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Hilfe für jährlich rund 500 Schwerstkranke

Zehn Jahre Spezialisierte ambulante Palliativversorgung im Landkreis – Feierstunde im Kreishaus

Damit Schwerstkranke daheim sterben können, wurde die ambulante Palliativversorgung vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Foto: Felix Kästle/dpa
Damit Schwerstkranke daheim sterben können, wurde die ambulante Palliativversorgung vor zehn Jahren ins Leben gerufen. Foto: Felix Kästle/dpa

Kreis Ludwigsburg. Die Ehefrau durfte gut umsorgt zu Hause sterben, der Bruder kehrte schwer krank aus dem Ausland zurück, um im Kreise der Familie seine letzten Tage zu erleben. Geschichten eines TV-Beitrags aus dem Jahre 2013. Der Landkreis Ludwigsburg galt seinerzeit als Pionier in der ambulanten Palliativversorgung. Jetzt wurde das Zehnjährige des Dienstes begangen.

Zarte Harfenklänge umrahmten die Feierstunde im Kreishaus, die würdevoll gestaltet war und zum Stil der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung – kurz SAPV – passte. Diese orientiert sich laut Landrat Dietmar Allgaier an den Bedürfnissen des Patienten. Der Landrat erinnerte an die Anfänge, als im Jahr 2008 unter Federführung des Palliativarztes Dr. Christoph Küenzlen ein Konzept vorgelegt wurde. „Es war nicht leicht, die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut zu bringen“, sagte Allgaier. Doch die hohe Auslastung der Einrichtung zeige, dass es in diesem Bereich einen hohen Bedarf gebe. Aufgrund des demografischen Wandels seien noch Steigerungen zu erwarten. „Wir sind hier im Landkreis sehr gut aufgestellt“, versicherte Allgaier.

Christoph Küenzlen, der den Stein einst ins Rollen brachte, sprach von einer Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Die meisten Menschen wollen zu Hause sterben, aber nur 25 Prozent werde das ermöglicht. Deshalb hat der Gesetzgeber Ende 2007 eine Richtlinie auf den Weg gebracht. Diese besagt, dass Versicherte mit einer nicht heilbaren und weit fortgeschrittenen sowie aufwendige Versorgung benötigenden Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung Anspruch auf spezialisierte Palliativversorgung haben. Das Ziel: die Lebensqualität und die Selbstbestimmung schwerstkranker Menschen zu erhalten, zu fördern und zu verbessern. Wie Küenzlen berichtete, bedeutete der Aufbau einer ambulanten Versorgung im Landkreis zunächst einmal eine organisatorische Herausforderung. Es war die Geburtsstunde des Ludwigsburger Modells. Dessen Kernpunkte: Die SAPV ist ein selbstständiger Bereich der Kliniken-gGmbH Ludwigsburg-Bietigheim, die mit Krankenkassen einen Vertrag zur Erbringung von Leistungen im Rahmen der SAPV abschließt. Hinzu kommen Kooperationsverträge mit Pflegediensten und Ärzten. Bindeglied zwischen Kliniken und Kooperationspartnern ist ein Kuratorium, das etwa Abrechnungsmodalitäten beschließt.

„Das dezentrale Ludwigsburger Modell hat es möglich gemacht, dass die von uns betreuten Patienten einem Arzt und einer Pflegekraft zugeordnet sind, die ihren Wohnort in diesem Bereich haben, was Wege und Zeit spart“, sagte Küenzlen, der auch Vorsitzender des Kuratoriums ist. „Erst eine Anschubfinanzierung des Landkreises hat den Aufbau des Dienstes ermöglicht“, fügte der Palliativarzt hinzu.

Seine Kollegin Dr. Nicole Pakaki gab Einblicke in die Arbeit des Dienstes, die in dem TV-Beitrag von 2013 so eindrucksvoll dargestellt wurde. Dabei würdigte sie nicht nur den Einsatz des heute knapp 30-köpfigen Palliativteams, das pro Jahr rund 500 Schwerkranke größtenteils zu Hause versorgt, sondern stellte auch zusätzliche Angebote vor, die durch Spenden finanziert werden. Ob Klangschalen, Aromatherapie, Seelsorge, Entspannungsbehandlung oder der Einsatz von Therapiehund Emil: Schwerkranke und ihre Angehörigen erfahren intensive Momente in einem nicht einfachen Alltag. „Vielen Dank für Ihren liebevollen Einsatz bei der Pflege und Versorgung meines Manns“. Dieses Schreiben ist für das SAPV-Team wohl das schönste Geschenk zum zehnjährigen Bestehen.

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