Logo

Hebammenmangel wird bekämpft

Stuttgart/Karlsruhe. Mit einer Erhebung zum Zustand der Geburtshilfe im Südwesten will das Land Baden-Württemberg erste konkrete Schritte gegen den Hebammenmangel einleiten. Es müsse präzise festgestellt werden, wie viele Hebammen es gibt, was sie anbieten und wo im Land schwangere und gebärende Frauen nicht angemessen begleitet werden können. Das ist das Ergebnis eines ersten Treffens des Runden Tisches zu diesem Thema, zu dem das Soziaministerium gestern nach Stuttgart geladen hatte. Auch müssten die Arbeitsbedingungen der überlasteten und oft unter Zeitdruck arbeitenden Geburtshelferinnen in Krankenhäusern verbessert werden, sagte Staatssekretärin Bärbl Mielich (Grüne).

350_0900_14839_COswHEbammen.jpg
Überlastet und schlecht bezahlt – viele Hebammen geben ihren Beruf auf. Foto: Foto: Uli Deck/dpa
Ludwigsburg. Als Grundlage für notwendige Veränderungen sollen vom Deutschen Hebammenverband entwickelte Eckpunkte für gute Geburtshilfe dienen. Darin werden unter anderem mehr Hebammenstellen in den Kliniken gefordert. „Von einer Eins-zu-Eins-Versorgung für Gebärende sind wir weit entfernt – und wir entfernen uns immer weiter davon“, sagte Mielich. Dass mehr und mehr Hebammen ihren Beruf aufgeben – „diese Entwicklung müssen wir stoppen“, betonte sie.

Die Landesvorsitzende des Hebammenverbandes Baden-Württemberg, Jutta Eichenauer, äußerte sich im Anschluss an die Runde zufrieden. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagte sie. Die Botschaft sei angekommen; alle zögen nun an einem Strang. Ein „Weiter so“ dürfe es nicht geben. Dass die Landesregierung das Problem angehen will, sieht auch Ines Pantle, die Kreissprecherin der Hebammen aus Großbottwar, positiv. Das Bottwartal allein könne drei bis vier Hebammen mehr vertragen. In Stadt und Kreis Ludwigsburg würden die Hebammen stark am Limit arbeiten.

Erkenntnissen des Verbandes zufolge machten immer mehr Frauen traumatische Erfahrungen während der Geburt. Grund dafür sei die oft kritische Situation in den Kliniken, bei der die Hebammen nicht selten mehrere Geburten gleichzeitig betreuten. „Der Gesprächsbedarf frisch gebackener Mütter ist enorm“, so Eichenauer. Täglich erreichten sie Anrufe traumatisierter und verzweifelter Frauen – Tendenz steigend. Das Internet sei voll davon; die Gesamtproblematik erschreckend. Eine Eins-zu-eins-Betreuung sei notwendig – in den Krankenhäusern, wo die Hebammen oft bis zur Erschöpfung arbeiteten, vielfach jedoch schlicht unmöglich. „Hätten wir mehr Hebammen, gäbe es weniger traumatisierte Frauen.“

Der Landesverband der Frauenärzte nannte einen solchen Betreuungsschlüssel utopisch und auch nicht notwendig. „Das ist ein Luxus, den sich die Krankenhäuser schlicht nicht leisten können“, sagte Landesvize Volker Heinecke.

„Es gibt einen Hebammenmangel“, sagte eine Sprecherin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, die ebenfalls am Runden Tisch teilnimmt. Dass dies bei den Müttern aber vermehrt zu schlechterer Betreuung und damit schlechteren Erfahrungen führe, sei nicht bekannt. „Oft hängt ein solches Gefühl damit zusammen, dass sich Frauen eine natürliche Geburt wünschen – und dann kommt es doch zum Kaiserschnitt.“ Auch der Berufsverband der Vertragspsychotherapeuten konnte die Beobachtungen des Hebammenverbandes nicht bestätigen.