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Hochaltar wird vom Staub befreit

Zum Jubiläum wird der Besigheimer Hochaltar in der Stadtkirche entstaubt, damit er zur Jubiläumspredigtreihe im August in neuem Glanz erstrahlt. Vor 500 Jahren wurde das bedeutendste Kulturdenkmal der Stadt erschaffen.

Eingerüstet: Der Hochaltar ist eine Woche unter Bearbeitung. Foto: Alfred Drossel
Eingerüstet: Der Hochaltar ist eine Woche unter Bearbeitung. Foto: Alfred Drossel

Besigheim. Restaurator Thoma Wick kennt den Besigheimer Altar ganz genau: Im Jahr 2005 hatte er ihn grundlegend restauriert. Damals war ein „Engelsturz“ der Auslöser für die umfassenden Arbeiten. Jetzt geht es vor allem um Pflege und Erhalt. Unterstützt wird Thomas Wick von der Restauratorin Barbara Springmann. So ein Kunstwerk kann man nicht einfach nur abstauben oder gar mit dem Staubsauger bearbeiten. Die Restauratoren gehen mit feinen Pinseln an die Figuren und saugen den aufgewirbelten Staub dann ab.

Seit 2005 hat sich an dem Kunstwerk mancher Staub abgelagert. „Nicht nur aufgrund des Jubiläums, sondern auch um dieses besondere kunsthistorische Juwel zu erhalten, hat sich die Kirchengemeinde dafür entschieden, den Altar fachkundig reinigen zu lassen“, betont Dekan Eberhard Feucht. Ihn beeindrucke dieser Altar, weil er als künstlerisches Gesamtwerk an die zentrale Botschaft des Glaubens erinnert, an Heil und Heilung. Der Dekan freut sich schon darauf, wenn der Altar rechtzeitig zur geplanten Sommerpredigtreihe in neuem Glanz erstrahlen wird.

Wegen Corona wird das ursprünglich geplante Altarjubiläum anders gefeiert. Die Sommerpredigtreihe beginnt am 2. August in der Stadtkirche mit dem früheren Dekan Martin Luscher zum Thema „Heil und Heilung“ und in der Ottmarsheimer Hippolytkirche mit Pfarrer Wolfgang Strohm zum Thema „Ein König auf Abwegen – David und Batseba“.

Diese Woche werden Besucher der Besigheimer Stadtkirche den imposanten Hochaltar allerdings lediglich im Gerüst durch die Glasscheibe an der Eingangstür sehen können. Am Montag, als die Restauratoren ihre Arbeit aufnahmen, erfreute sich ein Ehepaar aus der Schweiz an dem Kunstwerk.

Hintergrund: Der Hochaltar aus Lindenholz gilt als ein Schmuckstück der Stadtkirche und gehört zu den größten und künstlerisch bedeutendsten Schnitzaltäre dieser Art. Er wurde zwischen 1520 und 1529 aufgestellt und ist etwa 13 Meter hoch. Seine Breite beträgt bei geschlossenen Flügeltüren vier, bei geöffneten Türen sieben Meter. Der Altar zeigt deutliche Stilelemente der Renaissance, wird jedoch insgesamt der Spätgotik zugeordnet. Aufgrund von Stilvergleichen schreibt man ihn dem Künstler Christoph von Urach und seiner Werkstatt zu. Der Altar zeigt in seinem Zentrum die Legende des Heiligen Cyriakus, der Artemia, die Tochter des Kaisers Diokletian, von der Besessenheit heilt. Umgeben ist diese Szene von üppig und fein gestaltetem Blattrankenwerk. Darüber sind die vier Heiligen Rochus, Martin, Georg und Dorothea zu sehen. Über ihnen thront im Gesprenge Christus als Weltenrichter, an seiner Seite Maria und Johannes der Täufer.

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