle Bushaltestellen barrierefrei umbauen – allein es geht nicht bei allen. Vor allem die idyllische Bushaltestelle in Birkhau ist ein großes Problem. Hier kann der Bus nicht gerade an die Haltestelle fahren.

In Birkhau kann der Bus nicht gerade an die Bushaltestelle heranfahren, weshalb hier kein behindertengerechter Umbau möglich ist.Foto: Ramona Theiss
In Birkhau kann der Bus nicht gerade an die Bushaltestelle heranfahren, weshalb hier kein behindertengerechter Umbau möglich ist. Foto: Ramona Theiss

Affalterbach. Die Birkhauer Bushaltestelle ist in einer Kurve gelegen und mit einem großen Baum in der Mitte sehr idyllisch gestaltet, für ältere Menschen ist sie aber kaum nutzbar. „Ältere oder behinderte Menschen tun sich hier sehr schwer, weshalb viele erst gar nicht mit dem Bus fahren“, berichtete Heinz Franke in der Bürgerfragestunde in der Gemeinderatssitzung. Ob man die Zufahrt nicht breiter machen könne, damit die Busse besser an den Bussteig kommen, wollte er wissen.

Doch so einfach ist es nicht, wie Hauptamtsleiter Alexander Langner betonte, als er das Thema in der Gemienderatssitzung vorstellte. Das Gesetz schreibt vor, dass alle Haltestellen barrierefrei sein müssen. Dies bedeute, dass alle Hochbords 18 Zentimeter hoch sein müssen, dass ein stufenloser Zugang möglich ist, für Sehbehinderte muss es Bodenindikatoren geben – sie sollen immer an der ersten Tür einsteigen. Fachleute, Ingenieure und Vertreter des Verkehrsverbundes Stuttgart (VVS) hatten die Bushaltestellen untersucht, zudem hatte Langner mit dem Busunternehmer alle abgefahren. Fast jede hat ihre Tücken, die in Birkhau ganz besonders. Durch die Lage in der Kurve könnte der Bus nicht gerade an das Hochbord heranfahren, es entstünde eine Lücke. Ein Umbau des Platzes oder der Neubau einer Haltestelle direkt an der Backnanger Straße, wie von Claudia Koch (Ula) vorgeschlagen, stünde von den Kosten her gesehen in keinem Verhältnis. Langner schätzt den Umbau auf gut 2,5 Millionen Euro , immerhin braucht es große Erdarbeiten, zudem eine Fußgängerampel, Überwege und Beleuchtung. Und Bürgermeister Steffen Döttinger verweist auf Murr: Dort geht man von Kosten in Höhe von 600000 Euro für eine Bushaltestelle im Gewerbegebiet aus, „und das ist im Gewerbegebiet und nicht außerhalb des Ortes an einer Verkehrsstraße gelegen“, betont er. Auch in Wolfsölden kann der Bus nicht gerade die Haltestelle anfahren, Bodenindikatoren sind möglich.

Das wollten die Gemeinderäte aber nicht so hinnehmen. Helmut Rikker (Freie Wähler) spekulierte mit dem Zuschuss. Es gebe doch für den Umbau 75 Prozent Förderung vom Land. Ob diese gedeckelt sei. Sonst könne man vielleicht doch über einen Komplettumbau in Birkhau nachdenken. Die Information konnte Bürgermeister Steffen Döttinger in der Sitzung nicht liefern, dafür aber auf Nachfrage später: Das Land bezuschusst pro Bushaltestelle 40000 Euro, bei einem Buscap liegt der Deckel bei 25000 Euro und bei einem Wartehaus bei 12000 Euro, davon gibt es dann die 75 Prozent Zuschuss.

Andreas Neuweiler (CDU) brachte auch eine andere Lösung für Wolfsölden ins Spiel: Wenn die Fahrtrichtung geändert würde und der Bus gleich links in die Bushaltestelle führe und keine Schleife drehe, könnte der Bus gerade in die Bushaltestelle hineinfahren. Dies soll noch geprüft werden, scheitert aber wohl daran, dass die Busse links keine Türen haben.

Auch in der Klingenstraße ist kein Hochbord möglich, zum Umbau der Bushaltestelle würden Privatgrundstücke benötigt. Baulich wäre zwar ein Buscap auf der Straße möglich, aber praktisch nicht umsetzbar. Hier werden Kinder aus anderen Schulen mit dem Bus zum Schwimmunterricht gefahren und wieder abgeholt, teilweise muss der Bus fünf Minuten warten, bis die Schüler kommen. „So lange kann man den Verkehr nicht ausbremsen“, sagte Langner.

Komplett umgestaltet werden kann die Haltestelle „Waage“ an der Erdmannhäuser Straße. Diese sei auch besonders wichtig, da es sich um die Haupthaltestelle im Ort handle. Gar keine Probleme gibt es in Richtung Erdmannhausen, kleine Einschränkungen aber von Erdmannhausen her auf Höhe der Seestraße. Bei einem normalen Bus läuft der Halt am Hochbord reibungslos, bei einem Gelenkbus gibt es Komplikationen. Damit die Einfahrt zur Seestraße nicht durch den am Hochbord haltenden Bus versperrt wird, muss der Einstieg für Behinderte dann an der dritten und nicht wie üblich an der zweiten Tür stattfinden.

„Ich würde am liebsten alle Haltestellen machen“, war es Döttinger nochmal wichtig, zu betonen, aber es müsse doch in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen bleiben.

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