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Hitze und Corona machen zu schaffen

Überall gelten Abstands- und Hygieneregeln – auch in den Rebzeilen: Bei der Traubenannahme herrscht Maskenpflicht. Hitze und Corona machen den Wengertern derzeit zu schaffen.

Impressionen der Lese 2020: In Hessigheim prüft die österreichische Praktikantin Sandra Hochmayer die eingehenden Trauben.Fotos: Alfred Drossel
Impressionen der Lese 2020: In Hessigheim prüft die österreichische Praktikantin Sandra Hochmayer die eingehenden Trauben. Foto: Alfred Drossel
„Hygiene- und Abstandsregeln werden eingehalten“, sagt der Bönnigheimer Kellermeister Michael Schiefer.
„Hygiene- und Abstandsregeln werden eingehalten“, sagt der Bönnigheimer Kellermeister Michael Schiefer.
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Besigheim/Bönnigheim/Mundelsheim. „Die Coronavorschriften müssen eingehalten werden“, sagt Kellermeister Michael Schiefer vom Strombergkeller in Bönnigheim. „In der Kellerei herrscht Schichtbetrieb. Das Schlimmste, was passieren kann, wäre, dass die ganze Kellereimannschaft während der Lese in Quarantäne müsste.“ Die Hygiene- und Abstandsregeln würden eingehalten. Schiefer: „Wenn jemand ohne Maske kommt, schicken wir ihn samt seinen Trauben wieder heim.“

Die Pandemie ist in Bönnigheim zwar ein Thema, vielmehr aber beschäftige die Wengerter die geringere Erntemenge. Zu den Folgen der Frostschäden, die in den Weinbergen von Bönnigheim und Hohenhaslach ein Drittel ausmachen, kommt der Wassermangel im Weinberg. Außerdem, so Schiefer, lasse die Hitze die Flüssigkeit in den Traubenbeeren verdunsten. Da gebe es manchmal lange Gesichter, wenn das Gewicht der Anlieferung auf dem Zettel stehe.

Einige Weingärtner am Stromberg und im Neckartal haben in Coronazeiten Engpässe bei den Saisonarbeitskräften. Auch das Umsetzen der Hygieneregeln bereitet Kopfzerbrechen. Die Lesemannschaften müssten getrennt zur Arbeit in die Weinberge gefahren werden, auch das Mittagessen müsse separat voneinander eingenommen werden. Einfach den Eimer schnappen und im Weinberg loslegen, wie in vergangenen Jahren, ist in Zeiten der Pandemie schwierig. Spontane Einsätze von Erntehelfern seien kaum mehr möglich, betont Sebastian Häußer von der Felsengartenkellerei Besigheim. Lesekräfte müssen laut Verordnung auf Corona getestet werden. Das sind vor allem Helfer aus Polen und Rumänien. Probleme bereiteten auch die veränderten Vorschriften für die Unterkünfte der Saisonarbeiter, sagt Häußer. Der Kellermeister und Technische Betriebsleiter der Felsengartenkellerei bestätigt, dass die Erntemengen geringer ausfielen. Er führt das nicht nur auf die Trockenheit, sondern auch auf die verhaltene Blüte im Frühjahr zurück. Freude herrscht allerdings angesichts der Qualitäten: Da gebe es nichts auszusetzen.

Die Studentin Sandra Hochmayer aus Niederösterreich ist eine der Qualitätskontrolleure bei der Traubenannahme in Hessigheim. Sie berichtet von einer konsequenten Lesedisziplin der Lesehelfer. Wengerter Alfred Schaaf aus Ingersheim strahlt, als er sein Ergebnis sieht: Seine Schwarzriesling- und die Spätburger-Trauben liegen mit 103 Oechslegrade über dem Durchschnitt. Wengerter Julian Alber klagt nicht über die neuen Vorschriften, sondern ist zufrieden, dass die Weinlese bei schönem Wetter gut läuft.

Etwa ein Drittel der Ernte ist im Mundelsheimer Käsbergkeller schon gekeltert. „Wir haben sehr gute Qualitäten, aber, vor allem bei den Weißweinen, geringere Mengen durch Frostschäden“, sagt Sonja Schult vom Käsbergkeller. In Mundelsheim dürfen keine fremden Personen in die Traubenannahme. Überall herrsche die Gesichtsschutzpflicht, betont Schult. Was sie stört, ist der angekündigte Regen. Der würde die Lese empfindlich stören, sagt sie.

Corona hat für die Wengerter nicht nur Auswirkungen auf die Lese: Weinfeste und Gastronomie mit Ausschank fallen weitgehend weg. Corona koste rund 25 Prozent vom Umsatz, rechnen die Selbstvermarkter unter den Wengertern vor. Doch: „Im Vergleich zu anderen Branchen haben wir die Krise einigermaßen gut überstanden“, sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. Im Einzelhandel und im Direktverkauf habe es auch Absatzzuwächse gegeben, zudem sei der Onlinehandel teils um 50 Prozent gewachsen. Insgesamt komme die Branche mit einem blauen Auge davon.

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