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Hilfe und Unterstützung von Experten

Schulsozialarbeit ist ein wachsendes Arbeitsfeld geworden. Dieses frei zugängliche und kostenlose Angebot hat zum Ziel, Schülerinnen und Schüler in ihrer individuellen, sozialen und schulischen Entwicklung zu fördern sowie Eltern und Lehrkräfte zu beraten und zu unterstützen – auch an Grundschulen. Und das nicht erst seit Beginn der Coronapandemie.

Auch die Grundschule Gemmrigheim soll von der Schulsozialarbeit unterstützt werden. Dafür setzt sich die Schulleiterin ein. Foto: Alfred Drossel
Auch die Grundschule Gemmrigheim soll von der Schulsozialarbeit unterstützt werden. Dafür setzt sich die Schulleiterin ein. Foto: Alfred Drossel

Besigheim/Gemmrigheim. Leistungserwartung, Flucht und Migration, soziale Ungleichheit, Vernachlässigung, Mobbing oder Schule schwänzen – es gibt viele Gründe, warum nicht nur weiterführende Schulen, sondern auch Grundschulen den Bereich Schulsozialarbeit an ihrer Einrichtung ausbauen und anbieten wollen.

Der Bedarf sei immer spürbarer geworden. Darauf weist Burga Burgel, Schulleiterin der Kreuzäcker-Grundschule in Ottmarsheim, erstmals im November 2019 hin. Es sei bekannt, dass der gesellschaftliche Wandel zu grundlegend veränderten Sozialisationsbedingungen für die Kinder geführt habe, erklärt Burgel. Im Bereich der Familien hätten sich Veränderungen vollzogen, so dass mehr und mehr außerfamiliäre Institutionen elementare Versorgungs- und Betreuungsleistungen für Kinder übernähmen. Schulen würden immer mehr vor die Notwendigkeit gestellt, Eltern bei der schwieriger werdenden Erziehung ihrer Kinder zu unterstützen und Aufgaben zu übernehmen, die früher in familiären Zusammenhängen gelöst worden seien, erklärt Burgel. „Eine Schulsozialarbeit ist eine ganzheitliche, lebensweltbezogene und lebenslagenorientierte Förderung und Hilfe für die Schülerschaft im Zusammenwirken mit der Schule.“

Auch an der Kreuzäcker-Grundschule gebe es Schülerinnen und Schüler, die sich nicht in der Klasse integrieren könnten, deren Probleme das eigene Lernen und das Lernen ganzer Klassen beeinflussten. „Lehrerinnen und Schulleiterinnen kommen trotz enger Kooperation mit Eltern an ihre Grenzen“, sagt Burgel. Wenn in Grundschulen über Schulausschluss statt sinnvoller Integration problembeladener, verhaltensauffälliger Kinder nachgedacht werden müsse, um eine Lerngruppe zu schützen, „wird es für uns als Schule dringend notwendig neue Wege zu gehen und uns Hilfe und Unterstützung von Experten zu suchen“. Soziales Lernen nehme neben dem Lernen von Bildungsinhalten mittlerweile bereits einen großen Raum ein. Es wäre deutlich effektiver, wenn Schulen von Experten unterstützt würden.

Und diese Unterstützung kommt, denn „mittlerweile ist die Stelle ausgeschrieben und besetzt worden“, freut sich Burga Burgel, „die Schulsozialarbeiterin fängt voraussichtlich zum 1.Juli an.“

Auch Nicole Poesch, Schulleiterin der Grundschule Gemmrigheim, setzt sich für die Schulsozialarbeit ein. Im März 2020 richtet sich Poesch in ihrem Bericht diesbezüglich an die Gemeinderäte. Es gebe zunehmend Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, außerschulischen oder familiären Problemen, zählt Poesch auf. Es gebe Kinder, die traumatisiert oder vernachlässigt seien, gar nicht in die Schule kämen, die Diebstahl begingen oder Mitschüler auf dem Pausenhof bedrohten (wir berichteten). Gespräche, die weniger die Schule, sondern vermehrt die Erziehung betreffen, hätten zugenommen. „Die Schulsozialarbeit ist ein unabhängiger Gesprächspartner und berät bei individuellen Problemen“, sagt Poesch. Es könne mit den Eltern zusammengearbeitet, Lehrer und Schulleitung bei schulischen und pädagogischen Anliegen unterstützt werden. „Die Prävention im Kindes- und frühen Jugendalter führt zur Festigung von positiven Verhaltensmustern“, betont Poesch. Das Selbstbewusstsein der Kinder werde gestärkt. „Schulsozialarbeit bedeutet nicht nur einen Mehrwert für die Schule, sondern vor allem eine Aufwertung der sozialpädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Ort.“ Auf Nachfrage, ob und wie es mit der Schulsozialarbeit in Gemmrigheim weitergeht, teilt Poesch mit, dass sie „noch keine konkreten Infos“ habe. Es gebe „noch Klärungsbedarf“, fügt Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer hinzu.

Anders stellt sich die Situation an der Besigheimer Friedrich-Schelling-Schule dar. Dort ist Schulsozialarbeiter Joscha Weber seit mehr als zehn Jahren am Start und betont: „Die Schulsozialarbeit wird im Bereich der Grundschule sehr gut angenommen.“ Am häufigsten wenden sich Schüler an ihn, wenn sie Konflikte – welcher Art auch immer – haben, Lehrer kämen bei Fragen nach weiterführender Unterstützung für Schüler sowie bei Fragen zum Sozialgefüge und Teambildung in ihren Klassen zu ihm und Eltern bei Erziehungsfragen, zählt Weber auf.

Ob Nachfragen seit Beginn der Pandemie zugenommen hätten? „Von einer Zunahme kann ich pauschal nicht sprechen“, erklärt Weber, „von einer Veränderung der Problemlagen eher, beispielsweise wird über Schulschwänzen oder über Probleme, die es zuhause gibt, gesprochen.“

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